12. April 2019, 22:14 Uhr

Wort zum Sonntag

Hosianna! – Und dann?

12. April 2019, 22:14 Uhr
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Aus der Redaktion

An diesem Sonntag beginnt mit der Feier des Palmsonntags die Heilige Woche, die über die Kartage, die Feier des Gründonnerstags und des Karfreitags zum Osterfest hinführt. Am Palmsonntag werden in vielen Kirchen Palmzweige gesegnet; mit einem feierlichen Einzug in die Kirche wird die Ankunft Jesu in Jerusalem gleichsam nachgespielt. Jesus wird als Friedenskönig, der auf einem Esel reitet, willkommen geheißen.

In den katholischen Kirchen wird im Palmsonntagsgottesdienst aber auch schon die Passion, die Leidensgeschichte vorgetragen und so der Blick auf die Geschehnisse des Karfreitags gelenkt. Die Gläubigen werden eingeladen, den Weg Jesu, der durch die Dunkelheit von Leid und Tod zum Licht der Auferstehung führt, mitzugehen.

Viele Menschen sind Jesus in seinen letzten Tagen und Stunden begegnet. Es gab heilbringende und unheilvolle Begegnungen. Von denen, die ihn so freudig als Messias begrüßt hatten, sind viele weggeblieben. Als er verhaftet wurde, haben sich die meisten distanziert. Jesus bekam es mit den Mächtigen zu tun, der religiösen Autorität, dem Hohen Rat, und der politischen Autorität, dem Vertreter der Weltmacht Rom, Pontius Pilatus. In einem politischen Intrigenspiel wird Jesus zum Spielball der unterschiedlichen Machtinteressen. Die Begegnung mit den Mächtigen endet für ihn tödlich und ist letztlich für alle Beteiligten unheilvoll.

Betrachtend mitgehen

Aber es gibt auch heilbringende Begegnungen. Da ist Simon Petrus; er ist ihm gefolgt, aber als er gefragt wird, ob er ein Jünger sei, verleugnet er ihn dreimal. Da kräht der Hahn und der Herr blickt ihn an. Petrus bereut und weint bitterlich. Dreimal wird der Auferstandene ihn fragen, ob er ihn liebt, und ihn erneut in die Nachfolge rufen. Da sind die Frauen, die ihm nachfolgen, einige bis zum Kreuz. Sie sind die ersten, die am Ostermorgen das Grab leer finden und die Osterbotschaft empfangen. Da ist schließlich der eine von den beiden Verbrechern, die mit Jesus gekreuzigt werden und der ihn bittet: »Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.« Ihm antwortet Jesus: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.«

In der Heiligen Woche ist Jerusalem überfüllt mit Pilgern, die auf der Via Dolorosa den Kreuzweg Jesu mit einem Holzkreuz beladen nachgehen wollen. Mögen sie dadurch Heil und Segen erlangen. Wir, die nicht nach Jerusalem fahren, sind eingeladen, betrachtend den Weg Jesu mitzugehen, ihn als König zu begrüßen, uns von ihm zum Mahl des Neuen Bundes einladen zu lassen, mit ihm durch das Dunkel von Leid und Tod zu gehen, um im österlichen Licht die Macht des lebendigen und lebensschaffenden Gottes zu erfahren.

Pfarrer Hermann Heil, katholische St. Albertus-Gemeinde Gießen



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