30. November 2018, 21:16 Uhr

Gießener Hütte abgehängt

Große Sorgen beim hiesigen Alpenverein: Die Gießener Hütte in Kärnten ist seit einigen Wochen von der Außenwelt abgeschnitten. Ein verheerendes Unwetter hat die Zufahrtsstraße schwer beschädigt. Ob die Reparatur vor Beginn der Wandersaison 2019 abgeschlossen werden kann, ist völlig ungewiss.
30. November 2018, 21:16 Uhr
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Von Guido Tamme

Wer zur Gießener Hütte (2215 m) will, fährt zunächst eine schmale Zufahrtstraße am Gößbach im Maltatal in Kärnten entlang. Das Sträßchen beginnt auf 800 Metern Höhe mit einem kräftigen Anstieg und verläuft dann relativ eben durch ein parkähnliches Hochtal, ehe es sich mit vielen Serpentinen bis auf knapp 1700 Meter zum Gößkarspeicher windet. Die Erschließung dieser Wasserkraftanlage ist der Hauptzweck der asphaltierten Straße. Vom Fuß der Staumauer führt dann eine schlichte Forststraße mit vielen Windungen hinauf zur Hütte. Dieser Weg darf nur vom Jagdpächter und zur Versorgung der Hütte befahren werden.

300 Liter pro Quadratmeter

Momentan und auf absehbare Zeit ist die Verbindung zwischen Tal und Hütte aber nicht passierbar. Denn Ende Oktober gab es in dieser Gebirgsgegend ein verheerendes Unwetter: Binnen nicht einmal 48 Stunden strömten 300 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel. »So heftig hat es in den vergangenen 50 Jahren hier noch nie geregnet«, weiß Maltas Bürgermeister Klaus Rüscher. Normal seien 950 Liter im ganzen Jahr.

Der Starkregen schwemmte Erdmassen und Felsbrocken auf die Straße. An mehreren Stellen sind nun die Furten über die Bäche unterbrochen, weil die Betonfahrbahn beschädigt wurde. Auch der Forstweg zur Gießener Hütte ist im unteren Teil verwüstet. Dort hat die Wasserflut die obere Splittschicht auf den Fahrspuren weggeschwemmt.

Bei einer Befliegung hat ein spezialisiertes Ingenieurbüro kürzlich die Schäden in dem ohnehin geologisch schwierigen Gelände im Detail erfasst. In zwei Wochen soll festgelegt sein, was wo genau zur Reparatur erledigt werden muss und wie hoch die Kosten sein werden. Für die Reparaturkosten gibt es einen Aufteilungsschlüssel: Die Hälfte zahlt die Kraftwerke-Betreiber Verbund AG, 16 Prozent steuern zwei Grundbesitzer bei, 10 Prozent die Gemeinde Malta, 7 Prozent die DAV-Sektion Gießen-Oberhessen und 3 Prozent die Fischereiberechtigten.

Anders sieht es aus bei der Privatstraße zwischen Speicher-Parkplatz und Gießener Hütte. Hier teilen sich der Grundbesitzer und die Sektion Gießen die Baulast. Nach ganz grober Schätzung wird das Wiederherrichten der Fahrspuren rund 20 000 Euro kosten. An dem Anteil des Gießener Alpenvereins wird sich der DAV-Dachverband mit mindestens 50 Prozent beteiligen. Außerdem kann die Sektion noch einen Fördertopf des Bundeslandes Kärnten in Anspruch nehmen.

Start in Wandersaison gefährdet

Die finanzielle Belastung des hiesigen Alpenvereins durch das Unwetter ist aber für Jens Agel, den Sprecher des Hüttenwart-Teams, das geringere Problem. Er macht sich viel größere Sorgen, dass die Sanierung nicht rechtzeitig zur regulären Öffnung der Hütte Ende Juni 2019 und damit zum Beginn der Wandersaison abgeschlossen werden kann. Denn witterungsbedingt werden die Arbeiten nicht vor Mitte Mai beginnen können. Auch aus Sicht von Bürgermeister Rüscher ist deshalb eine Wiederfreigabe von Straße und Privatweg vor Juli ein ehrgeiziges Ziel. Für den Fall der Fälle strebt der Bürgermeister aber an, dass eine Belieferung der Hütte provisorisch sichergestellt wird. Bergwanderer und Bergsteiger müssten die Hütte dann allerdings schon vom Tal aus zu Fuß ansteuern. Aus den gewohnten drei Kilometern mit gut 500 Höhenmetern würden dann 15 Kilometer mit 1400 Höhenmetern.

Was die Wucht der Wassermassen unterhalb der Gießener Hütte angerichtet hat, dokumentieren diese Bilder: Links ein völllig zerstörtes Straßenstück, in der Mitte der ausgewaschene Forstweg, rechts eine überschwemmte Straße in der Hochebene. (Fotos: pm)



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