22. Juli 2018, 09:00 Uhr

Virtual Reality

In andere Welten eintauchen

Seit 1. Juli können Gießener in der Bahnhofstraße 59 dank einer Virtual-Reality-Brille in virtuelle Welten eintauchen. Wer sich das traut, ist auf diese Weise plötzlich selbst Teil eines Computerspiels.
22. Juli 2018, 09:00 Uhr
LWG
So erlebt Geschäftsführerin Anneka Bost eine der spielbaren Welten durch die VR-Brille. Es handelt sich hierbei um eine Collage aus einem Bild der Spielerin und einem Auszug aus dem Spiel »Space Pirate«. (Foto: lwg)

Ob man Dalís Elefanten bestaunen, unter Wasser mit Delfinen schwimmen oder sich gegen unzählige Zombies mit Pfeil und Bogen verteidigen will – virtuelle Realitäten bieten unzählige Möglichkeiten. In der Gießener Bahnhofstraße 59 können Fans dieser Computerspiele seit 1. Juli in der Virtual-Reality-Arcade »inVRinity« mehr als 40 fremde Welten bereisen und sind so plötzlich selbst Teil dieser Spiele.

Aber wie soll das gehen? Eine sogenannte Virtual-Reality-Brille ist der Schlüssel in die fremde Welt. Der Spieler setzt sie auf und schon erscheint vor dem eigenen Auge eine dreidimensionale virtuelle Wirklichkeit. Der Nutzer interagiert in Echtzeit mit den computergenerierten Welten. Durch mehrere Sensoren werden die realen Bewegungen des Spielers wahrgenommen und in das Computerspiel übertragen. Anders als bei üblichen Videospielen, ist der Nutzer nicht durch einen Bildschirm von der Handlung getrennt.

Die Arcade ist die einzige dieser Art in der Region. »Gießen bot sich dafür aufgrund der hohen Studentendichte an. Wir bieten ein völlig neues technologisches Erlebnis«, sagt Geschäftsführerin Anneka Bost. Dabei gehe es vor allem um den Spaß-Faktor. Gespielt werden kann allein oder auch in Gruppen mit bis zu vier Personen.

Der Begriff Virtual Reality oder virtuelle Realität beschreibt eine am Computer erschaffene Umgebung mit Erlebnis in 360 Grad. Durch die VR-Brille wird man »Augenzeuge« und befindet sich vermeintlich mitten im Spiel. Die Brille ist außerdem mit Kopfhörern und Mikrofon ausgestattet, mit denen man sich mit mehreren Spielern untereinander verständigen kann. Für Brillenträger interessant: Der Abstand zwischen VR-Brille und Kopf ist variabel einstellbar. Das gilt auch für die Pupillendistanz, was besonders für Kinder wichtig ist.

Wir sehen uns auch als Technologiebotschafter

Anneka Bost

Zurzeit stehen in Gießen vier sogenannte Roomscales zur Verfügung. Es handelt sich dabei um einen Raum, der durch Vorhänge in vier Parzellen unterteilt ist. Jede Parzelle verfügt über einen rechenstarken Computer und zwei externe Sensoren, die Infrarotstrahlen horizontal sowie vertikal aussenden und erfassen. Auch das Brillenmodell verfügt über solche Sensoren. Dadurch kann die Position des Nutzers bis auf wenige Millimeter genau berechnet werden. Kommt man einer realen Wand zu nah, erscheint sie auch virtuell. Wichtig sind auch die beiden Controller, die der Nutzer in der Hand hält. Mit ihnen können verschiedene Aktionen gesteuert werden, die ebenfalls über die Bewegungsverfolgung erfasst werden. Sie dienen – je nach Spielsituation – auch mal als Abwehrschild oder als Waffe.

Noch im Aufbau sind momentan die beiden Treadmills, die an einen Laufstall erinnern. Dort wird man mit einem Gurt fixiert und läuft auf einer Plattform. Die analoge Bewegung wird dann virtuell übertragen.

Die über 40 Programme seien, laut Bost, geeignet für Einsteiger sowie für versierte Zocker. Darunter sind Spiele der Geschicklichkeit, Strategie, Abenteuer, Rennen oder Rätsel. Die Shooter- und Horrorspiele sind teilweise ab 18 Jahren. Die Ideen stammen zum Großteil von sogenannten Indie-Unternehmen, die unabhängig von den großen Unternehmen der Spieleindustrie Unterhaltungssoftware vertreiben.

Equipment ist teuer

Die Anwendungsmöglichkeiten der Virtual-Reality-Entwicklungen reichen darüber hinaus auch in weitere Bereiche des täglichen Lebens. Laut eigenen Angaben stehe eine Kooperation mit einer amerikanischen Universität in Aussicht, die biochemische Vorgänge, wie Proteinstrukturen, visualisieren würde. Auch für den Mathematik- oder den Anatomieunterricht würde sich Virtual Reality anbieten, berichtete Bost.

In der Anschaffung sei das Equipment sehr teuer. Für Nutzer, die sich selbst eine solche VR-Brille anschaffen wollen, schlagen mindestens 250 Euro zu Buche. Die Brillen, die Bost in der Arcade nutzt, haben einen vierstelligen Preis. »Dann braucht man natürlich dann auch noch den passenden Computer«, sagt Bost. Die Arcade öffnet, außer montags, ab 17 Uhr und schließt um 22 Uhr. Freitag und Samstag kann bis 24 Uhr gezockt werden. Wer mehr erfahren möchte, kann die Webseite www.invrinity.de besuchen oder sich bei Fragen an kontakt@invrinity.de wenden.

Zusatzinfo

Virtual-Reality-Spiele im Selbstversuch

Ich hatte befürchtet, dass mir schwindelig werden könnte durch die widersprüchlichen Signale, die das Gehirn empfängt. Mein physischer Körper steht zwar still, doch im Spiel bewegen sich Dinge auf mich zu. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase bin ich aber mit den Spielmechaniken vertraut und kann mich auf die fremden Welten einlassen. Als Erstes tauche ich in das Spiel »Dreams of Dalí« ein, zunächst noch zaghaft. In der surrealen Welt ist es möglich, einen Turm hinauf zu klettern. Ganz oben angelangt traue ich mich gerade so einen realen Schritt nach vorne zu gehen. Durch die Bewegung meines Kopfes kann ich nun vom Turm herunterschauen – zum Glück habe ich keine Höhenangst. Im nächsten Spiel greifen mich Drohnen an. Ihren Angriffen kann ich entweder durch den Einsatz der Controller in meinen Händen, die als Schilde fungieren, oder durch Ausweichen und Ducken entkommen. Nebenbei schaffe ich dabei den Highscore.



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