28. Februar 2018, 11:00 Uhr

Grippewelle

Grippe in Gießen: Hotline eingerichtet, Ärzte geben Rat

Nicht nur die sibirische Kälte, auch eine Erkältungs- und Grippewelle hat Gießen erreicht. Die Krankenkasse Barmer hat eine Grippe-Hotline eingerichtet. Auch Ärzte wappnen sich gegen Erreger.
28. Februar 2018, 11:00 Uhr
Mit laufender Nase und Kopfschmerzen sitzen derzeit viele Gießener zu Hause auf dem Sofa. Grippe und Erkältung sind im Winter auf dem Vormarsch. (Symbolfoto: dpa)

Leider kann ich Ihnen nicht weiterhelfen, der Kollege, der Bescheid weiß, ist krank – diesen Satz schon einmal gehört in den letzten Wochen? Grippe und Erkältung dünnen derzeit die Büros, Betriebe und Schulklassen in Gießen aus. »Die Grippewelle schlägt dieses Jahr verstärkt zu«, sagt Michael Jäger, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Gießen.

Angesichts steigender Fallzahlen hat die Krankenkasse für diese Woche eine Grippe-Hotline eingerichtet. Auch die Gießener Ärzte sind vermehrt mit Kranken konfrontiert und wappnen sich vor den Grippe- und Erkältungserregern.

Über die Grippe-Hotline erhielten Patienten einfach und seriös einen persönlichen Rat ohne sich durch viele Seiten im Internet klicken zu müssen, erklärt Jäger. Häufig fragen Interessierte die Ärzte am Telefon zum Beispiel danach, wie sich Grippe und Erkältung unterscheiden oder wie man sich davor schützen kann (siehe unten). Einen Arztbesuch ersetze der Telefon-Service jedoch nicht.

 

Sich schonen ist wichtig

»Je mehr Leute den Teledoktor anrufen und präventiv Schritte gegen die Grippe ergreifen, desto günstiger ist es für uns«, sagt Jäger. Davon profitiere nicht nur die Kassen, sondern auch die Gesundheit der Gießener sowie die Unternehmen der Stadt. Wer etwa nach einer Grippe zur früh zurück in den Job gehe, riskiere Folgeerkrankung wie eine Herzmuskelentzündung und damit einen zusätzlichen Arbeitsausfall.

Wegen der aktuellen Grippewelle in Hessen hat die Barmer Hotlines in allen Kreisen und kreisfreien Städten Hessens eingerichtet. Die beratenden Ärzte gehören zum zentralen Team des sogenannten Teledoktors der Krankenkasse, das bundesweit aktiv ist. Noch bis Freitag ist die Grippe-Hotline kostenlos für alle Interessierten von neun bis 21 Uhr erreichbar unter der Nummer 08 00/84 84 11 1.

Im Wartezimmer von Allgemeinmedizinerin Felicitas Schemann sitzen derzeit meist zahlreiche hustende und niesende Menschen. Anders als die Telefondoktoren ist sie dadurch permanent Keimen ausgesetzt. Wie kann man sich da nicht anstecken? »In 25 Jahren Beruf war ich nur einen Tag krank«, sagt sie. In ihrer Gemeinschaftspraxis an der Südanlage folgt sie strikt einem Prinzip: Sie schüttelt keine Hände. Die sogenannte »No-Hands-Strategie« ist inzwischen in vielen Gießener Arztpraxen angekommen – und bei Schemann offenbar äußerst erfolgreich.

Die Grippewelle schlägt dieses Jahr verstärkt zu

Michael Jäger, Barmer Gießen

Um die Abwehrkräfte zu stärken achtet die Allgemeinmedizinerin außerdem auf gesunde und ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und geht regelmäßig in die Sauna. Sport sei zwar ebenfalls ratsam, aber dafür habe sie kaum Zeit. Jedoch verbringe sie immerhin jeden Tag Zeit an der frischen Luft.

»Krank zu werden ist völlig normal«, sagt Dr. Fabian Kämmerer, Assistenzarzt in der Hals-Nasen-Ohrenklinik des Universitätsklinikums Gießen. »Es lässt sich auch durch Präventionsmaßnahmen nicht immer verhindern.« Das gelte natürlich auch für Ärzte, jedoch gingen sie oft anders damit um. Man bewerte nicht jeden Halsschmerz gleich als Krankheit und wisse zudem besser über die Behandlung Bescheid.

Händeschütteln sei in der Klink eher unüblich, erklärt Kämmerer. Dennoch desinfiziere er sich täglich so oft die Hände, dass er kaum noch mitzählen könne. Handschuhe und Mundschutz sollen zudem Infektionen verhindern. Das gelte für Keime der Patienten, aber auch für die eigenen Keime. »Sollte ich einmal selbst erkältet sein, trage ich einen Mundschutz, um Patienten und Kollegen nicht anzustecken«, sagt er.

Im puncto Prävention setzt der HNO-Arzt setzt wie die Allgemeinmedizinerin auf allgemeine Gesundheit und Fitness. Er fahre jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit und spiele in seiner Freizeit Badminton und Squash. Nur die gesunde Ernährung sei ein schwieriges Thema: »Die Arbeitspause ist oft kurz, die Arbeitszeit lange und die Auswahl an überall verfügbaren Süßigkeiten und Snacks ist einfach zu verführerisch.«

Info

Häufige Fragen bei der Grippe

Wie merke ich, ob es eine Erkältung oder eine Grippe ist?

Husten, Schnupfen, Fieber – eine »echte« Grippe unterscheidet sich vor allem durch ihren plötzlichen Beginn von einer Erkältung. Eine Grippe, die sogenannte Influenza, wird durch Viren hervorgerufen. Doch nicht jeder Infizierte, erleidet einen schlimmen Krankheitsverlauf. Etwa jeden Fünften trifft es aber mit besonderer Ausprägung von plötzlichem hohem Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen, Husten und einem ausgeprägtem Krankheitsgefühl.

Wann bin ich ein Risikopatient?

Ein hohes Risiko für einen schweren Grippeverlauf haben Menschen mit einem schwachen Immunsystem, chronisch kranke, ältere Personen und Schwangere. Aber auch Personen, die täglich mit vielen Menschen in Kontakt kommen. Dazu gehören zum Beispiel Pfleger, Lehrer und Arbeitnehmer im Einzelhandel.

Ist es sinnvoll sich jetzt noch impfen zu lassen?

Eine Grippeschutz-Impfung ist auch jetzt noch sinnvoll. Daher sollten Risikogruppen ihren Impfstatus überprüfen.

Wie kann ich mich schützen, wenn ich nicht geimpft bin?

Ob geimpft oder nicht, regelmäßiges Händewaschen und -desinfizieren verringert das Ansteckungsrisiko.

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