29. Juni 2017, 11:00 Uhr

Güterbahnhof

Güterbahnhof: Bauarbeiten beginnen

Wie ein Kartenhaus fällt der Güterbahnhof in sich zusammen: Bagger reißen den Backsteinbau dieser Tage ein. An der Stelle entsteht bald ein 20 Millionen Euro teures Gebäude.
29. Juni 2017, 11:00 Uhr

Bauzäune umgeben den alten Güterbahnhof an der Lahnstraße schon seit vergangener Woche, Arbeiter haben das Gebäude außerdem bereits entkernt und Fensterrahmen entfernt. Seit Dienstag reißen nun Bagger das Backsteingebäude ein. Es ist der Startschuss für eine der größten Gießener Baumaßnahmen der vergangenen Jahre. An der Stelle entsteht – wie berichtet – das neue Jobcenter und ein zweites Parkhaus für 440 Abstellplätze. Geplant sind außerdem ein Mittelklasse-Hotel und ein Fernbus-Bahnhof.

 
Fotostrecke: Güterbahnhof Gießen wird abgerissen

In zwei Wochen soll der Abriss beendet sein. Gleich darauf ist der Tiefbau und das Verlegen von Leitungen für das Jobcenter und das Parkhaus vorgesehen. »Diese beiden Vorhaben haben Priorität. Sie werden parallel entstehen«, erklärt Projektleiter Florian Freitag vom Bauunternehmen »mittelhessische wohnen«. Der Bau des Jobcenters für 20 Millionen Euro sowie des 7,5 Millionen Euro teuren Parkhauses sollen Anfang nächsten Jahres beginnen. Die Baugenehmigungen liegen noch nicht vor, Freitag rechnet damit im Herbst.

Tiefbau wird anspruchsvoll

Bis Januar 2019 soll das neue Jobcenter mit einer Nutzfläche von 6650 Quadratmetern entstehen. Das fünfgeschossige S-förmige Gebäude wird rund 270 Beschäftigten Platz bieten. Zukünftig kommen alle Abteilungen des Jobcenters an einem zentralen Standort unter. Momentan sind die Mitarbeiter an vier Stellen in der Nordanlage, Am Urnenfeld, in der Ludwigstraße und am Riversplatz tätig. Pkw-Stellplätze für Besucher und Mitarbeiter werden im neu geplanten Parkdeck, das neben dem Hauptgebäude entstehen soll, untergebracht. Die Arbeitsagentur wird derweil weiterhin in der Nordanlage beheimatet sein.

Der bevorstehende Tiefbau wird allerdings anspruchsvoll, weiß der Projektleiter. »In dem Areal wurde früher sehr viel aufgeschüttet. Erst nach zehn bis zwölf Metern trifft man in der Tiefe auf Fels.« Daher werden Pfähle aus Stahlbeton zum Einsatz kommen. Sie werden mit Bohrern so weit in die Erde getrieben, bis sie eine stabile Erdschicht erreichen und für ein tragfähiges Fundament sorgen.

Jobcenter entsteht ab Anfang 2018

Direkt neben dem Jobcenter in Richtung Margaretenhütte ist der Bau eines Hotels mit 100 Betten geplant. »In welcher Form, wird sich noch zeigen«, sagt Freitag. Die Auslastung der bereits existierenden Häuser gibt solche Großinvestitionen eigentlich kaum her. 2015 waren gerade einmal 23,7 Prozent der etwa 650 Gießener Hotelbetten ausgebucht. »Im Drei-Sterne-Bereich gibt es auf jeden Fall Bedarf«, hält Freitag fest. »Gerade am Bahnhof.«

Der Entwurf des Bebauungsplans »Güterbahnhof II« sieht auch die Einrichtung eines Bahnhofs für Fernbusse vor. Nach einem Gutachten könnte der geschätzt 3,5 Millionen Euro teure Busbahnhof von Stadt, Bahn und dem Güterbahnhof-Investor »mittelhessische wohnen« gebaut werden, an den Kosten des Betriebs würden die Busunternehmen über Gebühren beteiligt. (Foto: Schepp)

Güterbahnhof vor 75 Jahren

Mahnmal an dunkle Geschichte

Mit dem Abriss des Güterbahnhofs verschwindet ein Gebäude, das eng mit einem der dunkelsten Kapitel der Geschichte Gießens verbunden ist. Im September 1942 wurden 330 oberhessische Juden in der Goethestraße zusammengetrieben, zwei Tage später wurden alle am Güterbahnhof in einen Zug verladen. Der Transport stand eine Nacht auf dem Güterbahnhof, bevor er den Weg in Vernichtungs- und Konzentrationslager antrat. Nur sechs der 150 deportierten Juden aus Gießen und Wieseck haben überlebt. Im September jährt sich das traurige Geschehnis zum 75. Mal.

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