05. Juli 2019, 22:11 Uhr

Haftstrafen für Samurai-Räuber

05. Juli 2019, 22:11 Uhr

Lange ins Gefängnis müssen zwei Männer aus dem Kreisgebiet, die zwischen dem 11. November 2016 und dem 4. Februar 2017 fünf Überfälle auf Spielhallen und Tankstellen in und um Gießen begangen haben. Die beiden Männer, 33 und 29 Jahre alt, die wegen eines weiteren, gleich gelagerten und ebenfalls gemeinsam begangenen Deliktes vor knapp zwei Jahren zu Gefängnisstrafen von vier Jahren und sechs Monaten bzw. vier Jahren und zwei Monaten verurteilt worden sind, müssen nach dem gestrigen Urteil unter Einbeziehung der bereits verhängten Haftstrafen für neun Jahre und zehn Monate bzw. neun Jahre und vier Monate hinter Gitter.

Das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Dr. Klaus Bergmann sah es als erwiesen an, dass die Männer für den Raubüberfall auf eine Tankstelle in Langgöns-Oberkleen am 11. November 2016 ebenso verantwortlich sind wie für den am 6. Januar 2017 auf eine Tankstelle in Gießen, Leihgesterner Weg. Auch die Tankstelle in Großen-Linden wurde am 20. Januar 2017 überfallen. Bei allen Taten hatten die beiden Männer eine defekte, ungeladene Schreckschusspistole und ein Samurai-Schwert dabei. Auch wenn die Pistole als Schusswaffe ungeeignet war, ging von ihr eine Bedrohungswirkung aus, hatte Staatsanwältin Janny Link betont. So erbeuteten die Männer in Oberkleen 500, in Gießen 2500 und noch einmal 500 Euro in der Großen-Lindener Tankstelle. Außerdem nahmen sie mehrere Stangen Zigaretten mit.

Richter erkennt Hoffnungsschimmer

Außerdem überfielen sie zwei Spielhallen: Am 26. Dezember 2016 erbeuteten sie in einem Gießener Spiellokal (Schiffenberger Tal) 500 Euro, am 4. Februar 2017 im Stadtzentrum Linden etwas mehr als 600 Euro. Bei den Überfällen hatten sie (mit einer Ausnahme) Masken übergestreift; eine Alien- sowie eine Piraten-/Totenkopf-Maske. Das Gericht stufte vier der fünf Straftaten als Raub ein, die im Februar vorletzten Jahres sogar als schweren Raub, da hier die Zeugen durch den Überfall bleibende psychische Schäden davongetragen hatten.

Bergmann richtete mahnende Worte an Verwandte und Bekannte eines der beiden Angeklagten. Wer meine, Zeugen »bedrohen zu müssen, befindet sich auf dem Holzweg. Das lassen wir nicht zu«. Für die Angeklagten sprach ihr umfassendes Geständnis, durch das ein weiterer mutmaßlicher Täter benannt wurde. Dieser Mann hat sich dem Prozess durch Flucht entzogen. Bei der Strafzumessung sprachen außerdem für die Verurteilten die glaubhaft erscheinende Reue und die Bereitschaft, Schmerzensgeld für die Geschädigten zu zahlen. Außerdem billigte Bergmann den Angeklagten zu, bei Verübung der Taten eine Affinität zu Drogen, Spiel und Alkohol besessen zu haben. Während der ältere der Täter einschlägig vorbestraft ist, liegen bei dem Jüngeren keine Vorstrafen vor.

Zum Abschluss sprach Richter Bergmann den Verurteilten Mut zu. »Da bleibt ein Hoffnungsschimmer.« Sie hätten die Chance, nach zwei Dritteln der Haft in rund vier Jahren entlassen zu werden. Er riet ihnen, eine Ausbildung zu machen und dann gestützt »von Ihrem familiären Umfeld ein eigenes Leben zu beginnen«.

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