17. Mai 2019, 21:42 Uhr

Heldenhafte Kookaburras und verlorene Platten

17. Mai 2019, 21:42 Uhr
Philipp Hennevogl kommt immer wieder gerne nach Gießen. (Foto: dkl)

Es gibt Künstler, die kommen immer wieder gern zu Ausstellungen nach Gießen. So einer ist Philipp Hennevogl, der schon mehrmals mit seinen faszinierenden Schwarz-Weiß-Drucken zu erleben war. Aktuell hat Erhard Waschke vom Kunstvereinsvorstand ihn nach Gießen geholt.

Das erste Mal hat Hennevogl 2004 in Gießen ausgestellt, im Doppelzimmer, der ersten Galerie des späteren Kunstvereinsvorsitzenden Markus Lepper. Dieser holte ihn 2010 auch in die Kanzlei Advotec. 2012 wurde Hennevogl Gastprofessor am Institut für Kunstpädagogik der Uni Gießen und reaktivierte dort die Druckwerkstatt mitsamt der Linolschnitt-Druckmaschine. Dann folgte 2014 die großartige Schau »Schnittkunst« in der Kunsthalle mit großformatigen Werken von Hennevogl (Berlin), Annette Schröter (Leipzig) und Frank Lippold (Dresden). Es folgten für Hennevogl noch mehrere Beteiligungen an den Gruppenausstellungen des Atelier 23. Die aktuelle Schau beim Neuen Kunstverein unter dem Titel »Alles Vorstellbare« ist damit wohl seine erste Einzelausstellung in Gießen.

Hennevogl wurde 1968 in Würzburg geboren, er studierte an der Gesamthochschule Kassel. Seitdem ist er als freischaffender Künstler tätig, erhielt Stipendien und Preise. Zum Lebensmittelpunkt ist für ihn Berlin geworden. Zu seinem bevorzugten Medium wurde der Linolschnitt, den er in ungeahnter Weise perfektionierte und modifizierte. Er arbeitet nach Vorlagen, genauer nach Fotografien, die er selbst macht. Er findet überall spannende Motive, sei es am Straßenrand, auf Industriebrachen oder im Museum.

Von der Technik des Linolschnittes mitbedingt interessieren ihn Strukturen und Muster, die mal grafisch klar abgesetzt sind, aber auch faszinierende Verschlingungen aufweisen. Waren dies in früheren Arbeiten eher Kabelsalatarrangements, so hat er in seinem jüngsten Handdruck »Neubau« die Spiegelung in den mehrfach versetzten Glasfassaden eines Hochhauses zum Thema gemacht. Das ist einerseits ein realistisches Abbild, andererseits ein Rätselbild.

Außerdem hat er die Technik der »verlorenen Platte« weiterentwickelt, wobei das Verfahren mit dem englischen Begriff »reduction cut« präziser beschrieben ist, wie er sagt. Dabei werden zunächst nur die Teile herausgeschnitten, die im Druck weiß oder hellfarbig bleiben sollen. Dann wird die Platte immer weiter geschnitten und nach jedem Schritt mit einer anderen Farbe oder anderem Grauton gedruckt, bis die gewünschte Gesamtwirkung erzielt ist. Bei diesem Verfahren lässt sich kein Schritt wiederholen, die Linolplatte ist am Ende verloren. In diesem Verfahren hat Hennevogl die Rasenstücke gefertigt, die vom Chaos in der Natur erzählen.

Bei Industriemotiven interessieren ihn offene Strukturen, die durch Licht und Schatten weiter verfremdet werden. Ein bisschen fühlt man sich an die Effekte beim Großmeister der Augentäuschung, M.C.Escher, erinnert. Bei dem Blatt mit den Fächerpalmen sind die australischen Vögel namens Kookaburra die eigentlichen Helden. Natur und künstliche Umgebung stoßen hier hart aufeinander. Und im Abbild einer Skulptur des ägyptischen Falkengottes wird der gestreifte Hintergrund zur geheimnisvollen Lichtinszenierung. Hennevogl reduziert in seiner Kunst das Gesehene und setzt so das Außergewöhnliche ins »rechte Bild«.

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