Stadt Gießen

Inspiriert und nuancenreich

Gießen (pm). Jene von Pfarrer Hans-Joachim Wahl in der Bonifatiuskirche angekündigte adventliche Musik, die »die Hoffnung auf Frieden, Hoffnung auf den Erlöser« trage, war bei dem niveauvollen Konzert reichlich zu erleben. Trost und Zuversicht im Angesicht des Erlösers Jesus Christus spendete etwa Max Regers Chorkomposition »Unser lieben Frauen Traum«. Das Vocalensemble Darmstadt zeigte schon zu Beginn in seiner Interpretation der »Hymn to the virgin« von Benjamin Britten hohen künstlerischen Anspruch. Unter Leitung von Jorin Sandau erspürte das Ensemble feine Ausdrucksnuancen. Voraus ging das Choralvorspiel »Rorate caeli« von Jeanne Demessieux, dargeboten von Nicolo Sokoli an der großen Orgel; das Werk stimmte mit seinen weihevoll-ruhigen Zügen ein in das besinnliche Konzert. Klanglich reizvoll meisterte Sokoli die archaisch anmutende, von Marcel Dupré bearbeitete gregorianische Hymnus-Melodie »Ave maris stella«. In Edvard Griegs Vertonung des gleichen Hymnus kam der farbige Chorsatz ansprechend zur Geltung, derart klanglich ausgefeilt widmete sich das Vokalensemble der Komposition. Die schattierungsreiche Gestaltung des Chors bezauberte auch in dem Lied »Maria durch ein Dornwald ging« in Gottfried Wolters Bearbeitung.
21. Dezember 2016, 12:00 Uhr
Sascha Jouini
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Mitglieder des Vocalensembles Darmstadt bei ihrem hingebungsvollen Vortrag. (Foto: jou)

Anschließend entlockte Sokoli der neuen Orgel in der nachdenklich-ernsten »Rhapsodie sur des noëls« von Eugène Gigout ein weites Klangspektrum, von dynamisch dezenten bis hin zu sonoren, in der erhabenen Ausstrahlung bewegenden Passagen. Orgelstücke wie Regers »Benedictus« oder Jean Langlais’ »Rosa Mystica« setzten weitere instrumentale Farbtupfer in dem hörenswerten Konzert, das intensiv zur geistigen Sammlung anregte. Die sorgfältige Einstudierung des Chors gefiel auch bei der Komposition »Es kommt ein Schiff geladen« aus den »Zwölf deutschen geistlichen Gesängen« von Reger. Insgesamt wirkte die Gesangsweise des Ensembles vornehm-elegant und unaufdringlich. Ganz sanft, voller Warmherzigkeit brachten die Sänger etwa das Weihnachtslied »Schlaf, mein Kindelein« aus demselben Zyklus zu Gehör. Gleichermaßen mild und zart dargeboten, vermochte der Choralsatz zu »Es ist ein Ros entsprungen« von Hugo Distler besonders zu berühren. Die halbkreisförmige Aufstellung des Ensembles steigerte die Wirkung. Mit seinen schwebenden Zügen schien der Choral – wie auch die Motette »O magnum mysterium« des Amerikaners Morten Lauridsen – gewöhnliche Zeitdimensionen zu sprengen. Zum Schluss, in der »Magnificat«-Vertonung von Charles Stanford, begleitete Sokoli den Chor an der kleinen englischen Orgel. Das Werk bildete einen erbaulichen Ausklang des Konzerts. Für den herzlichen Beifall dankte das Vocalensemble mit einer Zugabe.

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