21. August 2018, 06:00 Uhr

Stadtfest

Gießener Schausteller streiten um Katharinenplatz

Vieles wirkte vertraut beim Stadtfest 2018 – so wie der Kampf der Schausteller um den Katharinenplatz und die Frage nach der Rolle des Stadtmarketings.
21. August 2018, 06:00 Uhr
Der Katharinenplatz ist seit vielen Jahren ein Hotspot des Stadtfests. (Foto: Schepp)

Am Katharinenplatz war es am Stadtfest-Wochenende wie immer: Die Partyband Oh Lala aus München sorgte für Stimmung wie auf dem Oktoberfest. Vor 15 Jahren hat Schausteller Andreas Walldorf dort einen Publikumsmagneten geschaffen, der aus dem Stadtfest-Programm kaum noch wegzudenken ist. Aber selbstverständlich war es nicht, dass er auch 2018 wieder als Wirt am Katharinenplatz fungierte. Denn erstmals hatte die Gießen Marketing GmbH mit dem Katharinenplatz die Bewirtschaftung einer Stadtfest-Fläche ausgeschrieben. Erst am 24. Juni endete die Bewerbungsfrist, den Zuschlag erhielt der bisherige Betreiber A. Walldorf.

 

Bis zu 7500 Euro Zuschuss

»Auch die Vergabe der Bühnen wird in Zukunft stärkeren Regelungen unterliegen. Da im Falle der Bühne am Katharinenplatz mit zwei Bewerbern zu rechnen war, wurde für diese Veranstaltungsfläche bereits für das diesjährige Stadtfest eine Regelung getroffen«, erklärt Marketing-Geschäftsführer Tilman Bucher die gesonderte Ausschreibung für den Katharinenplatz. Laut der darin veröffentlichten »Bühnenregelung« durfte der Betreiber zur Refinanzierung zwei Ausschankwagen aufstellen und Sponsoren an Land ziehen. Zudem gewährt das Stadtmarketing einen Zuschuss in Höhe von bis zu 7500 Euro. Dazu Geschäftsführer Bucher: »Das Stadtfest lebt stark von seinem bürgerschaftlichen Engagement. Ohne dieses könnten wir nicht eine solche Vielzahl an Bühnen und Programmpunkten präsentieren. Es sind teils erhebliche Ausgaben notwendig, um dies bewerkstelligen zu können. Dementsprechend ist es auch notwendig, die verschiedenen Bühnen zu unterstützen.«

Aber bei weitem nicht alle Bühnenbetreiber erhalten einen Zuschuss, wie eine Umfrage ergab. Anders sieht es beim Verein Hand in Hand aus, der knapp 4000 Euro für die Bühne in der Kaplansgasse erhält, bestätigt Organisator Harald Löw.

 

Mitbewerber erhebt Vorwürfe

Der andere Bewerber für den Katharinenplatz war A. Walldorfs Cousin Patrick Walldorf. Früher haben beide unter dem Dach der mittlerweile insolventen A. & P. Walldorf GmbH gute Geschäfte gemacht, aber dann kam es zum großen Krach, an eine Versöhnung ist im Moment nicht zu denken. Patrick Walldorf glaubt nicht daran, dass die Bewirtschaftung des Katharinenplatzes durch seinen Verwandten jemals in Frage stand. »Das war eine ausgemachte Sache, dass er den Zuschlag bekommt. Die Bands hat er doch schon im März gebucht«, sagt P. Walldorf. Er unterstellt, dass sein Cousin für den Verlust des Generalpächer-Vertrags für das Katharinenviertel vom Stadtmarketing entschädigt wurde. »Mit dem Zuschuss und seinen anderen Standorten stand er jetzt besser da als früher«, sagt P. Walldorf.

Wir werden auch in Zukunft keinen Schausteller bevorzugen oder verdrängen

Marketing-Chef Tilman Bucher

Alles Unsinn, antwortet A. Walldorf. »Ich habe die bessere Bewerbung abgegeben, das ist alles.« Seine Erfolgsband Oh Lala habe für ihn das Stadtfest-Wochenende »geblockt«, weil lange nicht feststand, ob er wieder den Katharinenplatz bewirtschaften kann. »Ich arbeite seit 15 Jahren mit der Band zusammen, wir sind Freunde geworden, da springt man nicht so einfach ab«, erklärt A. Walldorf. Den wiederholten Vorwurf, es werde bei Standvergaben zu seinen Gunsten gemauschelt, weist er entschieden zurück. »Wer das behauptet, soll Beweise bringen.« Den Konflikt mit seinem Cousin bezeichnet er als »Privatfehde«, die nicht von öffentlichem Interesse sei.

Stadtmarketing-Chef Bucher erklärt zum Familienzwist. »Wir haben uns im Konflikt der beiden Schausteller stets neutral verhalten. Wir werden auch in Zukunft keinen Schausteller bevorzugen oder verdrängen.« Die GmbH habe sich wiederholt bemüht, Lösungen zu finden. Diese seien aber leider zumeist von einer der beiden Seiten abgelehnt worden. Zur Vergabeentscheidung erklärt Bucher, dass die Bewerbungen gemäß dem für den Katharinenplatz geltenden Punktekatalog bewertet worden seien und A. Walldorf den Zuschlag erhalten habe.

 

SPD-Fraktionschef berät Marketing

Laut P. Walldorf sei ihm und seinem Anwalt die Vergabentscheidung in der vorletzten Woche bei einem Gespräch von Bucher erläutert worden. Als Anwalt der GmbH sei Christopher Nübel aufgetreten, der die SPD-Fraktion im Stadtparlament führt, der A. Walldorf als Stadtverordneter angehört. Einen Interessenkonflikt kann Verwaltungsjurist Nübel nicht erkennen: »Ich habe ein projektbezogenes Mandat angenommen und die Marketing GmbH bei der Erarbeitung der neuen Vergaberichtlinien beraten, die für mehr Transparenz sorgen sollen. In diesem Zusammenhang wurde ich von Herrn Bucher gebeten an dem Gespräch teilzunehmen, um die Richtlinien zu erläutern. An Vergabeentscheidungen bin ich nicht beteiligt."

Die Stadt ist Mehrheitsgesellschafterin der 2007 gegründeten Stadtmarketing-Gesellschaft; wie alle anderen Parlamentsfraktionen entsendet die SPD Vertreter in den Beirat der GmbH, der die Geschäftsführung beraten und kontrollieren soll.

Höhere Standgelder

Aus für Generalpachtverträge

Zum Stadtfest hat das Stadtmarketing laut Geschäftsführer Bucher die Standgelder nicht erhöht. Mehrere Betreiber berichteten über saftige Aufschläge im Vergleich zum Vorjahr. Dies hängt laut Bucher mit dem Aus für Generalpachtverträge zusammen. Im vergangenen Jahr hätten diese Standbetreiber noch an den Generalpächter gezahlt, jetzt ans Stadtmarketing direkt. Bucher: »Die Stände wurden alle nach der aktuellen Gebührenordnung bepreist.« (mö)

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