Stadt Gießen

Grabe-Bolz gibt den Startschuss

Der Weg ist nicht das Ziel, aber ohne den Weg wäre auch das Ziel eigentlich nichts. Jedenfalls haben die nächsten Tage bei aller Anstrengung schon etwas von »Urlaub«, meint Oliver Lauff. Rund 850 Kilometer Strecke liegen vor ihm und den anderen Läufern, die am Mittwochabend am Bootshaus bei der »Pasta-Pack-Party« erst ihre Sachen packen und dann zusammen Pasta essen. Am Donnerstagmorgen um 7 Uhr sind sie zum Staffellauf nach Winchester, Grafschaft Hampshire, im Süden Englands gestartet. Auf den ersten Kilometern wurden sie von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz aus der Stadt herausgeführt. Sie gab auch den Startschuss.
27. September 2018, 22:08 Uhr
Christian Schneebeck
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»Voll im Tunnel« wollen die Sportler auf dem Weg nach Winchester gerade nicht sein. Ihnen geht es vielmehr darum, laufend die Strecke zu genießen. (Foto: csk)

Der Weg ist nicht das Ziel, aber ohne den Weg wäre auch das Ziel eigentlich nichts. Jedenfalls haben die nächsten Tage bei aller Anstrengung schon etwas von »Urlaub«, meint Oliver Lauff. Rund 850 Kilometer Strecke liegen vor ihm und den anderen Läufern, die am Mittwochabend am Bootshaus bei der »Pasta-Pack-Party« erst ihre Sachen packen und dann zusammen Pasta essen. Am Donnerstagmorgen um 7 Uhr sind sie zum Staffellauf nach Winchester, Grafschaft Hampshire, im Süden Englands gestartet. Auf den ersten Kilometern wurden sie von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz aus der Stadt herausgeführt. Sie gab auch den Startschuss.

Ob es jetzt 835 Kilometer bis in die Gießener Partnerstadt sind, wie es auf den offiziellen Lauf-T-Shirts steht, oder doch die 865, von denen Lauff spricht: Die neun Etappen durch fünf EU-Staaten werden eine harte Nummer. Und phasenweise werden sie ein Sightseeing der besonderen Art. Etwa, wenn die Sportler am 30. September in Brüssel die hessische Landesvertretung und den Europapolitiker Udo Bullmann besuchen oder, wenn sie am 2. Oktober in Calais direkt am Ärmelkanal Station machen.

Der Partnerstadtlauf nach Winchester ist der dritte seiner Art. Die Premiere 2014 führte 661 Kilometer von Gießen nach Hradec Kralóvé in Tschechien, die zweite Auflage 2016 exakt 1001 Kilometer vom italienischen Ferrara nach Gießen. Zwei Busse begleiten die Athleten, von denen immer einer oder eine laufend unterwegs ist. Kalkuliert seien sechs Minuten pro Kilometer, rechnet Lauff vor. Läuft alles glatt, hat der Tross jeden Abend rund 100 Kilometer in den Knochen. Der jüngste der 22 Teilnehmer ist 17 Jahre alt, der älteste 66.

Viele Läufer kommen von der LGV Marathon Gießen, und auch sonst gehen wieder einige alte Hasen an den Start, zu erkennen an ihren Partnerstadtlauf-Insidern: Sagt jemand »Übernachtung für 3,50 Euro – inklusive Frühstück!«, erinnert er sich zum Beispiel gerade an Kost und Logis in Tschechien. Überhaupt ist die Stimmung am Mittwoch heiter, von Anspannung keine Spur. »Das Wetter soll gut werden«, weiß Lauff, »und mit der Sprache haben wir es diesmal leichter.« Anders als die Sportler beim ersten Lauf von Gießen nach Winchester, der bereits 1983 stattfand, werde man die müden Beine außerdem nicht in Turnhallen hochlegen – sondern meist in vergleichsweise komfortablen Jugendherbergen. Was kann da noch schiefgehen?

Ein wenig Kopfzerbrechen bereiten Organisator Lauff die britischen Laufgewohnheiten. »Unfassbare Läufe« habe er von den Sportskameraden auf Youtube gesehen, teils »mitten durch Maisfelder«. Das müsste die Gießener nicht weiter interessieren – träten sie nicht nach ihrer Ankunft in Winchester am 6. Oktober zum dortigen »Parkrun« an. Immerhin: Die Teilnahme an einem Marathon im Nachbarort haben sie dankend abgelehnt.

Der Präsident der Deutsch-Englischen Gesellschaft Gießen, Lawrence de Donges-Amiss-Amiss, schaut am Mittwoch genauso bei der Party vorbei wie Stadträtin Astrid Eibelshäuser und Sportamtsleiter Tobias Erben.

Abends wollen sie Hamm, das erste Etappenziel, erreichen. Das meiste ist dann schon geschafft – zumindest höhentechnisch. Ein gutes Stück vor Winchester wird die Gruppe schließlich auf die britischen Gastgeber stoßen. Für das gemeinsame Finish am 5. Oktober rechnet Lauff deshalb nach allem, was er aus England gehört hat, mit einem echten Spektakel. Und falls die Gäste im Ziel einen Wunsch freihaben, sind sie vorbereitet. »Wäre doch schön, wenn Sportler aus Winchester im nächsten Jahr in Gießen laufen würden, beispielsweise beim Run ’n’ Roll for Help«, betont Lauff.

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