02. August 2016, 17:23 Uhr

Gründrucken GmbH nach Nervenprobe gerettet

Gießen (ta). Die seit November 2015 insolvente Gründrucken Druckkollektiv GmbH ist komplett an die neu gegründete Gründrucken Print und Packaging GmbH verkauft worden; alle 15 langjährigen Mitarbeiter wurden übernommen. Das teilte der sichtlich zufriedene Insolvenzverwalter Tim Schneider am Dienstag mit.
02. August 2016, 17:23 Uhr
Gründrucken-Geschäftsführer Lutz Köhler (M.) mit seinen beiden Rettern, Investor Markus Jürgens (l.) und Insolvenzverwalter Tim Schneider. (Foto: Schepp)

Retter ist der Oberbieler Verpackungsmittel-Großhändler Markus Jürgens. Bis es soweit war, musste allerdings im Mai wochenlang eine arge Nervenprobe überstanden werden.Wie berichtet, hatte die kleine Druckerei wegen eines Liquiditätsengpasses im November ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt. Trotz guter Auslastung war der Betrieb in Schieflage geraten, vor allem weil ein Großkunde seine Rechnung nicht bezahlt hatte. Auch ein Darlehen über 36 000 Euro, das die Beschäftigten gewährten, hatte die Finanznöte nicht beseitigen können.

Zum 1. Januar wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Tim Schneider zeigte sich von Anfang an optimistisch, dass »gründrucken« eine Zukunft hat, weil der Betrieb rechtzeitig eine Umstrukturierung eingeleitet habe und mit seinen veganen Lebensmittelverpackungen (ohne tierische Bestandteile) ein zukunftsfähiges Produkt besitze. So konnte der Fernwalder das hiesige Amtsgericht überzeugen , dass die Druckerei nach »Vollkostengesichtspunkten« weitergeführt wird, die Mitarbeiter also ihre Löhne aus dem Betrieb erwirtschaften müssen.

Das klappte auch prima. Bei der Suche nach einem Investor, der die Gesellschaft mit ihrem Anlagevermögen in einer Größenordnung von 100 000 Euro übernimmt, sah es indes anfangs nicht gut aus: Mehrere Interessenten, die eine Kapitalanlage im Auge hatten, winkten wieder ab.

Im März jedoch bekundete der Unternehmer Markus Jürgens bei Rechtsanwalt Schneider sein Kaufinteresse, nachdem er per Zufall von dem Insolvenzverfahren erfahren hatte. Der Oberbieler stellte fest, dass die Druckerei gut zu seinem Verpackungsmittel-Großhandel passen würde: Er hätte dann sozusagen einen eigenen Lieferanten. Im April war man sich auch schon praktisch handelseinig. Doch dann kam im Mai der Schock für alle Beteiligten: Das Leasing-Unternehmen, dem die zwei Druckmaschinen am Bergwerkswald gehören, teilte mit, die Anlage sei verkauft worden und dürfe deshalb ab sofort nicht mehr benutzt werden. Das Verbot wurde zwar ignoriert, doch begann nun ein vierwöchiger Nervenkrieg. Offenkundig hatte ein Maschinenhändler einen höheren Preis geboten. Der fand aber schließlich keinen Käufer und bezahlte deshalb nicht. So konnte am Ende doch Markus Jürgens mit einem leicht erhöhten Kaufpreis das Herz der Gießener Druckerei erwerben.

»Das war ein super Insolvenzverfahren« freut sich nun Anwalt Schneider freuen, der den guten Zusammenhalt unter den Beschäftigten lobt: Auch bei verspäteten Lohnzahlungen hätten die nicht gemurrt. Sehr zufrieden ist auch Geschäftsführer Lutz Köhler, dessen berufliches Lebenswerk gesichert ist. »Herr Jürgens war ein Glücksgriff«, betont er. Die Mitarbeiter können sich gleichfalls freuen: Der neue Eigentümer hat ihnen zugesagt, die Darlehen bis zum Jahresende komplett zurückzuzahlen.

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