19. Dezember 2014, 17:13 Uhr

Gregor Meyle zieht 1000 Fans in die Admiral Music Lounge

Früher spielte er meist nur vor wenigen Zuhörern. Nun ist der Songpoet Gregor Meyle nach dem TV-Tauschkonzert ein Star. In der Admiral Music Lounge begeisterte der sympathische 36-Jährige mit seinem Konzert rund 1000 Fans.
19. Dezember 2014, 17:13 Uhr
Wird »nie wieder alleine sein«: Gregor Meyle spielt vor 1000 Besuchern in der ausverkauften Admiral Music Lounge. (Foto: juw)

Als Gregor Meyle einen Anruf von Tim Mälzer bekam, hätte er ihn am liebsten gefragt: »Soll ich was für Dich kochen?« Als der TV-Koch jedoch wissen wollte, ob er Meyles Nummer an Xavier Naidoo weiterleiten dürfe, lag dem Barden aus Jagsthausen schon die nächste schalkhafte Replik auf der Zunge: »Ach nein, die habe ich schon Sting gegeben.« Auflockernde Scherze wie dieser waren wichtiger Bestandteil des gut zweieinhalbstündigen Konzerts, das von der noch nicht fertiggestellten Miller Hall in die Admiral Music Lounge verlegt worden war. 1000 Fans erlebten Gregor Meyle am Donnerstag nicht nur als gefühlvollen Sänger und Bandleader, sondern auch als charmanten Entertainer.

Das Konzert wäre vermutlich wesentlich intimer ausgefallen, wäre Meyle im Frühjahr nicht mit Naidoo und fünf anderen Musikerkollegen nach Südafrika geflogen: Das Fernsehformat »Sing meinen Song« gab Meyles Karriere, die 2007 bei Stefan Raabs Castingshow angefangen hatte, neuen Aufschwung. Jetzt ist Meyle »260 Tage im Jahr unterwegs« und tritt dabei den Beweis an, dass Jagsthausen nicht nur die Heimat raubeiniger Ritter, sondern auch gefühlvoller Troubadoure ist. Seinen Ritterschlag, erzählte Meyle, habe er indes von Xavier Naidoo höchstpersönlich bekommen, nämlich als der seinen Song »Du bist das Licht« interpretiert habe. Der durfte natürlich auch in Gießen nicht fehlen: Hände wiegten sich über den Köpfen in der Luft, Smartphones imitierten Feuerzeuge. Ein Junge im Grundschulalter, der das Konzert aus der ersten Reihe verfolgte, sang verzückt mit: Wort für Wort mit geschlossenen Augen. Meyle ist familientauglich.

Neu sind die Themen seiner Balladen (»Keine ist wie du«, »Niemand«) nicht – es geht um Liebe, Freundschaft, Hoffnung – aber gut gemacht. Bei einem so starken Repertoire verwundert es kaum, dass der Songpoet auf Reminiszenzen an das TV-Tauschkonzert verzichtete, seine Stücke dafür immer wieder mit kurzen Cover-Sequenzen wie dem tanzbaren »Get lucky« würzte. Immerhin: Man ist ja in einer Disco und »muss sich der Location anpassen«. Wie aber verwandelt man einen Tanzschuppen in einen intimen Konzertsaal? Man dimmt das Deckenlicht auf dezent zirkulierende blaue LED-Lichtwellen, dekoriert die Bühne mit schummrigen Schirmlampen und reduziert die Lautstärke.

Sympathisch wirkte der 36-Jährige auch durch sein Understatement. Immer wieder stellte er seine famosen Musiker in den Vordergrund, so als müsse er sich selbst die Augen reiben, dass diese sonst mit Größen wie etwa Herbert Grönemeyer auf der Bühne stehen. Als Meyle selbst ein, zwei Gitarrensoli aus dem Handgelenk schüttelte, tat er dies wie beiläufig – und hatte dabei fast gefühlvoller gespielt als sein technisch einwandfreier Leadgitarrist. Und zur »Weihnachtskaraoke« überließ er das Mikro einer Freiwilligen: Konzertbesucherin Lisa durfte auf der Bühne »Last christmas« zum Besten geben. Meyle war begeistert, ging vor ihr auf die Knie: »Heißt du Minelli mit Nachnamen?«

Ein großartiges Konzert. Enttäuscht werden nur diejenigen gewesen sein, die auf ein anschließendes Autogramm des Sängers gehofft hatten. Zum ersten Mal seit sieben Jahren, entschuldigte sich Meyle mit Verweis auf seine angeschlagene Gesundheit, könne er dem nicht nachkommen. Dass er die letzten Tage mit Fieber im Bett gelegen hatte, war der energetischen Show in keiner Sekunde anzumerken. Julian Wessel

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