08. Oktober 2017, 09:00 Uhr

Landshut-Entführung

Günther Eckhold: Der Gießener flog der entführten "Landshut" hinterher

Günther Eckhold war Mitglied der »Wischnewski-Crew«. Vor 40 Jahren flog er der entführten Landshut hinterher. Im Gespräch erinnert er sich an die Mission.
08. Oktober 2017, 09:00 Uhr
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Von Burkhard Möller
Günter Eckhold zeigt Bundeskanzler Helmut Schmidt und "Ben Wisch" (stehend), wie die "Köln" im Sturzflug Mogadischu anflog. (Foto: dpa)
Am vergangenen Mittwoch war aus gleich zwei Gründen ein wichtiger Tag für Günter Eckhold. Erstens wurde er 85, und zweitens nahm er auf Einladung der »Lufthansa« in Frankfurt an einem ganz besonderen Treffen teil. 40 Jahre  nach den dramatischen Ereignissen von Mogadischu trafen sich Passagiere und Crew-Mitglieder der beteiligten  Maschinen in einem Restaurant der Fluggesellschaft. »Ich bin natürlich sehr gespannt, wer da alles kommt«, sagt der Gießener im Vorfeld im Gespräch mit der GAZ. Der damals 45-jährige leitete als Purser das Service-Team der sogenannten »Wischnewski-Crew«, die Bundeskanzler Helmut Schmidt der entführten »Landshut« in einem Langstreckenjet Boeing 707 hinterherschickte.

40 Jahre nach der Landshut-Entführung: Gießenerin kehrt in Bauch des Terrors zurück

Bereits einen Tag nach der Entführung hob die »Köln« ab, an Bord die neunköpfige Besatzung und der Stab von Staatssekretär Siegfried Wischnewski. »Später kamen noch zwei Engländer an Bord, die viel Gerätschaften bei sich hatten.« Es handelte sich um zwei Spezialisten des legendären Special Air Service (SAS), die vier Tage später den Sturm auf die »Landshut« mit ihrem Blendfeuerwerk einleiten sollten.

Legendäres Foto vom Geldkoffer

Die »Köln« war vollgepackt mit allem, was man für den Fall einer Übernahme der Geiseln brauchen würde. Eckhold: »Wir hatten alles dabei: Decken, Toilettenartikel und jede Menge Lebensmittel.« An Bord sei es locker und formlos zugegangen. Der Wischnewski-Stab habe sich keineswegs von der Besatzung abgeschottet. »Alle hatten das Gefühl, sich auf einer gemeinsamen Mission zu befinden«, erzählt Eckhold, der als einziges Besatzungsmitglied seinen privaten Fotoapparat mit an Bord hatte. Es entstanden Aufnahmen, die über große deutsche Medien um die Welt gehen sollten. So gelang Eckhold ein Foto vom geheimnisumwitterten und mit zehn Millionen Mark gefüllten Geldkoffer, den Wischnewski für alle Lösegeld-und Bestechungsfälle dabei hatte.

Gegen Mittag des 17. Oktober landet die Wischnewski-Crew in Mogadischu – nach einer spektakulären Sturzfluglandung. »Wir wussten nicht, was uns dort erwartet. Um einem möglichen Beschuss zu entgehen, hat Kapitän Rogowski die Maschine erst in niedriger Höhe abgefangen, landete und bog sofort ein. So eine Landung habe ich auch danach nie mehr erlebt«, schildert Eckhold die dramatischen Minuten. Kurz danach landete eine dritte Lufthansa-Maschine mit der GSG 9 an Bord.  Bereits am Nachmittag wussten die Verfolger, dass die »Landshut« um Mitternacht gestürmt werden soll. Eckhold: »Die Entscheidung war gefallen.« Der Purser hatte diverse Aufgaben bis in die Nacht zu erledigen. »Ich organisierte ein Feuerwehrauto, um Wasser für die Geiseln zur Verfügung zu haben.«

Gute Erinnerungen an die Erstürmung

An die Minuten der Erstürmung kann sich Eckhold noch gut erinnern. »Ich selbst stand in der hinteren Tür und sah alles mit an. Es gab plötzlich diese hellen Explosionsblitze. Es ging alles ganz schnell. Man hörte Schreie und Schüsse. Irgendwann kamen Massen von  Menschen aus Richtung der ›Landshut‹ auf uns zugerannt.« Eckholds Löschwasser erfüllte seinen Zweck. »Es waren in der Nacht noch über 30 Grad. Die Leute waren nach fünf Tagen völlig dreckverschmiert und sind in den  Wasserstrahl gelaufen.« Im Flughafengebäude wurden die Landshut«-Passagiere erstversorgt. Aber die Zeit drängte. Mit der somalischen Regierung war vereinbart worden, dass Geiseln und Befreier vor dem Morgengrauen verschwunden sein mussten. Eckhold: »Als wir die Menschen gebeten haben, wieder in ein Flugzeug zu steigen, wollten viele einfach nicht.«

In Frankfurt wartete die Weltpresse

Es war schließlich schon hell, als die beiden Lufthansa-Jets Mogadischu verließen. Die zerschossene »Landshut« blieb zurück. Am Dienstag, dem 18. Oktober, um 13.51 Uhr setzte die »Köln« mit den befreiten Mallorca-Urlaubern in Frankfurt auf. »Draußen wartete die Weltpresse auf uns«, so der Zeitzeuge, der bereits zwei Tage später im Bonner Kanzleramt von Helmut Schmidt empfangen wurde. Dass mit der Rückholung der »Landshut« aus Brasilien nach Deutschland hat Günter Eckhold natürlich verfolgt und sich fest vorgenommen, nach Friedrichshafen an den Bodensee zu fahren, wenn der frühere Cityjet restauriert und ausgestellt sein wird. »Das werde ich auf jeden Fall machen«, sagt der 85-Jährige.


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