25. Oktober 2018, 22:09 Uhr

Harmonie mit Seitenhieben

25. Oktober 2018, 22:09 Uhr
Mehr als 200 Oberstufenschüler der Gesamtschule Ost diskutieren mit sechs heimischen Kandidaten zur Landtagswahl. (Foto: pd)

Gießen (pd). In der Aula der Gesamtschule Gießen-Ost hatten sich über 200 junge Leute versammelt, die am Sonntag zum ersten Mal bei einer Wahl ihre Stimme abgeben dürfen. Doch längst nicht alle dieser Erstwähler – das bekundeten die Schüler per Handzeichen – wussten am Mittwoch, wie sie sich vier Tage später an der Urne entscheiden sollten. Gelegenheit zur Werbung in eigener Sache hatten auf Einladung der GGO sechs heimische Landtagskandidaten oder deren Vertreter. Bei der Vorstellungsrunde und den ersten Stellungnahmen auf dem Podium war von klaren Vorlieben im Plenum, das aus Teilnehmern der Fächer Politik und Wirtschaft der GGO-Oberstufe bestand, wenig zu spüren. Frank Tilo Becher (SPD), Lucas Schmitz (CDU), Manuela Giorgis (FDP), Joachim Grußdorf (Grüne), Matthias Riedl (Linke) und Arno Enners (AfD) wurden für ihre Eingangsstatements mit bravem Beifall bedacht.

Die Moderatoren Johanna Scharf und Nicolas Wiefelspütz präsentierten den Kandidaten auf dem Podium Fragen aus den Themengebieten Bildung, Flüchtlinge, Integration und Wohnungsbau. Während die Podiumsteilnehmer bei der Frage nach dem idealen Schulsystem ihre jeweiligen Grundsatzüberzeugungen ohne Widerspruch aus den anderen politischen Lagern darlegen konnten, nahm die Diskussion Fahrt auf, als es um das Thema Flüchtlinge und Abschiebung ging. »Sind diese Menschen illegal?«, wollten die Moderatoren wissen. Selbstverständlich nicht, waren sich die Politiker einig. Als jedoch Arno Enners (AfD) davor warnte, Firmen, die Flüchtlinge beschäftigen, durch Abschiebung »die Mitarbeiter wegzunehmen«, platzte Matthias Riedl der Kragen. »Enners erzählt bei Diskussionen Sachen, die nicht im Wahlprogramm der AfD stehen«, erinnerte der Linke an Demonstrationen in Chemnitz, bei denen AfD-Politiker gemeinsam mit Gruppen aus der Neonazi-Szene marschiert seien.

»Illegal ist die moderne Interpretation von vogelfrei«, erklärte Becher und warnte davor, Menschen diesen Stempel aufzudrücken. »Auch jemand, der im Knast sitzt, ist dadurch nicht illegal geworden«, mahnte der SPD-Kandidat. Manuela Giorigis (FDP) erläuterte ihre Sichtweise anhand eines »Vier-Türen-Modells«. Drei Türen müssten für Asylbewerber, Kriegsflüchtlinge und Wirtschaftseinwanderer offen sein, »eine Tür geht für die Menschen nach außen auf, die zurückgeführt werden müssen«. Grußdorf erinnerte daran, dass die Aussage »kein Mensch ist illegal« einst von den Grünen kreiert worden sei. »Der Spruch ist heute noch gut.« Allerdings gebe es Menschen, die sich im rechtlichen Sinne illegal im Land aufhielten. »Wir als CDU sagen, dass wir leider nicht jedem helfen können«, sagte Schmitz und stellte klar, dass es Konsequenzen haben müsse, wenn ein Mensch rechtswidrig handle.

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