Stadt Gießen

Gummiinsel: Berlin soll helfen

Gießen (ck). Mit einer Vorlage an die Stadtverordnetenversammlung hat der Magistrat soeben einen ersten Schritt zur geplanten Sanierung der Rotklinkerhäuser in der Siedlung Gummiinsel angestoßen.
24. September 2014, 22:28 Uhr
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Die Rotklinkerhäuser der Gummiinsel sollen saniert werden. (Foto: Schepp)

Unterstützt von der Wohnbau GmbH, hat das städtische Stadtplanungsamt einen Antrag auf Förderung der Maßnahme aus dem insgesamt 50 Millionen Euro umfassenden Topf des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung nach Berlin gesandt. Wie der Vorlage zu entnehmen ist, beläuft sich die beantragte Zuwendung auf gut 670 000 Euro. Als Schutzschirm-Kommune muss die Stadt einen zehnprozentigen Eigenanteil vom Gesamtaufwand tragen, gut 74 000 Euro. Hinzu kommt ein Finanzierungsanteil der Wohnbau GmbH als Eigentümer der Rotklinkerhäuser in Höhe von 215 000 Euro. Im Falle einer Förderungszusage – eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen – stünde damit knapp eine Million Euro als Grundstock zur Verfügung.

Magistrat: Voraussetzungen erfüllt

Mit dem Förderprogramm »Nationale Projekte des Städtebaus« (2014) sollen Projekte mit besonderer nationaler und internationaler Wahrnehmbarkeit, sehr hoher fachlicher Qualität, mit überdurchschnittlichem Investitionsvolumen oder hohem Innovationspotenzial finanziell unterstützt werden. Förderfähig sind Maßnahmen mit ausgeprägtem städtebaulichen Bezug, wie Denkmalensembles oder die energetische Erneuerung im Quartier.

Die Voraussetzungen sind dem Magistrat zufolge bei der Gummiinsel erfüllt: Die denkmalgeschützte Siedlung mit insgesamt 78 zweigeschossigen Reihenhäusern habe – wie es in der Projektbeschreibung heißt – eine besondere Stellung als Mahnmal für eine Sozialpolitik der Ausgrenzung durch Umsiedlung. Namentlich verwiesen wird dabei auf die Gruppe der »Jenischen«, die sich mit einem ökonomischen, rechtlichen und sozialen Ausschluss aus der Mehrheitsbevölkerung konfrontiert sahen und auch im Nationalsozialismus Repressalien und Verfolgung ausgesetzt waren. Die Siedlung sei zudem geprägt durch die hohe Konzentration einkommensschwacher und sozial benachteiligter Haushalte. Die Gebäude seien in einem baulich sehr schlechten Zustand, es habe niemals grundlegende oder vollständige Sanierungen gegeben.

Ziel des Projekts ist laut Antrag an das Stadtparlament die sozialverträgliche, behutsame und denkmalgerechte Sanierung und Modernisierung des Kulturdenkmals mit der Schaffung zeitgemäßer Wohn- und Lebensbedingungen in den Gebäuden. Dabei sollen sowohl unangemessene Mieterhöhungen wie auch die Verdrängung von Bewohnern vermieden werden.

Mit den beantragten Zuschüssen aus dem Fördertopf möchte die Stadt zunächst drei Projektbausteine verwirklichen:

Die »Planungsinsel« als zentraler Ort für Mitwirkung, Austausch, Beratung und Information zur Aufwertung des Quartiers,

die »Bewohnerwerkstatt« zur systematischen Erfassung der Erwartungen der Bewohner an die Sanierung und

die »Architekturwerkstatt«, in deren Rahmen drei eingeladene Architekturbüros grundlegende Konzeptvorschläge zur Sanierung bzw. den Umbau des Häuser sowie die Gestaltung des Wohnumfeldes machen.

Diese drei Bausteine sollen in eine Machbarkeitsstudie münden mit detaillierten Plänen zur Sanierung, die den Bewohnern vorgestellt werden. Im ersten Schritt der Umsetzung soll dann – quasi als Mustergebäude – ein Sechser-Reihenhausblock saniert werden mit einer Aufwertung der Garten- und Vorgartenbereiche.

Nach Berechnungen der Stadt wird die komplette Sanierung aller 78 Reihenhäuser mit etwa 7,8 Millionen Euro angesetzt werden müssen; dazu kämen Kosten für die Aufwertung der privaten und öffentlichen Außenflächen, die bislang noch nicht beziffert werden könnten. Von daher sei die Sicherung einer Folgefinanzierung beispielsweise aus dem Bund-Länder-Programm Soziale Stadt unverzichtbar.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Gummiinsel-Berlin-soll-helfen;art71,95201

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