09. November 2012, 22:23 Uhr

Grünes Licht für Mountainbiker am Schiffenberg

Gießen (als). Fast ein Jahr ist vergangen, seit die Stadt eine Bürger-Gesprächsrunde zum Mountainbiken am Schiffenberg veranstaltete. Damals gab es Probleme, da viele Mountainbiker auch in Naturschutzgebieten ihrem Hobby nachgingen.
09. November 2012, 22:23 Uhr
Mit den offiziellen Strecken will die Stadt das Fahren auf ungekennzeichneten Wegen reduzieren. (Foto: pv)

Seitdem hat sich viel getan. Stadt, Biker und der für den Stadtwald zuständige Förster Ernst-Ludwig Kriep haben gemeinsam versucht, einen Kompromiss zu erarbeiten. Die Ergebnisse stellten die Beteiligten am Donnerstag im Konzertsaal des Rathauses vor. Von den 1550 Hektar Stadtwald sollen ab März 2013 1,3 Hektar als Mountainbike-Strecke genutzt werden.

Auf einer Länge von 600 Metern werden drei Strecken mit unterschiedlichem Charakter und Anspruch parallel verlaufen. Der Weg hin zu dieser Lösung war lang: Kriep und die Stadt mussten die Wünsche der Biker einerseits und den Wald als ökologisches Territorium und Naherholungsgebiet andererseits in Einklang bringen. So wird es auch Tabuzeiten geben, um die Wildtiere nicht zu stören. Nachts wird die Strecke deshalb geschlossen. Und auch zwischen Oktober und März soll sie nicht befahren werden, da der in diesem Gebiet ansässige Feuersalamander gerne in den Hindernissen der Mountainbiker überwintere, wie Kriep erklärte.

Um die Auswirkungen des Mountainbikens auf Flora und Fauna zu überwachen, hat die Stadt auch ein ökologisches Begleitgutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse überraschen: Auf der bereits etablierten und oft befahrenen Strecke gab es im Vergleich zu einem gleich großen, unbefahrenen Raum keine Schädigung der Natur, sondern die Nutzung hatte sogar positive Auswirkungen. Beispielsweise kämen bestimmte Vogelarten durch den freiliegenden Waldboden besser an Laufkäfer heran. »Das kann einem jetzt gefallen oder nicht, ist aber eine Tatsache«, meinte der Förster.

Eine weitere Bedingung der Stadt war, dass es einen Verein gibt, der sich als Ansprechpartner für die Biker zur Verfügung stellt. Die Radsportgemeinschaft Gießen und Wieseck empfing die Sportler nach Anfrage mit offenen Armen und steht nun als Verein voll und ganz hinter dieser Sache, wie Andreas Rümenapf, 2. Vorsitzender der RSG, deutlich macht. Der Verein baut und beschildert die Strecke aus eigener Kasse mit Bezuschussung vom Sportamt. Deshalb sei es sehr wichtig, dass möglichst viele Mountainbiker in den Verein eintreten, um mit ihren Mitgliedsbeiträgen bei der Finanzierung zu helfen. »Die Organisation im Verein ist die Grundlage für diese Strecke, sie ist die Bedingung«, betonte Rümenapf.

Die Stadt hofft, dass durch die Legalisierung der Strecke das Fahren auf ungekennzeichneten Wegen oder in Naturschutzgebieten aufhört. Kriep hat die wilden Trails inzwischen mit Reisigauflagen unbefahrbar gemacht. »Jetzt können wir nur hoffen, dass die Biker sich dadurch, dass es eine offene Strecke gibt, nicht die Mühe machen, das Reisig beiseite zu schaffen«, so der Förster. »Mit ordnungspolitischen Maßnahmen kommen wir bei diesem Thema nicht weiter«, meinte Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich, deshalb sei es wichtig, dass der Verein im Dialog mit Stadt und seinen Mitgliedern bleibe. »Man kann das Mountainbiken nicht kontrollieren, sondern immer nur an die Einsicht appellieren«, so die Bürgermeisterin.

Nachdem bei der Bürgerinformationsveranstaltung keine Änderungsvorschläge für den bereits erstellten, aber noch nicht unterzeichneten Vertrag zwischen Stadt und RSG gemacht wurden, soll dieser nun baldmöglichst unterschrieben werden.

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