18. März 2016, 18:22 Uhr

In der Kohlefabrik: Hier verschwand die Volksbank-Million

(mac). Wie konnte das passieren? Als im Januar bei der Volksbank Mittelhessen 1,3 Millionen Euro spurlos verschwanden, war der Aufschrei groß. Jetzt ist der Täter gefasst, das Geld wieder da. Peter Hanker sagt: »Wir hätten vorher nicht mehr tun können.« Der Voba-Boss hat der GAZ exklusiv den Tresor im Keller der Zentrale geöffnet. Kommen Sie mit an den Ort des Millionen-Coups.
18. März 2016, 18:22 Uhr
(Foto: Oliver Schepp)

Kein Zahlencode, kein Pupillenscanner, keine Laserschranken. Nicht mal meterdicke Edelstahlwände. Vergessen Sie alles, was Sie von James Bond oder Ethan Hunt über Tresorräume gelernt haben. Mit Kino hat das hier nichts zu tun. In der Hauptkasse im Keller der Zentrale der Volksbank Mittelhessen im Schiffenberger Tal steht die Stahltür zum Tresorraum offen. Das Neonlicht flackert. Auf den ersten Blick könnte es der Pausenraum einer Werkstatt sein, vielleicht ein Papierlager in einem Bürokomplex oder der Versand eines Online-Shops. »Natürlich halten wir hier alle Sicherheitsauflagen ein. Allerdings richten die sich fast ausschließlich gegen Angriffe von außen. Von außen kommt hier niemand durch die Schleusen«, sagt Dr. Peter Hanker. Er zwinkert und lacht. »So leicht wie Sie es sich gerade vorstellen, ist es nicht.«

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Nicht im Traum hätte der Vorstandssprecher daran gedacht, dass das Geldinstitut einmal von einem eigenen Mitarbeiter bestohlen werden könnte. »Wir hätten vorher nicht mehr tun können. Die Zugangswege sind alle videoüberwacht. Letztlich haben die Vorkehrungen ja auch gegriffen«, sagt Hanker. Es sei nur möglich, Geld am Körper herauszutragen. »Wir können aber nicht jeden Mitarbeiter ständig abtasten – und das wollen wir auch nicht«, betont Hanker. Das Vertrauen in sein Team sei ungebrochen.

Im Tresorraum wird erst auf den zweiten Blick deutlich, welche Ware hier gezählt, aufbereitet und verschickt wird. Hier lagern weder Keilriemen noch Muttern oder Kopierpapier. Hier geht es um Geld, Kohle, Lowi, Zaster und Moneten. Jeden Tag wird mit etwa 250 000 Münzen und 115 000 Scheinen gearbeitet.

Auf einem Rollwagen liegen Geldkoffer und Safe-Bags. Sie sehen aus wie vakuumierbare Gefrierbeutel, doch sie sind voller Hartgeld. Einzahlungen von Geschäften und Kneipen. In den Regalen stehen Paletten, darauf lagern Euro-Münzen – versandfertig eingerollt. Erst jetzt steigt ein Geruch in die Nase. Es ist Kupfer. »Wenn alle Maschinen laufen, ist es lauter als in der Osthalle. Es geht zu wie in einer Schraubenfabrik«, sagt Hankers Vorstandskollege Hans-Heinrich Bernhardt beim Rundgang. Die Münzen werden automatisch sortiert, gezählt, gerollt und verschweißt. Bei Scheinen wird geprüft, ob sie für den Umlauf taugen. Falschgeld oder fremde Währungen werden herausgefiltert. Alles, was einen Makel hat, geht an die LZB und wird gutgeschrieben. »Montags, wenn wir Geld aus Kneipen oder von der Kirmes bekommen, riecht es hier nach Bier«, erzählt Hanker.

Alles läuft strikt nach Vorgaben der Bundesbank. Neuerdings hängen im Tresorraum und über den Zähl- und Aufbereitungsmaschinen Kameras. »Eigentlich dürfen wir das am Arbeitsplatz nicht. Es war aber der ausdrückliche Wunsch der Mitarbeiter«, sagt Hanker. »Sie wollen nicht in Verdacht geraten, falls noch mal was geschieht.« Wie viele Scheine im Tresorraum in den Geldschränken lagern, will Hanker nicht verraten. Nur so viel: »Es ist ein achtstelliger Betrag.« Zwischen 10 und 99 Millionen also. Der Täter hatte 1,3 Millionen unter einer Jacke versteckt und aus der Tiefgarage getragen. Hanker lässt das Geld in der verschwundenen Stückelung bringen. Zwei Päckchen mit je 1000 500-Euro-Scheinen, je eines mit der gleichen Menge 100er und 200er. Erstaunlich wie handlich so eine Summe ist. Eine Million passt locker in die Jackentasche.  

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