20. Juni 2019, 14:52 Uhr

Im Dialog mit dem Raum

20. Juni 2019, 14:52 Uhr
Leunora Salihu zeigt beeindruckende Arbeiten im KiZ. (Foto: dkl)

Seit langer Zeit findet im KiZ mal wieder eine Einzelausstellung statt. Das tut dem Ausstellungsraum und der Kunst ausgesprochen gut. Noch dazu ist es eine Skulpturenausstellung der besonderen Art, die Künstlerin Leunora Salihu, seit einem Jahr Gastprofessorin am Institut für Kunstpädagogik (IfK) der Uni Gießen, dort zeigt.

Seitdem das KiZ, die ehemalige Stadtbibliothek in der Kongresshalle, als Ausstellungsraum dem städtischen Kulturamt zur Verfügung steht (2010), ist es die dritte Ausstellung von Uni-Gastprofessoren nach dem Duo Ingke Günther/Jörg Wagner und dem Fotokünstler Felix Dobbert. Diese bislang kleine Tradition soll zu einer großen werden, versicherte Kulturamtsleiter Dr. Stefan Neubacher in seiner Begrüßung. Und Prof. Ansgar Schnurr vom IfK wies zu Beginn seiner Einführung darauf hin, dass die künstlerische Gastprofessur eine deutschlandweite Besonderheit ist. Verzichtet doch das Institut auf eine feste Professur, um alle zwei Jahre einen Künstler mit der Lehre zu betrauen. Dadurch kommen neue, frische Impulse der aktuellen Kunst ins Institut.

Leunora Salihu ist eine mehrfach geehrte Künstlerin. Parallel zu Gießen hat sie weitere Ausstellungen. Sogar das K21, die Kunstsammlung des Landes NRW, widmete ihr schon eine Einzelausstellung. Das KiZ in Gießen steht also in renommierter Folge. Salihu (Jg. 1977) stammt aus dem Kosovo, sie studierte zunächst Grafik an der Universität in Prishtina. 1999 kam sie nach Deutschland, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Freie Kunst in Kiel, anschließend Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf. 2009 schloss sie als Meisterschülerin von Prof. Tony Cragg ihr Studium ab.

Schon beim Betreten des KiZ staunt man, wie viel Luft und Freiraum es zwischen den Skulpturen gibt. Es sind allzu viele, gerade mal vier auf jeder Ebene. Verstreut hängen Zeichnungen an Wänden. Die besondere Architektur des Raumes darf zur Geltung kommen, ohne dass die Wahrnehmung der Kunstwerke leidet. Im Gegenteil, je länger man schaut, desto mehr Bezüge stellen sich her, etwa ähnelnde Formen oder Achsen. Skulptur und Architektur stehen im Dialog.

Salihu kombiniert häufig verschiedene Materialien: Keramik mit Holz, Holz mit Teppich oder Kunststoff. Alles wirkt wie aus dem Baumarkt und ist doch individuell und sorgfältig gefertigt. Perfektes Handwerk. Selbst die unglasierte Keramik weist keine individuellen Fingerspuren auf, nichts ist dem Zufall überlassen. Formen wiederholen sich, was als sequenzielles Arbeiten bezeichnet wird. Die Künstlerin gewährt Einblicke in das Innenleben der Skulpturen: die Rückseiten sind offen, Schrauben und Magnete sind sichtbar. Es gibt keine traditionellen Sockel bei Salihu. Betrachter stehen der Skulptur gegenüber. Die ausgestellten Arbeiten haben zumeist die Höhe eines Menschen, lassen eine genaue Inaugenscheinnahme bequem zu. Der »Urraum« wirkt mit seiner liegenden Eiform wie ein schützender Raum zum Einschmiegen. Der Holz-Trichter wirkt wie ein Ausschnitt eines Raums. Die schweren glasierten Keramiken faszinieren durch die Leichtigkeit ihrer Wirkung, egal ob die auf dem Boden stehende »Welle« oder das Querformat »Chip« an der hinteren Wand, an dem die Kacheln durch Magnete gehalten werden. Ihren Drang zur Leichtigkeit beweist sie auch in ihren Tuschezeichnungen, die bei aller Geschlossenheit der Form immer filigran und durchscheinend sind.

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