Stadt Gießen

Gisela und andere Artverwandte

Gießen (bf). Was hatte er nicht alles geplant für seinen großen Auftritt in der Kongresshalle: Einmal Indiana Jones sein! Eine Felswand sollte es geben, die gesprengt wird, sobald die Titelmusik seines Helden durch die Lautsprecher ertönt. Aus den Trümmern der – natürlich »echten« – Felswand wird der erstaunte Blick der rund 350 vergnügten Zuschauer im Saal so denn frei auf eine Showtreppe, wie man sie sonst von Stars wie Celine Dion kennt. »Eigentlich sollten hier jetzt Tänzerinnen aus Azerbaidschan auf der Bühne eine große Show abziehen, aber das Tourneemanagement hat sie gestrichen«, lässt Nachtsheim sein Publikum wissen. Und es gibt keine Tiger mit Silvesterknallern im Po und auch Peter Maffay reitet nicht auf einem Elefanten in den Saal. Leider verfügen eben die meisten Kleinkunstläden nicht über all diese vom Badesalz-Comedian gewünschten Showaccessoires. Und so nimmt Nachtsheim für sein aktuelles Solo-Programm mit »Gisela« vorlieb, der gleichnamigen hessischen Stubenfliege, die wie in einem Comic hinter ihm auf eine Leinwand projiziert wird.
06. März 2017, 19:50 Uhr
der Redaktion
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Henni Nachtsheim begeistert sein Publikum auch ohne große Showtreppe. (Foto: sis)

Gießen (bf). Was hatte er nicht alles geplant für seinen großen Auftritt in der Kongresshalle: Einmal Indiana Jones sein! Eine Felswand sollte es geben, die gesprengt wird, sobald die Titelmusik seines Helden durch die Lautsprecher ertönt. Aus den Trümmern der – natürlich »echten« – Felswand wird der erstaunte Blick der rund 350 vergnügten Zuschauer im Saal so denn frei auf eine Showtreppe, wie man sie sonst von Stars wie Celine Dion kennt. »Eigentlich sollten hier jetzt Tänzerinnen aus Azerbaidschan auf der Bühne eine große Show abziehen, aber das Tourneemanagement hat sie gestrichen«, lässt Nachtsheim sein Publikum wissen. Und es gibt keine Tiger mit Silvesterknallern im Po und auch Peter Maffay reitet nicht auf einem Elefanten in den Saal. Leider verfügen eben die meisten Kleinkunstläden nicht über all diese vom Badesalz-Comedian gewünschten Showaccessoires. Und so nimmt Nachtsheim für sein aktuelles Solo-Programm mit »Gisela« vorlieb, der gleichnamigen hessischen Stubenfliege, die wie in einem Comic hinter ihm auf eine Leinwand projiziert wird.

Für Gisela plaudert der Henni Nachtsheim aus dem familiären Nähkästchen und lässt sein Publikum im kleinen Saal der Kongresshalle an Anekdoten aus seinem Erlebnisfundus als Tierliebhaber teilhaben. Da gibt es die Hamster, die er mit Helmen aus Überraschungseiern auf die Spur der häuslichen Carrera-Bahn schickte. Da ist die Dokumentation »Spuck mich an« über Lamas, die Nachtsheim in einem Berliner Kino angeschaut hat. Da sind Silberfische im Bad und Eichhörnchen, die den Abwasch erledigen. Innerhalb der Familiensaga geht es um charakterstarke Onkel namens Porno-Paul oder Drehbuch-Charly, der unter anderem das Skript für »Bleed runner« (so, wie man’s spricht) über einen Mann, der gegen die Wand läuft, in der Schublade hat.

Und dann gibt es ja auch noch Stubenfliege Gisela, deren Schandmaul legendär ist. Eben das hat sie auch davor bewahrt, von dem Comedian mit der Zeitung erschlagen zu werden. Denn schließlich kann Gisela sprechen, was für ein Tier ihrer Art sicher nicht selbstverständlich ist. Mit dieser titelgebenden Gisela unterhält sich der Come- dian über seine Wünsche, das Älterwerden, sein Hobby Fußball, seinen Namen – und liest ihr und dem Publikum Geschichten vor. Über seine pubertierende Tochter, vor der sogar die Polizei Angst hat. Über seinen Sohn, der ihn überraschend zum Manager macht. Und die ältere Tochter, die sich Nachtsheims legendären Songtitel »Is nur Kino« auf den Unterarm tätowieren lässt.

Nachtsheim bricht gerne Tabus und legt seinen Figuren Derbheiten in den Mund. Aber so skurril seine Protagonisten wie Porno-Paul oder Drehbuch-Charly auch daherkommen: Den Typus erkennt man wieder irgendwie. Bei Henni Nachtsheims Erzählungen gehen Fiktion, Überzeichnung und Realität wild ineinander über. Wer weiß schon, was stimmt? Was auf jeden Fall stimmt: Die älteste Tochter hat ein Tattoo auf dem Unterarm: »Is nur Kino«. Und der Papa findet Tatoos Mist, aber dieses findet er gut. Echt.

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