22. Juli 2015, 17:43 Uhr

Henni Nachtsheim und Rick Kavanian im Interview

Henni Nachtsheim hat mit den Klassikern der Weltliteratur aufgeräumt. Mit dem Buch »Dollbohrer« hat der Comedian bewiesen, dass alle großen Werke ihren Ursprung in Hessen haben – sogar die Bibel. Am Freitagabend (24. Juli) stellen Nachtsheim und Partner Rick Kavanian das Buch auf dem Schiffenberg vor.
22. Juli 2015, 17:43 Uhr
Rick Kavanian (l.) und Henni Nachtsheim im Interview. (Foto: Siggi Klingelhoefer)

Am Freitag treten Sie in Gießen auf. Warum lohnt sich ein Besuch?

Henni Nachtsheim: Es lohnt immer, sich mit Weltliteratur auseinanderzusetzen. Außerdem sind die Dollbohrer-Abende super schön. Wir haben viel Spaß auf der Bühne – und das spürt der Zuschauer auch.

Sie sind schon mehr als zwei Jahre mit dem Programm unterwegs. Auch in Gießen waren Sie bereits. Allerdings soll kein Abend dem anderen gleichen. Stimmt das?

Nachtsheim: Das kann man sagen. Man kann proben, wie man will, die Live-Situation kann man nicht konstruieren. Auf der Bühne passieren immer wieder Dinge, die wir nicht kalkuliert haben. Wenn einer beim Lesen einen Fehler macht, lacht der andere ihn oft erbarmungslos aus. Wir halten das Programm außerdem frisch, indem wir immer mal zwei, drei Nummern rausschmeißen und neue schreiben. So wie damals für Gießen, die Weihnachtsgeschichte.

Sie beide haben offenbar ein sehr gutes Verhältnis. Rund um die Auftritte wohnen Sie gemeinsam in einer »Comedy-WG«?

Nachtsheim: Das stimmt. Wir haben auch schon damals vor der Premiere zehn Tage zusammengewohnt. Das war eine großartige Zeit. Wir haben sehr schnell bemerkt, dass etwas Großes entstehen kann.

Rick Kavanian: Was ich so wahnsinnig angenehm empfinde, ist, dass wir uns nichts neiden. Wir lassen auf der Bühne eher dem anderen den Vortritt. Mein aktuelles Soloprogramm habe ich gemeinsam mit Henni geschrieben. Das hat unsere Beziehung noch einmal intensiviert. Ach Henni, es ist ja auch irgendwie dein Programm (lacht).

Nachtsheim: Ich identifiziere mich auch stark damit. Ich musste mich etwas umstellen, da ich durch Badesalz an die Zusammenarbeit mit Gerd gewohnt war. Er denkt rauer als Rick. Rick ist irgendwie bedachter. Bestimmte Dinge passen dann nicht zu ihm. Wenn ich einen zu brutalen Gedanken habe, würde Gerd mit der Zunge schnalzen. Rick sagt dann: Ja, kann ich ja mal aufnehmen, aber ich sehe in seinem Gesicht, dass er schon denkt: Auf keinen Fall (alle lachen).

Wie ist das für Sie, Gags zu bringen, die aus einer fremden Feder stammen?

Kavanian: Kein Problem. Die Zusammenarbeit mit Henni ist wirklich toll. Durch unsere Zeit an »Dollbohrer« hat mich Henni sehr intensiv beobachtet. Es war verblüffend: Schon als er mir die ersten Textentwürfe geschickt hat, fand ich sehr wenige Sachen sperrig. Vom Humor sind wir sehr nah zusammen, auch wenn mir manches sprachlich nicht liegt. Aber Henni ist uneitel genug, dass er Interpretationen oder meine Formulierungen zulässt.

Nachtsheim: Ich habe das Programm jetzt ein paarmal gesehen. Ich wusste ja nicht so genau, welche Nummern von mir dringeblieben sind. Ich war bei der Premiere total angespannt. Ich kam mir vor wie ein Fußballer, der zum ersten Mal auf der Trainerbank sitzt. So muss das sein. Du hast ewig gekickt und jetzt sitzt du an der Seite und kannst nicht mehr mitwirken. Ich war nervös.

War es für Sie das erste Mal, dass Sie für einen Kollegen getextet haben?

Nachtsheim: Ich habe mal für Cindy aus Marzahn geschrieben, bevor sie durchgestartet ist. Wir hatten eine gemeinsame Managerin. Aber Cindy hat meine Texte teilweise anders interpretiert, als ich es mir ausgedacht hatte. Das ist bei Rick und mir schon anders. Bei der Premiere war ich mit meiner jüngsten Tochter da. Sie sagte: Was hast du denn, du zappelst die ganze Zeit mit deinem Knie. Ich sagte, ich bin gespannt, wie die Nummern funktionieren. Während des Auftritts habe ich zweimal zu ihr gesagt: Das habe ich geschrieben. Dann sie: Papa, halt mal die Klappe. Du bist so ein Angeber.

Kavanian: Durch die Zusammenarbeit bei »Dollbohrer« habe ich Dinge an mir entdeckt, die ich selber gar nicht gesehen hätte. Wir sind über die Jahre innig verbunden.

Wie unterscheidet sich die Arbeit auf der Bühne mit Rick von der mit Gerd?

Nachtsheim: Wir lesen ja und spielen nicht, so wie Gerd und ich miteinander spielen. Ich habe auch nie das Gefühl, dass ich das mit-
einander vergleichen sollte. Es ist so, dass die Badesalz-Tour mit Gerd gerade extrem toll läuft. Ehrlich gesagt habe ich aber auch nicht gedacht, dass mir nach Badesalz in einem ähnlichen Sektor noch einmal etwas so Erfolgreiches gelingt.

Ihr Badesalz-Partner Gerd Knebel ist während der Tour eine ganze Zeit ausgefallen.

Nachtsheim: Ja. Gerd war ziemlich fies krank. Es war eine schwere Zeit, weil wir Termine verschieben mussten und mittendrin nicht wussten, ob wir weitermachen können. Wir hatten große Sorge. Aber dann war klar: Gerd kriegt die Kurve. Wir haben in Fürth wieder angefangen, zu spielen, und einen unfassbar guten Auftritt hingelegt.

Sie mussten ein paar Gigs absagen. Wie waren die Reaktionen der Fans?

Nachtsheim: Es gab keine einzige blöde. Keine Mail, kein Facebook-Post. Ich habe neulich einen Kollegen getroffen, in Berlin. Er sagte (Henni berlinert): Ick hab zwee Leute einjestellt, die nur Hater löschen bei Facebook. Und dann sacht er: Facebook, dat jeht n Bach runter, weil du hast ja nur noch Hater, Hater, Hater. Kennste? Verstehste? Ich habe nichts gesagt und dachte: Wir haben keinen einzigen Hater. Keinen. Beim neuen Programm hat sich nur ein Typ beschwert, dass wir keine Pause gemacht haben und er nicht pinkeln gehen konnte. Das war es.

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