14. Juni 2019, 21:22 Uhr

Immer mehr Schüler wollen an Uni

14. Juni 2019, 21:22 Uhr
Eine Folge des Wechsels von G8 zu G9: Am LLG wird es 2021 keinen Abiturjahrgang geben. Grundsätzlich erfreut sich das Gymnasium jedoch reger Nachfrage. (Foto: Schepp)

Es geht um Kapazitäten und Bildungsgänge, um Ausstattung und Investitionsbedarf, um demografische Entwicklung und schulische Angebote. Die Teilfortschreibung des Schulentwicklungsplans (SEPl) für berufliche Schulen, studienqualifizierende Bildungsgänge und die Abendschule der Stadt für die Jahre 2019 bis 2024 war am Donnerstagabend Thema im parlamentarischen Schul- und Kulturausschuss. »Berufliche Schulen müssen sich weiterentwickeln«, sagte Stadträtin Astrid Eibelshäuser.

An den vier Berufsschulen in städtischer Trägerschaft mit ihren insgesamt 6389 Schülern werde ein Beitrag zur Entwicklung der beruflichen Bildung sowie zur Fachkräftesicherung in der Region geleistet. »Haben wir eine auskömmliche Zahl an Plätzen?«, fragte die Schuldezernentin auch vor dem Hintergrund, dass immer weniger Jugendliche nach dem Hauptschulabschluss eine Ausbildung beginnen und dafür weitere Abschlüsse an beruflichen Schulen anstreben. Eine weitere Erkenntnis der SEPl-Fortschreibung: Immer mehr Schüler wollen die Schule mit einem studienqualifizierenden Abschluss verlassen.

Einzelheiten der Fortschreibung präsentierte Marc Phillip Nogueira dem Ausschuss, der einstimmig für die Änderung der Schulbezirkssatzung (die GAZ berichtete) und die SEPl-Fortschreibung stimmte. »Es gibt immer noch die klassischen Frauen- und Männerberufe«, sagte der Referent für Bildungsplanung bei der Stadt. So zeige ein Blick auf die Zahlen der Aliceschule, dass der weibliche Anteil bei der Ausbildung zur Erzieherin sehr hoch ist (»wir brauchen mehr Männer in diesem Beruf«), während bei den metall- und holzverarbeitenden Ausbildungsgängen der Theodor-Litt-Schule ein klares männliches Übergewicht herrsche.

An Abendschule »Luft nach oben«

An den Beruflichen Gymnasien der Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten, der Alice- und der Theodor-Litt-Schule seien die Schülerzahlen deutlich geringer als an den gymnasialen Oberstufen der allgemeinbildenden Schulen. Gleichwohl bildeten Berufliches Gymnasium und Fachoberschule (Max-Weber-, Theodor-Litt-Schule) »eine wichtige Tradition in der Stadt«, betonte Nogueira. Während die gymnasialen Oberstufen an Gesamtschulen mit stabil hohen Zahlen aufwarteten, komme es an den Gymnasien zu Schwankungen in den Oberstufenjahrgängen. »Das hat wesentlich mit G8/G9-Effekten zu tun«, erklärte Eibelshäuser und verwies auf die im Jahr 2012 beschlossene Abschaffung der Schulzeitverkürzung an Gießener Gymnasien. So hat das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium in der aktuellen Stufe 11 keine Schüler, sodass es am LLG 2021 auch keinen Abiturjahrgang geben wird. »An den Oberstufen gibt es ausreichend Kapazitäten«, sagte Nogueira. Dies gelte vor allem für studienqualifizierende Abschlüsse an beruflichen Schulen. Insofern sei es wichtig, das Bewusstsein zu stärken »für die Vielfalt an Bildungsgängen«.

Das gilt auch für die Gießener Abendschule, an der der Bildungsplaner noch »Luft nach oben« sieht. Obwohl hier die Zahlen im Vergleich zu denen des vergangenen Jahrzehnts rückläufig seien, gebe es perspektivisch eine »stabile Nachfrage von 200 bis 250 Studierenden«. Eibelshäuser und Nogueira bezeichneten die am Schulzentrum Ost beheimatete Einrichtung als »wichtige Möglichkeit zum berufsbegleitenden Erwerb von Bildungsabschlüssen, von der junge Erwachsene in ganz Mittelhessen profitieren«.

In der kurzen Aussprache zur SEPl-Teilfortschreibung gab es viel Lob für den spezifischen Blick auf berufliche Schulen in dem Zahlenwerk. »Die Wertigkeit des Berufsschulwesens kann so viel besser dargestellt werden«, sagte Christine Wagener. Die CDU-Stadtverordnete stellte fest, dass in den vergangenen 20 bis 30 Jahren »viel Geld in unsere Schulen investiert wurde«. Sie bat aber auch um Verständnis dafür, dass man nicht alle Schulen zur gleichen Zeit in einen optimalen Zustand versetzen könne. Einen »Paradigmenwechsel« hat Nina Heidt-Sommer (SPD) beobachtet. Seitdem Dezernentin Eibelshäuser für Gießener Schulen zuständig sei, »steht der junge Mensch im Mittelpunkt der Schulentwicklungsplanung«.

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