22. Februar 2019, 21:47 Uhr

Gut drauf und publikumsnah

22. Februar 2019, 21:47 Uhr
Ray Wilson spielt mit seiner Band in der Kongresshalle vor 600 Zuschauern. (Foto: axc)

»Hält an allen Bahnhöfen« war der Titel des einzigen Albums, das dem schottischen Sänger Ray Wilson 1997 mit Genesis aufzunehmen vergönnt war. Nach zwei Tourneen wurde die Zusammenarbeit schon beendet. Obwohl er sich danach von Genesis distanziert hatte, ist die britische Band seit einigen Jahren wieder der Mittelpunkt des bodenständig wirkenden 50-Jährigen, zumindest auf der Bühne. Am Donnerstag trat er im Rahmen einer PS-Los-Sparen-Veranstaltung der Sparkasse mit seiner Band und Mitgliedern des Berlin String Ensemble in der mit gut 600 Fans gefüllten Kongresshalle auf.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Sparkassenchef Peter Wolf und seine Kollegin Ilona Roth legt Wilsons Band mit dem schwerfällig-eingängigen Riff des Titelsongs »Calling All Stations« los. Mit Wilson, der auch akustische und manchmal E-Gitarre spielt, stehen sein Bruder Steve (Gitarre) und Ali Ferguson (Gitarre) ganz vorne. Bassist Lawrie MacMillan, der mit Bewegungslosigkeit und eingefrorenen Gesichtszügen wirklich alle Bassistenklischees bedient, hält Wilson schon seit den gemeinsamen Tagen mit der Band Stiltskin die Treue. Drummer Mariusz Koszel, Keyboarder Michal Lyczek, Saxofonist/Flötist Marcin Kasper und Geigerin Alicja Chrzaszch stammen aus Wilsons Wahlheimat Polen. Alle spielen kompetent, lassen aber im ersten Teil wenig Spielfreude erkennen, sodass auch Perlen wie »Land of Confusion« vor allem durch die Wiederhörensfreude faszinieren. Wilson selbst ist von Anfang gut drauf und publikumsnah. Seine sporadisch eingestreuten eigenen Songs ziehen sich indes ein wenig.

Auf seiner Zugfahrt durch das Land der Genesis-Familie hält Wilson auch an den Bahnhöfen seiner Vorgänger Peter Gabriel (»In Your Eyes« und »Solsbury Hill«) und Phil Collins. Dabei ist Wilsons angenehme, flexible Stimme deutlich näher an Gabriels angeraut-belegtem Organ als an Collins’ schneidend-hoher Stimme. Dafür gefällt das Akustikgitarrenintro zu Collins’ »In the Air Tonight«: »Carpet Crawlers« bleibt jedoch der einzige Ausflug in die Progrock-Ära der für viele Fans wahren Genesis.

Der zweite Teil wirkt deutlich mitreißender. »Home by the Sea« hat eine coole Basslinie; Geigerin Alicja Chrzasccz, der das Publikum ein Geburtstagsständchen bringt, veredelt »Follow You, Follow Me«, und »Dividing Line«, einer von drei Songs vom »Calling«-Album, beginnt mit einem krachenden E-Gitarren-Duell, und »Mama« ist ein majestätischer Abschluss. Dass Wilson aber keine andere zweite Zugabe einfällt als »Knockin’ on Heaven’s Door«, ist ein bisschen schade am Ende eines niveauvoll unterhaltenden Abends.

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