16. Juni 2019, 20:00 Uhr

Bruchstraßenfest

Gießener Kleinod Bruchstraße wird zur Partymeile

Auch das 35. Bruchstraßenfest hat wieder die Massen angelockt. Die Veranstalter müssen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen gegen das Gedränge ergreifen.
16. Juni 2019, 20:00 Uhr
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Von Christian Schneebeck
Rappelvolle Bruchstraße beim Auftritt von »Linger«. (Foto: csk)

Das Freibier fließt sogar zu schnell. Genau zwei Schläge braucht Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Samstag, bis der Gerstensaft beim 35. Bruchstraßenfest aus dem 30-Liter-Fass strömt. Nicht schlecht - aber irgendwie doch suboptimal. Das Bier hört nämlich gar nicht mehr auf zu laufen. Wahrscheinlich sei der Zapfhahn kaputt, mutmaßen die umstehenden Experten, während sich ein beträchtlicher Teil des Fassinhalts auf dem Pflaster verteilt. So beginnt die Party mit einem kleinen Malheur - und mit der dringenden Suche nach weiteren Freibiertrinkern.

Abnehmer finden sich natürlich genug. Denn »das schönste Fest in der schönsten Stadt«, zu dem Sebastian Mende die ersten Gäste begrüßt, ist bereits nachmittags gut besucht. Vor dem Fassanstich nennt Jürgen Söhngen, Mitglied des Organisationsausschusses, zwei wichtige Daten: Die 35 sei »eine gewaltig hohe Zahl« und »fast schon ein halbes Jubiläum«. Und Grabe-Bolz übernehme zum zehnten Mal die offizielle Eröffnung. Das Kleinod Bruchstraßenfest beschreibt Söhngen als stadtbekannte Tradition und »ruhenden Pol in einer Welt, die sich inzwischen gänzlich verändert hat«.

Die Politik schaut also auch vorbei. Dann gehört die Partymeile zunächst den Familien. Für die Kleinen gibt es Kinderschminken und eine Show des Tinko Kindertheaters. Im »Vergnügungspark« besteht der Sechskampf derweil aus Medizinballgrätschwurf, Dreiecksangeln, Dosenstelzenlauf, Eimerball, Hockeyslalom und Plattenlauf. Und geistige Herausforderungen warten beim »Blind Date« mit Büchern, erdacht vom Förderverein der Sophie-Scholl-Schule. Mal erlauben Stichworte, mal kurze Inhaltsangaben vorläufige Rückschlüsse auf die ansonsten komplett in Packpapier gehüllten Werke. Welcher Schmöker zum Beispiel hinter »Starrköpfiger Polizist. Afrikanischer Todesfall.« stecken mag? Man weiß es nicht. Leicht erkennbar ist nur der Sinn der Übung: »Beurteile nie ein Buch anhand des Covers!«

Den Sinn und Zweck zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen erklärt Söhngen. In Absprache mit dem Ordnungsamt habe man erstmals Notausgang-Schilder aufgehängt, berichtet er. Sie weisen den schnellsten Weg aus der Bruchstraße hinaus. »Damit sich die Leute abends weniger vor der Bühne drängeln«, seien außerdem Freiräume ringsum geschaffen worden. Das, so Söhngen, habe den angenehmen Nebeneffekt, dass durch einen leicht versetzten Getränkewagen nun »mehr Straße einbezogen« werde.

Als es langsam dunkel wird, ist an vielen Stellen allerdings kaum noch ein Durchkommen. Eine wahre Masse bevölkert die beschauliche Gasse. Nachdem nachmittags »Diego’s Blues Band« und die »Sophisticated Butcher Fingers« auf der Bühne gestanden haben, sorgt jetzt die Coverband »Linger« bis tief in die Nacht für Partystimmung.

Der Erlös aus den Getränke- und Essenseinnahmen und dem Verkauf der Tombola-Lose beim Bruchstraßenfest geht auch dieses Jahr wieder an den Verein zur Förderung und Betreuung sprach-, hör- und sehgeschädigter Kinder Gießen und den Förderverein der integrativen Sophie-Scholl-Schule.



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