05. September 2018, 22:16 Uhr

»Grüne Wand« und Rätselraten

05. September 2018, 22:16 Uhr
Karen_werner
Von Karen Werner
Ungeweihte finden vor Ort zu wenige Informationen über die Stadtbusumleitungen rund um die Marktplatz-Sanierung, meint der VCD. (Foto: kw)

Gießen (kw). Wo ist eigentlich die Haltestelle Mühlstraße? So rätseln in diesen Wochen mitunter selbst routinierte Busnutzer. Denn normalerweise fahren nur Regionallinien die Station an, die nun Stadtbus-Ersatzhaltestelle für den Marktplatz ist. Abhilfe schaffen könnten kleine Stadtpläne, die an noch mehr Stellen ausgehängt werden sollten, meint Patrik Jacob. Der heimische Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland hat viele Verbesserungsvorschläge zur Fahrgastinformation bei Busumleitungen gesammelt. Mängel gebe es vor allem dort, wo Regionalbusunternehmen verantwortlich sind, sagte Jacob im Fahrgastbeirat. »Bei den Stadtwerken klappt es ganz gut.«

Busfahrer staunen über Sperrungen

Drastische Beispiele nannte Jacob zu den Sperrungen der Lahnstraße in diesem Jahr. Bei der Sanierung der Wieseckbrücke im Mai und Juni konnten die Linien 310, 378 und 379 das Parkhaus nahe dem Bahnhof nicht anfahren. Darauf seien Uneingeweihte weder bei der Verbindungssuche im Internet noch an allen betroffenen Haltestellen hingewiesen worden, so Jacob. Er fotografierte eine auf den Bus wartende Frau, die erst durch ihn von der Umleitung erfuhr. Ein Aushang verwies auf Informationen am Bahnhof Albshausen. Auch zur Verlängerung der Baumaßnahme seien keine Informationen aufgehängt worden. Nachbesserungen habe es erst nach der VCD-Beschwerde beim Regionalbusbetreiber gegeben. Bei der aktuellen Sperrung der Lahnstraße seien zwar die Kunden informiert, doch der Bereich Bachweg/Margaretenhütte sei (wie berichtet) in unverantwortlicher Weise abgehängt.

Am Marktplatz stünden Ortsunkundige derzeit vor einer »grünen Wand«. Nur an der Ecke Schulstraße seien Informationen ausgehängt. Jacobs Appell an die Stadtwerke: Man könnte weitere am Bauzaun anbringen und im Kundenzentrum das Flugblatt auslegen statt nur auf Nachfrage herauszugeben. Stadtpläne, wie sie am Stadttheater und Oswaldsgarten hängen, seien an mehr Stellen sinnvoll. Jacob forderte grundsätzlich bessere Abstimmungen und verwies auf ein Positionspapier des Fahrgastbeirats Frankfurt.

»Das ist eine ganz heiße Kiste. Baumaßnahmen beschäftigen uns in diesem Jahr so stark wie nie«, sagte Gerhard Muth-Born vom Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV). Mitten im Bauboom informierten die ausführenden Firmen auch die unmittelbar Betroffenen nicht immer: »Manchmal stehen die Busfahrer morgens staunend vor einer neuen Baustelle, von der sie nichts wussten. Das ist diese Woche im Vogelsberg mehrmals passiert.« Ärgerlich sei auch, wenn eine Baumaßnahme schneller abgeschlossen ist als vorgesehen. Während die Autos die Straßen wieder nutzen, müssten die Busse zunächst weiter die angekündigte Umleitung nehmen. »Das läuft leider überhaupt nicht so, wie es wünschenswert wäre.«



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