29. Februar 2012, 19:48 Uhr

Gießener Lungenforschung am Mount Everest aktiv

Gießen (if). Die Gießener Lungenforscher um die Professoren Grimminger und Ghofrani werden künftig ihre Arbeiten zur Klärung der Bedeutung der Sauerstoffversorgung in einer permanenten Forschungsstation »vor Ort« in 6000 Meter Höhe am Mount Everest durchführen können.
29. Februar 2012, 19:48 Uhr
Erinnerung an das provisorische Höhenforschungslabor in 5340 Metern Höhe am Mount Everest im Jahr 2003. Damals hatten die hiesigen Lungenexperten zwölf Männer und zwei Frauen bei einer Expedition untersucht und festgestellt, dass das Potenzmittel Viagra Patienten mit lebensbedrohlichem Lungenhochdruck helfen kann. (Foto: pv)

Möglich macht das ein bilaterales Abkommen über die Einrichtung eines permanenten Höhenforschungslabors sozusagen »unter dem Dach der Welt«, das am Mittwoch vom Präsidenten der Justus-Liebig-Universität ,Prof. Joybrato Mukherjee, in Anwesenheit des Stellvertretenden Leiters des Amtes für Auswärtige Angelegenheiten des »Autonomen Gebietes Tibet«, Wangla, und von der Dekanin der tibetischen Medizinischen Hochschule, Prof. Cui Cvhaoyng, im Präsidialamt unterzeichnet wurde. Dem Vertragsabschluss wohnten auch die tibetischen Medizinprofessorinnen Bsangzhuoma und Baimakangzhuo bei. F. Cirenyangij – ebenfalls vom tibetischen Außenamt entsandt -, übersetzte.

Im Auftrag der seiner Regierung wolle man mit diesem Abkommen einerseits die bisherige Zusammenarbeit festigen und andererseits zugleich neue Forschungsansätze kennenlernen, betonte der Leiter der tibetischen Delegation zuvor im Senatssaal vor Journalisten.

Labors am Aulweg besichtigt

Bereits am Morgen hatten sich die Gäste in den Labors des »Exzellenzcluster Kardiopulmonales System« (ECCPS) bei der Professoren Norbert Weißmann und Ralph Schermuly am Aulweg informiert.«Die Einblicke ,die wir bei der Besichtigung der Gießener Forschungslabors gewinnen konnten, sind sehr eindrucksvoll«. In Tibet habe die Höhenforschung eine lange Tradition, bekräftigte die Dekanin, und Wangla ergänzte: »Es gibt auch Entwicklungen in der traditionellen tibetanischen Medizin, die bereits zur Behandlung der Höhenkrankheit eingesetzt werden.«

Nach dem Austausch von Gastgeschenken würdigte der Universitätspräsident die Aktivitäten, die zu dieser Entwicklung führten. Die neue Kooperation bedeute einen weiteren erfreulichen Schritt bei der internationalen Öffnung der Universität.

Für Breitenmedizin wichtig

Die Gießener Lungenforscher Prof. Frie-drich Grimminger und Prof. Ardeschir Ghofrani, die durch ihr persönliches Engagement die entscheidenden Weichen für die auch forschungspolitisch bedeutsame Kooperation gestellt hatten, erläuterten vor Journalisten die Forschungsziele: Was die Sauerstoffmangelsituation angehe, gleiche die Situation in großen Höhenlagen der chronisch Lungenkranker und intensivmedizinisch betreuter Patienten. Die Forschung auf diesem Gebiet sei daher für die Breitenmedizin von erheblicher Bedeutung. Die aus dem »Gießener Everest-Experiment« von 2003 entwickelte Therapie komme heute bereits Millionen von Menschen weltweit zugute.

Das jetzt beschlossene Vorhaben wird sowohl von der Regierung der autonomen Region Tibet als auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell gefördert. Auch Forscher/innen des kürzlich gegründeten und von Gießen aus koordinierten »Deutschen Zentrums für Lungenforschung« sowie Arbeitsgruppen des »Universities Giessen und Marburg Lung Center«, das vom Exzellenzprogramm LOEW gefördert wird, werden sich an dem Projekt beteiligen.



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