12. April 2015, 18:43 Uhr

Grabplatte zum Gedenken an Oberst Gustav Petri restauriert

Gießen/Wernigerode (ck). Glimpflich endete am 11. April 1945 für Wernigerode im Harz der Zweite Weltkrieg. Und das war einem Gießener zu verdanken. Anstatt die Verteidigung der Stadt gegen die anrückenden Amerikaner zu organisieren, widersetzte sich der Kampfkommandant Oberst Gustav Petri dem Befehl seiner Vorgesetzten.
12. April 2015, 18:43 Uhr
Auf dem Grab der Familie Petri erinnert die nun restaurierte Gedenkplatte an die Rettung der Stadt Wernigerode durch Gustav Petri. (Foto: pv)

Er sah keinen Sinn mehr darin, das Städtchen zerstören zu lassen – und zahlte dafür mit dem Leben: Er wurde verhaftet und am 12. April 1945, gestern vor 70 Jahren, standrechtlich erschossen.

Seit über 50 Jahren erinnert auf dem Grab der Familie Petri auf dem Neuen Friedhof in Gießen eine Gedenkplatte, gestiftet zu Petris 75. Geburtstag von Ehemaligen des Regiments 116 sowie des Reserveregiments 254, an die mutige Tat. Der Stein war in die Jahre gekommen, die Schrift nur noch schlecht lesbar. Jetzt wurde die Platte mit der Inschrift »Unserem lieben Kameraden Oberst Gustav Petri geb. 3.6.1888 – gef. 12.4.1945 – Du gabst dein Leben zur Rettung der Stadt Wernigerode« auf Kosten der Stadt im Harz restauriert und vor einigen Tagen wieder auf dem Familiengrab aufgestellt.

In der Stadt in Sachsen-Anhalt wird Petri seit der Wendezeit als »Retter« geachtet und geehrt. Eine Straße ist nach ihm benannt, am »Wohltäterbrunnen« vor dem Rathaus erinnert eine Plakette an ihn. Zum 125. Geburtstag Petris hatte die Stadt 2013 die Bürger zu einer Gedenkfeier aufgerufen, um sich ihres Retters zu erinnern. Zudem gibt es ein Buch unter dem Titel »Geachtet – geleugnet – geehrt. Die Geschichte des Gustav Petri«.

Die Initiative für die Restaurierung der Grabplatte ging von Gisela und Ernst Döpfer aus Biebertal aus. Sie hatten im Rahmen einer kunsthistorischen Führung über den Neuen Friedhof am Rodtberg durch die Kunsthistorikerin und Journalistin Dagmar Klein vom Schicksal Petris erfahren. Bei ihren Besuchen auf dem Neuen Friedhof fiel ihnen auf, dass die Inschrift der Steinplatte nur noch mit Mühe lesbar war und einer Sanierung bedurfte. Das Ehepaar beschaffte sich weitere Informationen, setzte sich mit dem Stadtarchiv Wernigerode in Verbindung, erhielt von dort eine Kostenzusage für die Restaurierung und anschließend auch Hilfe vom Friedhofsamt in Gießen. Das erbat von den das Grab pflegenden Angehörigen in Bonn das Einverständnis zu der Maßnahme, so dass ein Gießener Steinmetzbetrieb sich an die Arbeit machen konnte. Gisela und Ernst Döpfer begleiteten die Umsetzung.

Sie freuen sich nun darüber, »dass auch zukünftigen Teilnehmern der kunst- und kulturhistorischen Friedhofsführungen die Erinnerung an den ›Retter der Stadt Wernigerode» nicht nur akustisch, sondern auch wieder ›sichtbar» vermittelt werden kann«.

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