21. Dezember 2011, 18:13 Uhr

Historisches Weihnachtsspiel in der Pankratiuskapelle

Die Uni-Theatergruppe um Professor Cora Dietl zeigt »Genesis Ætherea« des schwedischen Studenten Erik Kolmodin.
21. Dezember 2011, 18:13 Uhr
Herodes empfängt die drei Könige aus dem Morgenland. (Foto: dkl)

Es war eine gute Idee, das Weihnachtsspiel angesichts des nasskalten Wetters in die Pankratiuskapelle zu verlegen. Die frühzeitige Ankündigung hat wohl auch einige Besucher mehr angelockt, als sich draußen auf dem Kirchenplatz eingefunden hätten. Auch hat das diesjährige Weihnachtsspiel mit 75 Minuten echte Theaterlänge – und die sind doch angenehmer im Sitzen zu erleben. Das historische Stück »Genesis Ætherea« wurde 1659 von dem schwedischen Studenten Erik Kolmodin geschrieben, der an der Universität Åbo in Finnland studierte.

Es zählt zu den ersten lutherischen Weihnachtsspielen, das heißt, die Spielfreude sollte verhalten sein. Der Autor verschränkte das Spiel um Christi Geburt mit der Geschichte vom verlorenen Sohn in Gestalt eines Studenten. Einige Passagen und Personen fielen dennoch der lutherischen Zensur zum Opfer, was Cora Dietl, Professorin für Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Gießen und Initiatorin der historischen Bühnenspiele, veranlasste, diese zu ergänzen. Sie wählte dafür Passagen aus anderen historischen Stücken, unter anderem die reuige Sünderin aus einem süddeutschen Passionsspiel. Auch gibt es keine Teufel, wie in dem hessischen Weihnachtsspiel, das vor zwei Jahren aufgeführt wurde. Stattdessen werden Herodes und die Soldaten in dieser Zeit dargestellt als brutale Schlächter.

Der lotterhafte Student lässt sich just in dem Wirtshaus übers Ohr hauen, in dem der greise Josef und die hochschwangere Maria Zuflucht suchen. Um Hab und Gut gebracht wird er barfuß im Hemd vertrieben und findet beim mildtätigen Clemens Unterkunft und Arbeit als Schafhirte. Was die bisherigen Schafhirten nicht so gut finden, schließlich ist es ihr Arbeitsplatz. Die beiden folgen dem hellen Stern und bringen dem armen Elternpaar ebenso Geschenke wie die drei Könige aus dem Morgenland.

Das Kolmodinsche Weihnachtsspiel in der bearbeiteten Form hatte damit seine Deutschlandpremiere. Uraufgeführt wurde es 1998 von Prof. Dietl mit Studierenden der Universität Helsinki. Zum gemeinsamen Fest mit dem zahlreich erschienenen Publikum wurde die Aufführung über die Weihnachtslieder, die in einem Begleitheft nachzulesen waren. Dagmar Klein

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