17. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Gießener Kunsthändler verkauft Rubens-Bild

Gießen (gl). Patrick Paco Steinbeck andelt schon seit vielen ahren mit Kunst und ntiquitäten. Nun hat der Gießener einen besonderen Auftrag erhalten: Er soll für einen Grafen aus Österreich ein echtes Rubens-Gemälde verkaufen. »Ich rechne damit, dass das Bild deutlich mehr als 40 Millionen Euro erzielt«, sagte er.
17. Dezember 2016, 12:00 Uhr
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Von Karola Schepp
Rubens hat sein »Venusfest« (hier als Ausschnitt) gleich mehrfach gemalt. (Fotos: pm)
Einen solchen Auftrag bekommen Händler wahrlich nicht alle Tage. Der Gießener Kunst- und Antiquitätenhändler Patrick Paco Steinbeck wurde von dem österreichischen Grafen Lorentz Gudenus damit beauftragt, für ihn ein wertvolles Gemälde von Peter Paul Rubens (1577-1640) zu verkaufen. Steinbeck rechnet damit, dass »Das Venusfest« am Ende für deutlich mehr als 40 Millionen Euro den Besitzer wechseln wird. Kein Wunder also, dass ein solch wertvolles Bild nicht im Gießener Haus des Händlers lagert, sondern sich bestens gesichert im Depot von Kunsttrans in Wien befindet.
Steinbeck berichtet, es gebe bereits Angebote von privaten Kaufinteressenten aus Russland und Asien. Er weiß: »Solche Bilder verkauft man in der Regel nach New York, in den asiatischen Raum oder nach Russland. Der Kundenkreis für so etwas ist doch sehr klein.« Der Gießener pflegt außerdem gute Kontakte zu großen Auktionshäusern wie Sotheby’s oder Christie’s. Und da dort erst vor einiger Zeit ein vergleichbares Rubens-Gemälde für 76 Millionen versteigert wurde, ist Steinbeck optimistisch, dass auch »Das Venusfest« einen annähernden Preis erzielen kann. Eine satte Provision dürfte ihm sicher sein. »Wie hoch die ausfällt, ist Geschäftsgeheimnis«, sagt er mit einem Schmunzeln.
Mehrere Expertisen namhafter Gutachter belegen, dass es sich tatsächlich um ein Gemälde von Rubens, genauer um eine eigenhändige Kopie des flämischen Meisters handelt. Auch das österreichische Bundesdenkmalamt hat die Echtheit bestätigt und eine Ausfuhr des Bildes genehmigt. Es ist offiziell zum Verkauf freigegeben.
Der Maler hatte sein Werk, dessen Original im kunsthistorischen Museum in Wien hängt, offenbar selbst vervielfältigt. Eine Kopie hat das Nationalmuseum in Stockholm. Mit dem jetzt angebotenen Bild ist eine weitere Version aufgetaucht.
Rund zwei mal 3,25 Meter groß zeigt das Gemälde im Zentrum eine Venusstatue. Um sie herum tummeln sich Putten, ekstatisch Tanzende und mehrere Frauen, die offenbar der Göttin huldigen. Ein Bacchantenzug, angeführt von einem Satyr, und Liebespaare sind ebenfalls zu erkennen.
Schon die Geschichte des Bildes und seines Besitzers ist ungewöhnlich. Graf Gudenus ist Eigentümer von Schloss Felling in Niederösterreich und hatte in diesem Jahr auch als unabhängiger Kandidat für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten Furore gemacht. Der Graf hatte vor einigen Jahren seinen Besitz von Kunstexperten schätzen lassen. Und dabei erlebte der auch als »Rosengraf vom Waldviertel« bekannte Adlige eine große Überraschung. Offenbar hing mit »Das Venusfest« in dem Schloss, das seit Generationen in Familienbesitz ist, ein echter Schatz an der Wand. Nachforschungen ergaben, dass ein Vorfahre des Grafen einst für den Kurfürsten von Mainz, einen leidenschaftlichen Kunstsammler, einige Rubens-Bilder aufgekauft hatte. Und dabei hatte der offenbar auch eines für sich »abgezwackt«.

Steinbeck ist sich bewusst, dass der Auftrag zum Vermarkten eines solch wertvollen Gemäldes in seinem Berufsleben etwas ganz Besonderes ist. Schon als kleiner Junge hatte der Sohn einer Deutschen und eines Spaniers auf Flohmärkten Ware angeboten. Seit über 20 Jahren ist er als Kunst- und Antiquitätenhändler erfolgreich. Dabei handelt er auf Flohmärkten und Antikmessen zwar auch mit Gemälden, bietet aber auch Bronzefiguren, Porzellan, Silberobjekte, antike Möbel und Designmöbel an. Zu seinen Kunden zählen viele ältere Menschen und Erben, die aus Haushaltsauflösungen Kunst und Antiquitäten verkaufen wollen. Ihnen allen rät Steinbeck, einen Experten wie ihn einzuschalten – ein übrigens kostenloser Beratungsservice (www.antik-giessen.de oder unter der Telefonnummer 06 41/95 08 75 33). Denn den Wert einer Antiquität oder eines Gemäldes können Laien nur schwer einschätzen: »Was für den einen Sperrmüll ist, kann für den anderen ein Schatz sein«, weiß Steinbeck. Und vielleicht findet man ja so wie einst der Graf aus Österreich auch auf dem eigenen Dachboden Kostbares – auch wenn es sich dabei gewiss nicht um solche Millionenwerte wie bei Rubens’ »Venusfest« handelt.


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