04. August 2018, 09:00 Uhr

Preise steigen

Heiße Ware auf dem Gießener Wochenmarkt

Die andauernde Trockenheit macht den Bauern im ganzen Land zu schaffen. Auch auf dem Wochenmarkt sind erste Auswirkungen zu spüren – die Preise werden steigen.
04. August 2018, 09:00 Uhr
LWG
Astrid Koch befüllt die Gemüseauslage mit Tomaten aus eigener Erzeugung. Die Hitze erschwert die Aufzucht. (Foto: lwg)

Die andauernde Hitze ist auch auf dem Gießener Wochenmarkt derzeit das große Gesprächsthema. Die Kunden stöhnen, die Marktbeschicker schwitzen – und auch den angebotenen Waren setzen die Temperaturen mächtig zu. In einigen Städten wurden die Öffnungszeiten der Märkte angepasst, sie öffneten und schlossen früher. Das ist in Gießen nicht der Fall. Aber die Händler reagieren auch am Brand- und Lindenplatz auf die hohen Temperaturen. In den meisten Verkaufswagen wirbeln Ventilatoren, am Stand von Gärtner Georg Koch wird das Obst und Gemüse regelmäßig mit einem kleinen Wasserzerstäuber befeuchtet. Doch das ist nur der Tropfen auf dem heißen Stein.

Die Hitze und die dadurch entstandene extreme Trockenheit der Böden machen den Landwirten in ganz Deutschland zu schaffen. Die Äcker lechzen nach Wasser. Ernteausfälle drohen. Dies könnte auch Auswirkungen auf den Geldbeutel der Kunden des Wochenmarkts haben.

 

Mehraufwand bei Bewässerung

 

Bastian Busch vom Bio-Händler »Plan-Bio« ist sich sicher. »Preissteigerungen werden definitiv kommen«, prognostiziert der Marktbeschicker. Die Gründe sind klar: Die anhaltende Dürre sorgt für einen erhöhten Aufwand beim Bewässern. Preissteigerungen seien im vergangenen Jahr schon nötig gewesen. Damals – erinnert er sich – hatten besonders Auberginen und Kiwis unter dem nassen Sommer gelitten. Bei Karotten könnte es nun ähnlich sein, sagt Busch. Er wisse bereits von einem Lieferanten, dass er momentan keine Karotten bereitstellen könne.

Auch Gärtner Manfred Menz aus Großen-Buseck kann ein Lied von den Auswirkungen des Klimas singen. »Wir mussten überlegen, für was wir wie viel Wasser verwenden«, schildert er die Lage in seiner Gärtnerei. Er könne nicht allen Gewächsen so viel Wasser geben wie es nötig sei. Daher entschied sich Menz bewusst dafür, Radieschen und einige Sorten Kräuter vertrocknen zu lassen. »Anders lohnt es sich einfach nicht.« Außerdem habe man in diesem Sommer »vor lauter Gießen kaum noch Zeit zum Ernten.« Letztes Jahr seien ihm die Kartoffeln auf dem Acker verfault, nun sei es viel zu trocken, schimpft Menz.

 

Ertrag variiert je nach Gemüse

 

Die Aufzucht der Tomate, laut Astrid Koch eines der Aushängeschilder von »Gartenbau Koch«, ist hitzebedingt derzeit durch abfallende Blüten beeinträchtigt. Wenn keine Blüten vorhanden seien, könnten diese logischerweise auch nicht befruchtet werden und dementsprechend keine Früchte tragen. Die Frage nach geringerem Ertrag durch teils ausbleibende Befruchtung sei allerdings »von Gemüse zu Gemüse unterschiedlich«. Inhaber Georg Koch glaubt aber nicht, dass es deshalb zu größeren Ernteausfällen kommen wird.

 

Auch Blumenhändler stöhnen

 

Auch die Blumenhändler müssen dieser Tage schnaufen. Anja Rinker von der »Gärtnerei Niekisch« aus Kinzenbach stöhnt, dass sie diesen Sommer sehr viel gießen müsse. Wie bei den Radieschen und Kräutern auch muss dabei ab einem bestimmten Zeitpunkt zum Beispiel auch bei hitzeanfälligen Rosen geprüft werden, ob sich der zusätzliche Aufwand lohnt. Aus Sicht der Blumenhändler hat die Hitze aber auch eine gute Seite. »Die Kundschaft kauft viel mehr nach, um das Beet im Garten oder das Grab auf dem Friedhof in Schuss zu halten«, sagt Rinker. Kollege Thomas Winter vom Wettenberger Blumenvertrieb »Bigi« weist darauf hin, dass Schnittblumen noch mehr unter den hohen Temperaturen leiden. »Einmal abgeschnitten können sie zur Erholung nicht einfach wieder in den Schatten gestellt werden«, sagt er.

Auch die Gießener haben in den letzten Wochen schon auf die Hitze reagiert. »Man merkt eindeutig, dass die Kunden extrem früh einkaufen«, sagt Astrid Koch. Während der drückenden Mittagshitze blieben die Stände eher leer. Los geht’s heute um 7 Uhr.

INFO

Einkaufstipps gegen Hitzeschäden
  • Lebensmittel, die gekühlt werden müssen – Käse, Wurst, Fleisch und Fisch – am Ende des Bummels kaufen und direkt in den Kühlschrank bringen.
  • Kühltasche statt Einkaufskorb mitbringen, um die Lebensmittel zu transportieren.
  • Schnittblumen noch einmal anschneiden, bevor man sie in die eigene Vase stellt. Je frischer die Schnittflächen, desto besser können die Blumen Wasser aufnehmen.
  • Gemüse und Kräuter in ein feuchtes Tuch wickeln und im Kühlschrank aufbewahren. 
  • Salat – ähnlich wie Blumen – zur Erholung anschneiden und ins Wasser stellen.

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