22. Oktober 2017, 19:34 Uhr

In Kontrasten zeigt sich Können

22. Oktober 2017, 19:34 Uhr
Avatar_neutral
Von Sascha Jouini
Julia Spies (l.) und Laura Schwind beim Schlussapplaus. (Foto: jou)

Nur mäßig besucht war das erste Winterkonzert des Meisterkonzertvereins am Freitag im Rathaus. Womöglich lag es an dem recht sperrigen Programm mit anspruchsvollen Liederzyklen. So kennzeichnet Arnold Schönbergs 15 Gedichte aus »Das Buch der hängenden Gärten« von Stefan George op. 15 poetische Verdichtung auf engem Raum. Dem Duo L’aura serena – Mezzosopranistin Julia Spies und Pianistin Laura Schwind – merkte man an, dass es bereits seit 2015 gemeinsam auftritt, derart routiniert gingen die Künstlerinnen aufeinander ein und zeigten feines Gespür für die moderne Tonsprache der 1908/09 entstandenen atonalen Lieder.

Die Sängerin achtete auf facettenreiche Gestaltung. Sie hatte das Thema Verwandlung intensiv verinnerlicht bei der Geschichte vom sexuellen Erwachen eines jungen Prinzen in einem paradiesischen Garten. Fantasievoll unterstrich die Pianistin den jeweiligen Stimmungsgehalt. Dabei entfaltete das Duo dynamisch kontraststark eine weite Ausdrucksbandbreite zwischen nachdenklich-ruhigen Momenten und schroffen emotionalen Höhepunkten.

Um die Darbietungen besser verfolgen zu können, wäre wünschenswert gewesen, die Liedtexte dem Programm beizulegen. Dies blieb aber auch der einzige Kritikpunkt. So widmeten sich Spies und Schwind wieder sehr hingebungsvoll Robert Schumanns »Liederkreis« op. 39 nach Joseph von Eichendorff. Der Zyklus führte auf vertrautere romantische Pfade, kreiste dabei um die Themen Einsamkeit, Entfremdung und Todessehnsucht. Förmlich greifbar schien in »Mondnacht«, dem wohl berühmtesten Lied der Reihe, der naturhafte Zauber, durch den sich die menschliche Seele befreien kann. Für den herzlichen Beifall dankte das Duo mit einer Zugabe von Felix Mendelssohn Bartholdy.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos