10. Oktober 2017, 19:26 Uhr

Hingebungsvolles Gloria

10. Oktober 2017, 19:26 Uhr
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Von Sascha Jouini
Sänger des Kammerchors bei ihrem sensiblen Vortrag. (Foto: jou)

Gießen (jou). Musik zum Lobpreis Gottes stand bei einem sehr gut besuchten Benefizkonzert des Mittelhessischen Kammerchors und -orchesters für die Behindertenseelsorge in der Petruskirche auf dem Programm. Im ersten Teil sang der Chor der Neuapostolischen Kirche a cappella unter Leitung von Dr. Arno Semrau. Im erbaulichen Eröffnungslied »Ich singe dir mit Herz und Mund« von Felicitas Kukuck, aber auch in weiteren Kompositionen wie Michael Praetorius’ »Du bist der große Treue« gefiel der nuancierte, stets einfühlsame Vortrag des Ensembles. Wohlgemerkt muteten die Interpretationen auch in leisen Passagen ausdrucksvoll an, überhaupt achtete Semrau tonstärkemäßig auf feine Differenzierung. Durchweg bestach die lebhafte Textdeutung.

In dem modernen Lied »Singt ein Lied von Gott« (Gerhard Schnitter) sorgten E-Piano und Querflöten für eine farbige Untermalung. Hier bewies das Ensemble, dass es nicht nur für traditionelle, sondern auch für zeitgenössische Musik untrügliches künstlerisches Gespür besitzt.

In Joseph Haydns Sinfonie Nr. 30 C-Dur stellte das auf dem gregorianischen »Alleluja« der österlichen Liturgie basierende Hauptthema des Allegro-Kopfsatzes einen religiösen Bezug her. Versiert dirigiert von Semrau, gelang dem Orchester eine artikulatorisch ausgefeilte Darbietung. Überdies ließ sich der formale Aufbau anschaulich nachvollziehen. Im langsamen Mittelsatz, einem Andante, bezauberte der zaghaft suchende Ausdrucksgestus. Den Abschluss bildete ein in eleganter Bewegung daherkommendes »Tempo di Menuet«-Finale.

Chor und Orchester agierten vereint im zweiten Teil, bei Antonio Vivaldis »Gloria« D-Dur. Im Eingangssatz unterstrichen Trompeten die weihevollen Züge bei der von leidenschaftlicher Hingabe getragenen Interpretation. Das vorzügliche Gesamtbild war der Lohn intensiver Probenarbeit. Dies zeigte sich auch im ruhigen zweiten Satz »Et in terra pax«, etwa an der musikalischen Weitläufigkeit. Reizvoll begleitet durch zwei Violinen, Viola und Orgel, sangen die beiden Sopranistinnen Karola Semrau und Sandra Münch das Duett »Laudamus te, benedicimus te«, in Timbre und Ausdruck behutsam aufeinander abgestimmt.

Im Ganzen offenbarte sich die abwechslungsreiche Satzkunst zwischen intimen Soli und prachtvollen Chorpassagen vielgestaltig. Besonders faszinierte, wie ökonomisch Vivaldi die dramaturgischen Mittel verwendet, beispielsweise in der Kombination der Begleitinstrumente – da wirkte nichts aufgesetzt oder überfrachtet.

Das bewegende Konzert endete mit dem erhebenden »Cum Sancto Spiritu«-Finale. Für den herzlichen Beifall dankten die Musiker mit einer Zugabe.



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