05. Oktober 2018, 21:39 Uhr

Gießkanne aus Madagaskar

Der 35-jährige Lars Bielor aus Gießen ist in Madagaskar auf die Suche nach einer originellen handgefertigten Kanne für das Gießkannenmuseum in seiner Heimatstadt gegangen. Auf einem lokalen Markt wurde er auch fündig.
05. Oktober 2018, 21:39 Uhr
Lars Bielor mit seinem gerade erstandenen Museumsstück und dem madagassischen Gießkannenverkäufer auf einem Wochenmarkt im Herzen der Tropeninsel. (Foto: Klaus Heimer)

Vor 13 Jahren kam Lars Bielor studienbedingt nach Gießen. Seitdem ist er hier zu Hause. Bei seinen Auslandstouren denkt er stets auch an seine jetzige Heimatstadt, insbesondere wenn er Menschen sieht, die ihre Gärten oder Felder mit Wasser »gießen«.

Bei seinem derzeitigen einmonatigen Aufenthalt unter dem Motto »Mit Madagaskars Menschen und Lemuren auf Du und Du« sind dem 35-Jährigen natürlich all die vielen einheimischen Handwerker, Bastler und Tüftler ins Auge gefallen, die mit viel Geschick ihr Einkommen sichern und nützliche Dinge herstellen. Dazu gehören auch originelle Gießkannen aus Blechdosen, in denen zuvor Kokosöl transportiert wurde.

Vor dem Besuch des Montagsmarktes des Volksstammes der Betsileo in Andohansahy, 15 Kilometer nördlich der Stadt Fianarantsoa im südlichen Hochland der Insel, stand daher für den Gießener Handballer felsenfest: Ich nehme eines der originellen lokalen Gießgefässe für unser Gießkannenmuseum mit. Ein Einheimischer, der ihm auf dem riesigen Marktgelände mit einer Kanne über den Weg lief, wies die Richtung zum einzigen Verkäufer, der wohl erstmals in seinem Leben einen ausländischen Kunden begrüßen konnte.

Bei derartigen Geschäften ist üblicherweise Handeln angesagt, doch beim ersten unschlagbaren Preis des Verkäufers, der satte 6000 Ariary (umgerechnet rund 1,50 Euro) haben wollte, erübrigte sich das für Bielo. Das Geschäft war perfekt, ein Foto als Erinnerung und der Gießener konnte mit seinem Museumsstück, das wohl die Nummer 1256 erhalten dürfte, abziehen.

Exotisches Museumsstück

Sozialpädagoge Bielor sorgt in Madagaskar wegen seiner Körpergröße und der Lockenpracht sowieso schon für Aufsehen und nicht selten denken Landbewohner, »Jesosy« (also Jesus) sei zu ihnen gekommen. Am Gießkannenstand versammelte sich dann auch eine stattliche Menschenmenge um die kleine deutsche Besuchergruppe, um hautnah mitzuverfolgen, was dort wohl vorgeht und um heitere Kommentare abzugeben. Dass diese Gießkanne für ein Museum gedacht ist, das kann man natürlich nur schwer einem Madagassen erklären. Nun bleibt zunächst abzuwarten, was der madagassische Zoll beim Heimflug zu diesem ungewöhnlichen Museums-Exponat im Reisegepäck sagt…

Der aus Bad Sobernheim an der Nahe stammende deutsche Reiseleiter Klaus Heimer, der seit 18 Jahren auf Madagaskar lebt, hat für Bielor übrigens noch zum Abschied die wohl kleinste madagassische Gießkanne erworben, die er auf dem Tropeneiland entdeckt hat. Somit kann der Gießener nun in Kürze in seiner Heimatstadt gleich zwei neue exotische Museumsstücke aus der Mosambik vorgelagerten Insel im Indischen Ozean überreichen.

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