14. Mai 2018, 09:42 Uhr

Gift gegen Raupen

Großeinsatz gegen den Eichenprozessionsspinner

Das Gartenamt spritzt erstmals gegen Eichenprozessionsspinner. Ist das Gift gefährlich für den Menschen? Und mas machen die Raupen mit den Menschen?
14. Mai 2018, 09:42 Uhr
Um die Raupen des Eichenprozessionsspinners fernzuhalten, lässt das Gartenamt an der Albert-Schweitzer-Schule und anderen Orten Insektengift spritzen. (Foto: Schepp)

Wo sonst Kinder spielen fährt ein Traktor über den Schulhof und sprüht eine farblose Flüssigkeit in die Bäume. Den Brückentag am Freitag nutzte das Gartenamt, um erstmals vorsorglich gegen den Eichenprozessionsspinner vorzugehen – an der Albert-Schweitzer-Schule und andernorts. Die Raupen dieser Falter können Hautausschläge und Allergien auslösen und sind in den letzten Jahren in Gießen vermehrt zu beobachten. Die wichtigsten Informationen über die Spritzaktion:

Was hat die Stadt Gießen genau gegen die Raupen unternommen?

Rund 350 Bäume hat die Firma F. Landau Grünpflege aus Bad Vilbel im Auftrag der Stadt mit dem Insektengift »Dipel ES« eingesprüht. Behandelt wurden Eichen, aber auch benachbarte Hainbuchen, die gelegentlich befallen sind. Damit geht die Verwaltung erstmals gegen den Eichenprozessionsspinner vor, bevor Raupen auftreten.

Wo ist das Insektengift überall versprüht worden?

Schulen, Kindergärten, Spielplätze, Freizeit und Sportanlagen sind Schwerpunkte der Vorsorge-Maßnahme. Besprüht wurden Bäume in der Grünberger Straße (Waldstadion und Albert-Schweitzer-Schule), der Licher Straße sowie auf Spielplätzen am Fasanenweg, Rodtberg, der Sandfeldschule, den Schulen in der Weststadt und der Kita Krofdorfer Weg. Weiterhin behandelt wurde am Grünzug Weststadt und auf dem Gelände der Brüder-Grimm-Schule in Klein-Linden.

Muss man sich besondere Sorgen um Kinder machen?

Nein. Nichtsdestotrotz hat das Gartenamt vornehmlich Orte ausgewählt, an denen Kinder auf Grünflächen mit Bäumen spielen. »Kinder sind nicht besonders gefährdet«, sagt Benjamin Lakowski, Sachgebietsleiter Baum beim Gartenamt. »Sie haben für uns aber eine höhere Priorität.«

Ist das versprühte Mittel giftig für Mensch und Umwelt?

Rund 1200 Liter des Insektengiftes hat die Stadt an Schulen, Kindergärten und anderen öffentlichen Einrichtungen versprühen lassen. Eine Gefahr für Menschen und Tiere besteht laut Stadt nicht. Das Mittel wirkt durch das Gift des Bakteriums Bacillus thuringiensis ausschließlich auf Stoffwechselvorgänge von Schmetterlingsraupen.

Sind weitere Maßnahmen geplant, um die Falter einzudämmen?

Gesprüht werden soll in diesem Jahr kein zweites Mal. »Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass wir im Juli oder August Nester absaugen müssen«, sagt Lakoswki. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Raupen trotz Insektengift ansiedeln, liege bei 10 bis 20 Prozent. Das Gartenamt wird die Bäume deshalb alle zwei bis drei Wochen überprüfen. Sollten Eichenprozessionsspinner auftauchen, werden die Nester entfernt.

Wie gefährlich ist der Eichenprozessionsspinner für die Gesundheit?

Durch Kontakt mit den Haaren der Raupen kommt es zu Hautreizungen, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark sein können. Zu den Symptomen gehören lokale Hautausschläge mit punktuellen Rötungen, leichten Schwellungen, starkem Juckreiz und Brennen. Häufig bilden sich Quaddeln am ganzen Körper. Das Einatmen der Haare kann zudem zu Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut führen sowie zu Bronchitis und Asthma. In Einzelfällen sind allergische Schockreaktionen möglich. Diese Beschwerden können während des gesamten Jahres auftreten, da auch verlassene Nester oft noch Haare enthalten. Gegen Hautreizungen helfen kühle, nasse Umschläge. »Zum Arzt muss man nur, wenn Juckreiz und Rötung nach zwei bis drei Tagen nicht abklingen«, sagt Lakowski. Bei allergischen Reaktionen sollte man einen Arzt aufsuchen.

Welche Vorfälle gab es in Gießen mit den Raupen bislang?

In diesem Jahr sind laut Gartenamt keine bekannt. 2017 sind die Tiere zu Hunderten aufgetreten – ein Schwerpunkt war die Albert-Schweitzer-Schule. »Lehrer haben beobachtet, dass sie in Türritze gekrochen sind«, erzählt Lakowski. Die JLU hatte im Juli sogar ein Waldstück an der Rathenaustraße gesperrt. Nester der Tiere sind in Gießen erstmalig 2016 in öffentlichen Anlagen gesichtet und vom Gartenamt entfernt worden. Aus privaten Gärten sind bislang keine Meldungen eingegangen.

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