21. März 2019, 22:06 Uhr

Gießener Kunstreihe im KiZ

Die neue Ausstellung im KiZ zeigt unter dem Titel »Stand März 2019« Arbeiten von Künstlerinnen und Künstler der »Gießener Kunstreihe«.
21. März 2019, 22:06 Uhr

Aus der Not eine Tugend machen und dann ein tolles Ergebnis erzielen. Dieses Kunststück hat das Kulturamtsteam hinbekommen, das vor der Aufgabe stand, eine Lücke im Veranstaltungsplan des KiZ (Kunst im Zentrum) füllen zu müssen. Herausgekommen ist eine Ausstellung mit Werken der sechs Künstlerinnen und Künstler der »Gießener Kunstreihe«. Diese Broschüren sind eine Form der Künstlerförderung durch das Kulturamt, zugleich wird der Name Gießen in die Welt getragen. Denn überall, wo die Kunstschaffenden sich bewerben oder ausstellen, können sie die Broschüren – die in Gestaltung und Druck hochwertig sind – an Interessierte ausgeben. Sie werden seit 2012 herausgegeben, möglichst zweimal pro Jahr.

Der erste war Thomas Vinson, dessen Broschüre bereits zum zweiten Mal aufgelegt wurde. Er ist weltweit unterwegs und froh über diese Unterstützung. Den Text hat er auf Französisch übersetzen lassen, schließlich lebt ein Teil seiner Familie in Paris und er hält sich häufig, auch beruflich, dort auf. Caroline Streck hat durch ihr Studium intensive Kontakte nach London und ihren Broschürentext auf Englisch übersetzen lassen, der als Beilage hinzugefügt ist.

Alle haben gute Erfahrungen mit der Broschüre gemacht, erzählen sie auf Nachfrage von Kulturamtsleiter Stefan Neubacher. Sie werden von Kollegen regelrecht darum beneidet, ist zu hören. Eine solche Künstlerförderung gibt es in kaum einer Stadt. Erst recht nicht in den Großstädten wie Berlin, wissen Katja Ebert-Krüdener und Hella Nohl, die beide dort noch ein Atelier haben.

Andreas Walther hat von Anfang an für die sorgfältige Gestaltung inklusive der Profifotos gesorgt und ist glücklich, mit der Druckerei Bender in Wettenberg eine so sorgfältig arbeitende Druckerei vor Ort zu haben. »Es ist viel wert, wenn man die ersten Probedrucke in Augenschein nehmen und falls nötig noch Änderungen veranlassen kann.«

Der neu hinzugekommene, Sechste im Bunde der Kunstreihe, ist Daniel Horvat. Der Maler dürfte vielen bekannt sein, unterrichtet er doch seit Jahren Malen und Zeichnen an der Volkshochschule. Er wurde 1970 in Subotica, damals Jugoslawien, heute Serbien, geboren. Als Kind von Gastarbeitern in der BRD wuchs er in zwei Welten auf: bei den Eltern in Deutschland und bei den Großeltern in Serbien.

Für seine Ausbildung entschied er sich 1985 für Deutschland. Er studierte an der Universität Gießen zuerst Kunstgeschichte und Philosophie, dann Kunstpädagogik und Psychologie. Seit 2010 engagiert er sich in der Ateliergemeinschaft Trafo. Horvat ist total begeistert über diese Künstlerförderung durch die Stadt Gießen und über den professionellen Umgang im gesamten Herstellungsprozess. Er hofft, dass ihn das auf seinem Weg weiterbringt.

Für die Auswahl und Hängung der Werke im KiZ war Kunsthallenleiterin Nadia Ismail zuständig. Sie weist auf die gelungenen Sichtbezüge zwischen den unterschiedlichen Arbeiten hin. Die Werke eines Künstlers sind weitgehend zusammen präsentiert. Nur der »Neue« (Horvat) kann sich auf zwei Ebenen präsentieren: oben mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen, unten mit figurativer Farbmalerei. Thomas Vinson hat so viel mitgebracht, dass seine Objekte aus Aluminiumguss auf mehreren Sockeln im Raum verteilt sind. An den Wänden gibt es noch seine filigranen, am Computer entstandenen Zeichnungen und drei Reihen seiner kleinen Holzobjekte aus Fundstücken, die eine Ästhetik ganz eigener Art darstellen.

Andreas Walther ist mit drei Landschaften vertreten, das sind stark überarbeitete Fotografien, die wie abstrakte Malerei wirken, eines lotet die Farbe Schwarz aus, ein anderes irritiert durch die Draufsicht. Was hat er eigentlich fotografiert, fragt man sich fasziniert. Gegenüber hängen Hella Nohls lichtdurchwirkte Rotweinbilder, die zugleich in ihrer Materialhaftigkeit wie in ihrer Wandlungsfähigkeit beeindrucken.

Rotweinbilder und 1000 Blätter

Caroline Streck hat die große Wand im unteren Raum mit zwei großformatigen Farbgemälden besetzt, die quasi von innen heraus strahlen, das eine in Rot und Violett, das andere in Blau und Hellgrün. An der hinteren Wand hat Katja Ebert-Krüdener ihr aktuelles Ongoing-Project ausgebreitet. Seit 2015 bemalt sie DIN-A4-Blätter in ihrem konstruktiv-abstrakten Stil. Jedes Blatt ist anders, und doch fügen sich alle gemeinsam auf wunderbare Weise zusammen. Sie will das auch als politisches Statement verstanden wissen: Wir sind viele und wir sind vielfältig! Bislang hat sie etwa 400 Blätter bemalt, es sollen 1000 werden. Und sie träumt davon, dass diese wirklich einmal auf die Reise durch die Welt gehen.

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