11. November 2019, 21:37 Uhr

IHK-Konjunkturumfrage: Stimmung ist eingetrübt

11. November 2019, 21:37 Uhr
J. Pascoe

Bei der halbjährlichen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Gießen Friedberg, bei der rund 800 repräsentativ ausgewählte Mitgliedsbetriebe angefragt werden, hat sich die Stimmung eingetrübt. Generell sind dem IHK-Präsidenten Rainer Schwarz zufolge derzeit 33,5 Prozent der Betriebe zufrieden, nach 44,7 Prozent im Vorjahr. Für das kommende Halbjahr rechnen inzwischen nur noch 12,8 Prozent der Unternehmen mit einer weiterhin günstigen Entwicklung. Alles zusammengerechnet, beläuft sich im IHK-Bereich der Klimaindex derzeit auf 110,6, auf der Skala zwischen 0 und 200. 2018 lag er noch bei 122,7.

Den Hauptgrund für die ungünstige Entwicklung sieht Schwarz vor allem im Maschinenbau und in der Elektroindustrie aufgrund des Handelsstreits zwischen China und den USA sowie der Unsicherheit bezüglich des Brexits. Lichtblicke blieben aber das florierende Bauhauptgewerbe sowie die robuste Lage auf dem Arbeitsmarkt, die eine anhaltend positive Stimmung beim privaten Konsum stütze.

Von den drei Landkreisen innerhalb des IHK-Bezirks hat üblicherweise der Kreis Gießen die Nase vorn. Im Herbst 2019 jedoch schnitt der Wetteraukreis mit einem Klimaindex von 108,1 am besten ab, nach 124,2 im Vorjahr und 114,0 im Frühjahr. Der Landkreis Gießen - im Vorjahr noch bei 131,5 und im Mai bei 113,5 - fiel auf 99,2 zurück. Der strukturschwächere Vogelsbergkreis liegt mit 86,3 wie üblich hinten.

Bei der Bekanntgabe der Umfragezahlen, die auf einer Rücklaufquote von 34,9 Prozent beruhen, am Montag im Hause Pascoe hob IHK-Geschäftsführer Dr. Matthias Leder auch den stark angestiegenen Klimaindex von 105,6 für die Industrie im Wetter-aukreis hervor. Im Kreis Gießen rutschte diese Branche hingegen auf 78,9 ab.

Bemerkenswert ist laut IHK außerdem der Wert bei den Einzelhändlern aus Alsfeld und Lauterbach, die sich von 60,6 auf 108,0 verbessert haben. Leder führt dies auf die verstärkten Aktivitäten im Online-Handel sowie auf Sondereffekte wie verkaufsoffene Sonntag oder Betriebsjubiläen zurück. Allerdings: Der hohe Wert beruht auf Antworten von nur zehn Geschäften.

Nur noch zwölf Prozent Industrie

Was die rückläufige Industrie-Konjunktur im Landkreis Gießen betrifft, ist die Universitätsstadt davon kaum betroffen. Denn hier liegt der Anteil des produzierenden Gewerbes nach vielen Abwanderungen und Stilllegungen in den letzten 20 Jahren nur noch bei zwölf Prozent. In Gießen ist nun einmal der öffentliche Dienst die wichtigste Branche mit einem Anteil von 49,4 Prozent bei den gut 50 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Stadt, Beamte und Richter nicht eingerechnet. Diese Zahlen nannte Sabine Wilcken-Görich, Leiterin der Wirtschaftsförderung.

Was den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäische Union angeht, hat die IHK seit der Volksabstimmung 2017 versucht, die heimischen Betriebe auf alle Eventualitäten vorzubereiten, erläuterte Schwarz. Das sei jedoch schwierig, weil die künftigen Zollkontrollen und Übergangsregelungen immer noch nicht fixiert sind. Einzelne Gießener Unternehmen hätten Investitionen auf Eis gelegt und bauten Lager als Puffer auf, weil die künftige Transportabwicklung ungeklärt ist, merkte Wilcken-Görlich dazu an.

Kein Thema ist der Brexit im Hause Pascoe, das im ersten Halbjahr in Deutschland einen Umsatzzuwachs von 13,7 Prozent verzeichnete. Denn schon jetzt sind die Märkte abgeschottet; jedes Land hat seine eigene Zulassungsbedingungen für rezeptfreie Arzneimittel, die zum Teil auch als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft werden. Eine gegenseitige Anerkennung von Zulassungsregelungen innerhalb der EU gibt es nicht. Für den international aufgestellten Gießener Naturarzneimittel-Hersteller würde sich also nach einem Ausscheiden Großbritanniens also nichts ändern, erläuterten die Geschäftsführer Annette und Jürgen Pascoe. Emotional wird das Thema aber durchaus verfolgt. Schließlich stammt die Pharma-Unternehmerfamilie Pascoe aus Cornwall. (Fotos: pm)

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