Stadt Gießen

Großes Können, großer Beifall

Einen herausragenden Abend lieferten die jungen Musiker der Liebigschule bei ihrem traditionellen Sommerkonzert in der Petruskirche. Alle Sitzplätze in der Kirche waren belegt, alle Zuhörer konnten sich freuen: Es lag offenbar ein Segen auf allem Tun.
21. Juni 2019, 22:17 Uhr
der Redaktion
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Kein Platz mehr frei: Das Sommerkonzert der Liebigschule in der Petruskirche bietet reichhaltige Musikgenüsse. (Fotos: usw)

Zu einem Vergnügen gestalteten die Bläser und der Kontrabass des Vororchesters bereits den Auftakt des Konzerts mit Mozarts Cavatine des Figaro aus »Figaros Hochzeit«. Das Stück erklang mit zauberhaftem Flötenspiel, bester Geschlossenheit und fühlbarem Ausdruck. Leiter Jörg Abel freute sich, denn die jungen Musiker und Musikerinnen agierten deutlich über Niveau, was ihnen großen Beifall einbrachte.

Direktor Dirk Hölscher betonte die Leistungen der Schulmusiker sowie die wesentliche Unterstützung durch die Musikschule Gießen, Leitung Katja Marauhn. Dann bat er das Orchester, »als Dank an die Eltern« um einen Gefallen: »Ich dirigiere mal, und ihr spielt einfach irgendwas.« Für die Kids kein Problem, und nach kurzer, aber fröhlicher Kakophonie brach Hölscher ab; »Danke, das wollte ich schon immer mal tun.« Große Heiterkeit und herzlicher Applaus.

Sabine Schuppe leitete mit den Streichern drei Stücke von Angel Gregorio Villoldo. Auch hier prägten schöne Stimmung und Groove, spürbarer Ausdruck und respektable Sauberkeit das Musizieren. Nicht zu vergessen ein deutlicher Spannungsaufbau. Besonders der aparte Duktus von »El Choclo« wurde sauber realisiert; ausgezeichnet.

Die Orchestersuite aus »Harry Potter und der Feuerkelch« (Patrick Doyle und John Williams) setzte man unter Leitung Michael Zarnikos prima um und präsentierte einen prächtigen orchestralen Ansatz samt gemessenem Tempo und sauber abgestuften Stimmen, was in einer höchst angenehmen, gut abgestimmten Atmosphäre resultierte.

Den ersten Höhepunkt an diesem niveauvollen Abend setzte Jörg Abel mit dem Orchester und dem Konzert h-Moll op. 61 für Violine und Orchester (1. Satz) von Camille Saint Saëns. Solistin Hannah Park agierte versunken, furios und mit höchstem Anspruch, während das superkonzentrierte Orchester stabil bis ins Detail mitschwang: ein großes klares Stimmungsbild entstand, eine fabelhafte Basis und eine herausragende Kooperation. Abel dirigierte federleicht und zugleich ganz präzise. Großer Applaus.

Sabine Schuppe konnte den nächsten Erfolg einfahren, als sie in schönem Tempo, kaum pädagogisch verlangsamt, Saint Saëns Konzert a-Moll op. 33 für Violoncello und Orchester leitete. Solistin Hannah Wörner war in Bestform und lieferte mit süffigem Schmelz und souveräner Intonation sowie packendem Ausdruck ihre Interpretation ab, tiefe Stille in der vollen Kirche. Das Ensemble musizierte sehr stabil und mit kraftvollem Ausdruck. Schuppe dirigierte hochsensibel und präzise, Klangschattierungen wurden exzellent realisiert. Ensemble und Solistin gingen eine eindrucksvolle expressive Synthese ein: ein voller Erfolg.

Filmmusik wie im Kino

Das Finale kam mit großer Filmmusik. Michael Zarniko leitete das Orchester bei einem Medley aus »Fluch der Karibik« von Klaus Bandelt. Die jungen Akteure hatten unübersehbar Freude am Tun und gaben alles. Sie schufen so ein intensives und knackiges Ergebnis. Ein vorbildlich präzises Schlagzeug und stabile Stimmen schon beim Auftakt, vorbildlich spannend - genau wie im Kino. Zarniko dankte schließlich fröhlich seinen Musikern, und die Besucher lieferten einen machtvollen Beifall, der die allgemeine Freude über den niveauvollen Abend deutlich übertrug. Natürlich kam eine kleine Zugabe, ein kurzes Stück Filmmusik, und alle waren sich einig, dass es toll gewesen war.

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