23. September 2009, 20:44 Uhr

Herderschule will weltweit gültigen Schulabschluss anbieten

Gießen (pd). Einen international anerkannten Schulabschluss möchte die Herderschule ab Sommer 2011 anbieten.
23. September 2009, 20:44 Uhr

Die beiden Vertreter der Gießener Hochschulen waren sich einig: »Dieses Programm ist enorm wichtig für uns«, bekräftigte Fachhochschul-Vizepräsident Prof. Axel Schumann-Luck. Und für Dr. Wolfgang Lührmann war klar: »Ein solches Angebot macht die Stadt attraktiver.« Den »International Baccalaureate« (IB) gibt es an 1300 Schulen in 135 Ländern. In Hessen findet sich allerdings kaum eine IB-World-School. »Wenn wir unsere Pläne umsetzen können wäre die Herderschule die erste IB-World-School zwischen Frankfurt, Göttingen und Bonn«, so Direktor Dieter Gath.

Der Schulleiter schilderte gestern vor Kollegen und Gästen die »idealen Voraussetzungen«, die das Gießener Gymnasium für die Umsetzung des Programms mitbringe. Gath erwähnte den langjährigen Bilingual-Unterricht an der Schule, der in diesem Schuljahr bereits ab Klasse 5 angeboten werde. Die Herderschule sei zudem eine »international ausgerichtete« Schule. Dass Kultusministerin Dorothea Henzler dem Gymnasium die Erlaubnis gegeben habe, den IB-Abschluss anzubieten, sei eine »große Auszeichnung«, die mit einer finanziellen Förderung in Höhe von 3000 Euro verbunden ist. IB-Diplominhaber würden an führenden Universitäten in der ganzen Welt zugelassen, zählte Gath renommierte Hochschulen wie Oxford, Yale oder die Sorbonne auf. Inhalte und Ziele dieses »internationalen Abiturs« entsprächen den Anforderungen an eine umfassende schulische Bildung zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Das IB-Diplom öffne zudem Türen, »die man sonst nur mit erheblichem Aufwand öffnen kann«.

In der Praxis gehört die Teilnahme an sechs zusätzlichen Wochenstunden zum Programm »International Baccalaureate«. An der Herderschule werden dies die Fächer Deutsch, Mathematik und Erkenntnistheorie sein. Während der zweijährigen Qualifikationsphase müssen die Teilnehmer zudem 150 Stunden so genannter CAS-Aktivitäten (Creativity, Action, Service) nachweisen. Darunter sei die Teilnahme an Theaterproduktionen, Sport- und sozialen Aktivitäten zu verstehen. Eine Facharbeit sowie Prüfungen in sechs Fächern (davon drei auf »Higher Level« und drei auf »Standard Level«) gehören ebenfalls zu den Anforderungen des IB-Programms.

Bei der Umsetzung der Initiative sieht Gath zwei mögliche Problembereiche. Der Direktor nannte zum einen die Schwierigkeit, Adressaten in der Region über Existenz, Inhalte und Ziele des IB-Diplomprogramms zu informieren. Zum anderen müsse die Mitgliedschaft in der IB-Organisation finanziert werden. Gath rechnet damit, dass auf die Herderschule Kosten in Höhe von 6000 bis 8000 Euro jährlich zukommen. Er geht davon aus dass das IB-Programm mit einer Jahrgangsbreite von etwa 15 Schülern an den Start gehen wird. Der Schulleiter ist sicher, dass Eltern, Kollegium und Schüler von einer Mitgliedschaft der Herderschule in der IB-Organisation profitieren.

Rückendeckung erhielt Gath nicht nur von den beiden Hochschulvertretern, sondern auch von Stadtrat Harald Scherer. Der Schuldezernent gratulierte dem Gymnasium zur Förderzusage und sagte die »ideelle Unterstützung« der Stadt zu. Dr. Lührmann als Geschäftsführer des Zentrums für Lehrerbildung der JLU ermunterte die Herderschule zu dem Versuch, »die Spitze zu pflegen«. Damit hätten auch Universität und FH gute Erfahrungen gemacht. Schließlich sei Exzellenzpflege auch Qualitätspflege. Dies unterstrich auch Schumann-Luck. »Wir als Fachhochschule brauchen ambitionierte Schulen für den studentischen Nachwuchs.«

Zu einer ersten Informationsveranstaltung lädt die Herderschule Interessenten und potenzielle Unterstützer für Dienstag, den 10. November um 19.30 Uhr in die Aula der Schule ein.



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