16. Februar 2017, 19:20 Uhr

Harte Arbeitstage für Studenten

16. Februar 2017, 19:20 Uhr
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Von Guido Tamme
Beim Bau von zwei Hebammenhäusern in Ghana packten Studenten kräftig an, darunter auch die Gießenerin Hannah Diefenbach (l.). (Foto: pm)

Bei Sonnenaufgang um 5.30 Uhr aufstehen, den ganzen Tag körperlich arbeiten und um 20 Uhr müde ins Bett sinken – das waren ungewohnt anstrengende Werktage. Freiwillig absolviert wurden sie von Studenten der Hochschule Düsseldorf, die mit einheimischen Helfern in einem Dorf mitten in Ghana zwei Wohnhäuser für Hebammen errichten. Fünf Wochen lang dabei war die gelernte Goldschmiedin Hannah Diefenbach aus Gießen-Allendorf, die derzeit Schmuck- und Produktdesign studiert.

Der ungewöhnliche Arbeitseinsatz hängt zusammen mit dem Hilfsverein »Meeting Bismarck«, den die deutsche Hebamme Sonja Liggett-Igelmund im Jahr 2012 ins Leben berufen hat, um die Geburts- und Kinderhilfe in Ghana zu verstärken. Das tut Not, weil in diesem ausgesprochen kinderreichen Land die Versorgung von Schwangeren so schlecht ist, dass sehr viele Kinder bei der Geburt sterben. Im zentral gelegenen Örtchen Have in der Volta-Region etwa wohnen die Hebammen des Krankenhauses mit samt ihren Kindern in winzigen Kammern.

Angehende Architekten der Düsseldorfer Hochschule verbanden diese Notlage mit dem Sammeln praktischer Erfahrungen: Sie konstruierten zwei Wohnhäuser für Hebamme, um sie mit finanzieller Unterstützung des Rotary-Clubs selbst zu errichten. Mehrere Schmuckdesign-Studentinnen schlossen sich der Hilfsaktion an und reisten mit zur Baustelle nach Afrika, wo Material, Geräte und Werkzeug bereits warteten. Zeitweise waren 22 junge Leute im Einsatz, im Schnitt blieen sie vier Wochen lang.

Auch für Hanna Diefenbach war die Umstellung nicht leicht: »Das war superanstrengend. So etwas sind wir als Studenten ja nicht gewohnt.« Trotzdem haben die Wochen in Ghana der Gießenerin viel Freude bereitet. Vor allem, weil die Menschen dort trotz ihrer Armut ausgesprochen lebensfroh und gastfreundlich waren. Das genoss sie auch beim kurzen Reiseteil ihres Ghana-Trips. »Und wie sie dann alle sonntags in ihre feine Bekleidung zur Messe in die Kirche gingen und dort tanzten: Das war beeindruckend.«

Gefreut hat sich die 26-Jährige aber auch darüber, dass sie so sozusagen praktische Entwicklungshilfe vermitteln konnte: »Die einheimischen Maurer kennen ja unsere stabile Bauweise nicht, die bauen sonst viel unordentlicher«, hat sie beobachtet. Den Dachdeckern und Schreinern habe sie den Umgang mit einer Kreissäge erklären müssen.

Inzwischen ist das erste Haus im Rohbau fertig das zweite soll demnächst bei einem weiteren Arbeitseinsatz in Angriff genommen werden. Auch Hannah Diefenbach reist bald wieder ins Ausland, diesmal aber in eigener Sache: Das nächste Semester wird sie in Jerusalem absolvieren.



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