20. Mai 2008, 23:02 Uhr

Immer mehr Frauen fehlt das Geld für die Pille

Gießen (cg). Immer mehr Frauen werden ungewollt schwanger, weil sie kein Geld für die Pille oder andere Verhütungsmittel haben. Diese Entwicklung haben die Berater und Beraterinnen von Pro Familia im vergangenen Jahr beobachtet.
20. Mai 2008, 23:02 Uhr

Gießen (cg). Immer mehr Frauen werden ungewollt schwanger, weil sie kein Geld für die Pille oder andere Verhütungsmittel haben. Diese Entwicklung haben die Berater und Beraterinnen von Pro Familia im vergangenen Jahr beobachtet. Wünschenswert wären daher spezielle »Fördertöpfe«, um den betroffenen Frauen helfen zu können, erklärten Geschäftsführerin Nora Eisenbarth und Therapeut Wolfgang Schreiner-Weiß bei der Vorstellung des Jahresberichtes. In Kürze werde es darüber Gespräche mit Stadt und Kreis geben. Die wirtschaftliche Lebenssituation einer Frau oder einer Familie spielt nach Schilderung der Experten in den Beratungsgesprächen eine immer größere Rolle. Die staatlichen Hilfen würden in vielen Fällen als nicht ausreichend empfunden, um die Schwangerschaft auszutragen. Zunehmend mehr Paare hätten das Gefühl, sich kein Kind leisten zu können. Der Zugang zu Verhütungsmitteln sei für ALG-II-Bezieherinnen schwierig, da es hier keine Kostenübernahme mehr gebe.

Wie schon im vergangenen Jahr hätten die gesetzlichen Veränderungen - insbesondere im Hinblick auf das Elterngeld - ihren Niederschlag in den Beratungsgesprächen gefunden. Im Vergleich zum früheren Erziehungsgeld bedauerten viele Frauen die Verkürzung der Bezugsdauer auf ein Jahr, zumal sie oft mangels vorherigen Einkommens nichts von der Erhöhung des Elterngelds hätten.

Pro Familia bietet pädagogische, psychologische und soziale Beratungen und Veranstaltungen in den Bereichen Partnerschaft, Sexualität, Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualpädagogik für Jugendliche und Erwachsene. Die Zahl der Schwangerschaftskonfliktberatungen sei mit 435 Fällen leicht rückläufig, schilderte Schreiner-Weiß, was mit der demografischen Entwicklung, aber auch mit mehr Wissen rund um Verhütung zu tun habe. Insgesamt hat Pro Familia im vergangenen Jahr 1806 Beratungsfälle registriert. In 465 davon ging es um Familienplanung (Schwangerschaft, Kinderwunsch, sozialrechtliche Fragen). Einen breiten Raum nahm die Sexual- und Partnerschaftsberatung ein, insgesamt wurden zu diesem Themenkomplex 906 Gespräche geführt. 4725 Menschen hatten 2007 Kontakt mit Pro Familia, 2964 von ihnen kamen in Gruppen - beispielsweise Schulklassen, andere Jugendgruppen oder Multiplikatoren. Die Ratsuchenden kommen vorrangig aus der Stadt und dem Landkreis Gießen, aber auch aus benachbarten Kreisen.

Einen Schwerpunkt der Arbeit bildet die Prävention. Die Veranstaltungen, die das Beratungszentrum seit vielen Jahren anbietet, werden als wichtige Ergänzung zum Sexualkundeunterricht in der Schule angesehen. Zu den Themen gehören je nach Alter der Teilnehmer Fragen zur körperlichen und psychischen Entwicklung, Kennenlernen der ersten Partnerschaften, Probleme in Schule und Familie, Verhütung, sexuelle Gewalt und AIDS. Betreut werden die Jugendlichen jeweils von einem männlichen und einer weiblichen Sexualpädagogin, die Lehrer sind in der Regel nicht anwesend. Um offene und unbefangene Gespräche führen zu können, werden die Jugendlichen in Mädchen- und Jungengruppen aufgeteilt.

Seit dem Sommer 2007 beteiligt sich Pro Familia Gießen an dem bundesweiten Onlineberatungsprojekt www.sextra.de, das sich mittlerweile zu einem der größten psychosozialen Online-Anbieter in Deutschland entwickelt hat. Wolfgang Schreiner-Weiß hat sich im vergangenen Jahr für diese Tätigkeit qualifiziert und erlebt nun fast täglich, wie eifrig diese Möglichkeit der Kontaktaufnahme genutzt wird. Erreicht werden nun auch Klienten, die sich normalerweise mit ihren Anliegen nicht an eine Beratungsstelle wenden würden.

Ein Service für Eltern, die ihre im Internet chattenden und surfenden Kinder kompetent begleiten möchten, ist die Fachstelle »SexnSurf« von Pro Familia. Sie bietet Tipps und Regeln, die die Kommunikation zwischen Kindern und Erwachsenen erleichtern (www.sexnsurf.de). Die Mitarbeiter der Gießener Beratungsstelle (giessen@profamilia.de) in der Liebigstraße 9 sind unter Tel. 77122 erreichbar.

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