14. Dezember 2018, 21:53 Uhr

Haft für räuberischen Diebstahl

14. Dezember 2018, 21:53 Uhr

Für 38 Monate muss ein 32-Jähriger in Haft, nachdem er am Vormittag des 6. Juli dieses Jahres die Kasse in einem Automatencasino mit angeschlossener Spielhalle in der Bahnhofstraße entwendet und auf der Flucht einem Zeugen mit einer abgeschlagenen Bierflasche am Unterarm leicht verletzt hatte (die AZ berichtete). Als einen besonders schweren räuberischen Diebstahl mit gefährlicher Körperverletzung wertete Heiko Söhnel, Vorsitzender Richter der 7. Großen Strafkammer am Landgericht, diese Vergehen des Algeriers.

Die Beute in Höhe von 2640 Euro blieb nur kurze Zeit im Besitze des Angeklagten, der wenig später auf einem nahe gelegenen Parkplatz von einer Polizeistreife gestellt wurde. Doch der Täter widersetzte sich der Festnahme und handelte sich in diesem Zusammenhang zusätzlich eine Verurteilung wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung ein, weil er später versuchte, sich zu befreien und dabei eine Polizistin leicht verletzte. »Eine Gewalthandlung gegen Vollstreckungsbeamte ist kein Kavaliersdelikt. Sie müssen es nicht hinnehmen, dass sie bei der Ausübung ihrer Tätigkeit angegriffen werden«, schrieb Heiko Söhnel dem Mann ins Stammbuch, betonend, dass dies auch andere in diesem Land verinnerlichen sollten.

Mit seinem Urteil kam die Kammer dem Antrag von Oberstaatsanwalt Frank Späth sehr nahe. Späth hatte in seinem Plädoyer drei Jahre und sechs Monate gefordert, der Verteidiger, Rechtsanwalt Philipp Kleiner, ein Jahr und elf Monate.

Gericht sieht Fluchtgefahr

Während die Taten als solche unbestritten waren – es lag ein Geständnis des Angeklagten vor, das sich mit den Aussagen der Zeugen weitgehend deckte, sowie eine Videoaufnahme, die das Geschehen in der Spielhalle dokumentierte –, gab es zwei Bereiche, die einer näheren Überprüfung bedurften. So hatte der Sachverständige Dr. Tobias Krusche festgestellt, dass bei dem Angeklagten »keine tief greifende Bewusstseinsstörung« vorliege, der »Tatvorgang war sinnvoll«, trotz der bis zu 1,75 Promille Blutalkoholgehalt, die dieser zum Zeitpunkt der Tat hatte. Die Spiel-, Alkohol- und Drogensucht wirkten sich strafmildernd aus und auch die Tatsache, dass die Verletzung des Zeugen nicht schwerwiegend gewesen sei.

Außerdem war noch gemäß Paragraf 64 des Strafgesetzbuches zu prüfen, ob die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anzuordnen sei. Wie Verteidiger und Staatsanwalt verneinte dies auch der Vorsitzende Richter. »Wir brauchen Erfolgsaussichten«, erklärte Heiko Söhnel, und die sehe er nicht, räumte er ein, auch wegen der »rudimentären« Deutschkenntnisse. Und das könnte im Vorwegvollzug nicht behoben werden. Ergo wird der Angeklagte die Haft im Regelvollzug verbüßen.

Seit der Tat befindet sich der Algerier in Untersuchungshaft. »Der Haftbefehl bleibt wegen der Fluchtgefahr bestehen«, erklärte Heiko Söhnel zum Abschluss des Strafverfahrens.

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