19. April 2009, 20:50 Uhr

Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis an Robert Wilson verliehen

Der Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis ist am Sonntag im Stadttheater an den amerikanischen Bühnen- und Kostümbildner Robert Wilson verliehen worden. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre vom hessischen Kunstministerium zusammen mit der Stadt Gießen und der Hein-Heckroth-Gesellschaft vergeben. Den Nachwuchs-Förderpreis in Höhe von 2500 Euro erhielt die Berliner Bühnen- und Kostümbildnerin Yashi Tabassomi.
19. April 2009, 20:50 Uhr
Mit der Souveränität eines Jandl-Vortrags: Robert Wilson bei seiner Dankesrede.

Der Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis ist am Sonntag im Stadttheater an den amerikanischen Bühnen- und Kostümbildner Robert Wilson verliehen worden. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre vom hessischen Kunstministerium zusammen mit der Stadt Gießen und der Hein-Heckroth-Gesellschaft vergeben. Den Nachwuchs-Förderpreis in Höhe von 2500 Euro erhielt die Berliner Bühnen- und Kostümbildnerin Yashi Tabassomi.

Wenn einer aus New York angeflogen kommt, um in Gießen einen Preis entgegenzunehmen, dann darf es auf der Herfahrt von Frankfurt schon mal zu Verzögerungen kommen. Die Mitteilung von Theaterintendantin Cathérine Miville, dass Preisträger Wilson noch auf der Autobahn sei, sorgte im Stadttheater für aufgelockerte Stimmung. Hausherrin Miville übernahm die Begrüßung der Gäste aus dem kulturellen und politischen Leben der Stadt; auch Vertreter der Landesregierung waren gekommen sowie Theaterleute aus Darmstadt, Frankfurt und Kassel.

Der Kulturdezernent der Stadt Gießen, Harald Scherer, erinnerte an die Gründung der Heckroth-Gesellschaft 2001 und ihren einzigen Zweck, den Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis alle zwei Jahre an einen Bühnenbildner zu überreichen. Er dankte, wie alle anderen Redner auch, Dietgard Wosimsky für ihre Initiative und tatkräftige Organisation, die sie ehrenamtlich leistet. Als die Vorsitzende der Hein-Heckroth-Gesellschaft das Wort übernahm, war Wilson mittlerweile unter großem Beifall auf seinen Platz geeilt. Auf den Namensgeber des Preises ging Katharina Spielhaupter ein, die 1991 die Ausstellung im Deutschen Film-Museum Frankfurt kuratiert hatte, mit der erstmals in Deutschland das Filmschaffen des Malers und Bühnenbildners Hein Heckroth gewürdigt wurde. Auf ihre prägnante Einführung in das Filmschaffen des in Gießen geborenen Oscar-Preisträgers folgten einige Filmausschnitte aus dem preisgekrönten Ballettfilm »The Red Shoes«, für den Heckroth die innovative Gestaltung gemacht hatte, und aus dem Porträtfilm »Reinschrift aus Farbe und Form«, mit dem Hans-Georg Dickmann Heckroth ein filmisches Denkmal setzte.

Die Laudatio hielt Heiner Goebbels, Professor für Angewandte Theaterwissenschaft an der Universität Gießen und Präsident der Hessischen Theaterakademie. Er beschrieb die Arbeitsweise von Wilson, der bei seinen Produktionen für alle Bühnenbereiche zuständig sei und sie alle gleichwertig behandele; insofern sei es berechtigt, dem Regisseur und Licht-Designer einen Bühnenbildpreis zu verleihen.

Bei seinen Produktionen verschmelze Wilson jedoch nicht alles zu einem Einheitsbrei, sondern er separiere jeden Bereich. Auf diesem Weg ermögliche er es den Betrachtern, das Getrennte neu »zusammenzudenken«, ein aktiver Sehprozess sei damit in Gang gesetzt. Auch Goebbels eigenes künstlerisches Leben habe sich durch Wilson verändert, denn Wilson denke Theater vom Besucher aus, ihm gehe es um audiovisuelle ästhetische Erfahrung, nicht um den pädagogischen Bildungsauftrag. Dafür gab Wilson in seiner kurzen, auf Englisch gehaltenen Dankesrede das beste Beispiel. Er erzählte auf schlichte, aber pointierte Art und Weise die Geschichte davon, wie seine Stücke bei verschiedenen Menschen ankamen. Bei einem kleinen Jungen, bei einem Künstler und bei seiner Schwester. Alle hielten die Stücke für zu langsam, seine Schwester erkannte dies als das typische Merkmal ihres Bruders.

Auch Heiner Müller hatte längst diagnostiziert, dass bei Wilson alle Kunst ihr Herkommen aus der Kindheit habe. Mit Elementen des Kindlich-Naiven und zugleich mit der Souveränität eines Jandl-Vortrags performte Wilson dann seine Laudatio auf die Nachwuchspreisträgerin Yashi Tabassomi: ein lautmalerisch zerdehntes Gedicht.

Die Urkunden, Medaillen und Schecks überreichten für das Land Hessen Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann (Wissenschaft und Kunst) und für die Stadt Gießen Kulturdezernent Scherer. Die künstlerischen Beiträge an diesem kurzweiligen Vormittag kamen auf Wilsons Wunsch von der Berliner Schauspielerin Angela Winkler, begleitet von Adam Benzwi (Kunstakademie Berlin) am Piano. Sie hatte eine persönliche Auswahl deutschsprachiger Lieder getroffen, Liebeslieder, die in Winklers schlicht-zarter und schauspielerisch-gebrochener Darbietung ein großer Genuss waren. Dagmar Klein

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