11. Mai 2019, 09:00 Uhr

Marine-Verein

Gießener Marine-Verein ist lahmgelegt

Weil behördliche Auflagen seit Jahren ignoriert wurden, hat das Wasser- und Schifffahrtsamt den Pier des Marine-Vereins am Wißmarer Weg gesperrt. Alle Boote mussten an Land gebracht werden.
11. Mai 2019, 09:00 Uhr
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Von Jens Riedel

Ausgerechnet zu Beginn der Hauptsaison auf der Lahn ist der Marine-Verein Gießen im wahrsten Sinn des Wortes lahmgelegt. Denn die vier motorisierten Boote des Vereins dürfen derzeit am Pier im Wißmarer Weg weder an- noch ablegen und auch nicht dauerhaft festgemacht werden. Dies hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Koblenz verfügt und damit dem Verein quasi ein Fahrverbot auferlegt. Die Schiffe mussten auf Anweisung der Behörde sogar an Land gehievt werden. Deshalb liegt die rund 13 Tonnen schwere »Lahnlust«, das »Flagschiff« des Marine-Vereins, einige hundert Meter lahnabwärts neben dem Ruderclub Hassia auf dem Trockenen. Dorthin wurde das 75 Quadratmeter große Boot, das bis zu 50 Gästen als Ausflugs- und Feierboot dient und mit Tanzfläche, Bar und Musikanlage ausgestattet ist, aufwändig per Kran transportiert, was den Verein einen vierstelligen Betrag kostete. Die drei anderen Boote (Lahnperle, Schlammbeiser II und Schlammbeiser Royal) des über 125 Jahre alten Traditionsvereins wurden per Traktor aus dem Wasser gezogen. Sie liegen nun auf der grünen Wiese am Vereinsgelände.

Aus heiterem Himmel kommt das rigorose Eingreifen des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes jedoch nicht: Schon seit mehreren Jahren soll das Amt den heimischen Marine-Verein dazu aufgefordert haben, »Bauart, Beschaffenheit und Festigkeit« seiner Liegestelle und der Kaimauer am Wißmarer Weg so zu gestalten und neu zu bauen, dass die Anlage gesetzliche Normen erfüllt und genehmigungsfähig ist. Da der Pier des Marinevereins vor Jahrzehnten in Eigenarbeit erstellt wurden, fehlte bislang der statische Nachweis dafür, dass die Liegestelle für die 13 Tonnen schwere »Lahnlust« - die der Verein vor fünf Jahren neu anschaffte - geeignet ist. Denn Befestigungsanlagen für Boote müssen das 1,3 fache der jeweiligen Bootsgewichte aushalten, damit die Boote auch bei Hochwasser oder Eis sicher im Wasser liegen und nicht losreißen. Die Befestigungspunkte müssen statisch berechnet und zusätzlich per Zugprobe auf ihre Haltbarkeit hin überprüft werden.

Allerdings sollen der Verein und dessen langjähriger 1. Vorsitzender Klaus Emrich dem Vernehmen nach die behördlichen Forderungen über Jahre hinweg ignoriert haben - bis es dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt schließlich zu bunt wurde: Die Behörde zwang den Marine-Verein dazu, alle schwimmenden Anlagen einschließlich des Bedarfssteges und der Boote sofort aus dem Wasser zu entfernen. Bei der diesjährigen Hauptversammlung des Vereins trat Emrich als Vorsitzender zurück, seitdem führt Jürgen Müller (zuvor 2. Vorsitzender) die Geschäfte.

Jetzt will sich der Verein möglichst schnell darum bemühen, die behördlichen Anweisungen zu erfüllen, und neue Fundamente am Lahnufer bauen, die von einem Statiker abgenommen werden. Bis wann das geschehen kann, ist derzeit aber noch offen.

Wasser-Hochzeiten fallen aus

Weil die Boote des Marinevereins derzeit stillgelegt sind, entsteht dem Verein ein beträchtlicher Einnahmeverlust. Denn die Schiffe, die von Vereinen, Unternehmen oder Privatpersonen mit Kapitän gechartert werden können, bringen pro Stunde Einnahmen zwischen 160 und 350 Euro. Dieses Geld, das schnell fünfstellige Höhe erreichen kann, fehlt nun dem Verein, der schon jetzt rund 20 fest gebuchte Fahrten ausfallen lassen musste. Und es gibt einen weiteren Wermutstropfen: Mehrere auf der »Lahnlust« geplante Hochzeiten, die der Marine-Verein in Zusammenarbeit mit dem Gießener Standesamt als besonderes Event für Heiratswillige anbietet, konnten und können nicht in der geplanten Form stattfinden.

Nicht betroffen von dem Fahrverbot ist die Sportboot-Schule von Christof Meilinger, der beim Marine-Verein Schulungen (Theorie und Praxis) für den Erwerb des Sportbootführerscheins anbietet. Meilinger, der Schriftführer beim Marine-Verein ist, kann für die Bootsfahrten seiner Schüler andere An- und Ablegestellen nutzen.



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