12. Februar 2019, 22:11 Uhr

Geld & Co.

Gießener Herderschüler sind dem Dax auf der Spur

Sie kaufen und verkaufen Aktien, legen Zinssätze fest und deponieren Millionen bei der Bundesbank. Und das alles im Unterricht. An der Herderschule machen Elftklässler beim Planspiel Banker mit.
12. Februar 2019, 22:11 Uhr
Robin, Luca, Sarah und Yara beraten ihre nächsten Schritte beim Planspiel. (Foto: Schepp)

Der Tweet einer 17-jährigen Schülerin aus Köln hat vor vier Jahren bundesweit für Aufsehen gesorgt. »Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann eine Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen.« An der Gießener Herderschule hat man sich diesen Hilferuf zu Herzen genommen. »Die wirtschaftliche Grundbildung, die Schüler aus der Mittelstufe mitbringen, ist in der Regel nicht ausreichend, um die Unterrichtsinhalte in der Oberstufe zu verstehen«, sagt Peter Ries. Viele seien mit dem Wirtschaftsteil der Tageszeitung überfordert. In Abstimmung mit der Schulleitung hat das Gymnasium im Schuljahr 2015/16 das Fach Wirtschaft und Politik (WiPo) eingeführt – und sich mit dieser Entscheidung als Vorreiter betätigt. Ein Jahr später wird das Fach auf Veranlassung des Kultusministeriums in Wirtschaftswissenschaften umbenannt und als fester Bestandteil des Unterrichts in der Einführungsphase (Stufe 11) implementiert.

Herderschule Vorreiter

Dank einer Kooperation mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Goethe-Universität Frankfurt wurde der Unterricht im neuen Fach gepaart mit der Teilnahme am Funkkolleg Wirtschaft des Hessischen Rundfunks. Nicht nur die Resonanz ist seit der Einführung 2015 deutlich gestiegen – bis zu 60 Schüler eines Jahrgangs wählen Wiwi –, »wir sind in der Lage, innovative Prüfungsformate anzubieten, die in den USA entwickelt wurden«. Über das Funkkolleg könne man Themen behandeln, »die in den klassischen Unterrichtsformaten gar nicht enthalten sind«, betont Ries.

Die Elftklässler im Fach Wirtschaftswissenschaften legen nicht nur im Rahmen des Kurses das Cambridge-Sprachzertifikat BEC (Business English Certificate) ab, sie nehmen zudem am Online-Planspiel »Schulbanker« teil, der zentraler Bestandteil des Unterrichts ist. Der Wettbewerb wird vom Verband Deutscher Banken ausgerichtet. 3125 Schüler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz machen seit November mit beim Planspiel, von der Herderschule sind 48 Teilnehmer in zehn Gruppen dabei.

Zum Finale nach Berlin

Die Jugendlichen gründen Banken – vom Online-Kreditinstitut bis zur klassischen Genossenschaftsbank – und müssen sechs Runden lang anhand von Vorgaben Entscheidungen treffen. Eine Runde entspricht dabei einem Geschäftsjahr. Und in jeder Runde kommen von der Spielleitung neue Vorgaben. Yara, Luca, Sarah und Robin haben beispielsweise die »International Bank of Tomorrow« (IBT) gegründet. Vor der letzten Runde müssen sie sich auf einen Konjunkturaufschwung mit erhöhter Nachfrage einstellen. »Ihr könnt mehr Arbeitsplätze schaffen«, heißt es in der Mitteilung.

»Wir sind eine kundenfreundliche Onlinebank«, beschreibt Yara das Geldhaus, das derzeit Platz 14 belegt. »Wir wollen noch unter die Top Ten kommen«, bekräftigt Robin. Das Quartett steckt die Köpfe zusammen, um die nächsten Schritte zu beraten. Was sie in den nächsten Tagen planen, wird an dieser Stelle nicht verraten. Grundsätzlich will die IBT »attraktiv für die Kunden sein, aber auch Gewinne machen«, erklärt Sarah. Dazu gehört auch der Kauf von Aktien. Bisher sei man mit Adidas und der Telekom am besten gefahren, fasst Luca zusammen.

Mit Adidas und Telekom zum Erfolg

»Alle unsere Gruppen liegen im vorderen Drittel, eine sogar auf Platz fünf«, berichtet Ries stolz. Der Klassenlehrer der 11a hofft, dass es eine der Gruppen zur Endrunde nach Berlin schafft. Unabhängig von einer möglichen Finalteilnahme – die ersten drei Plätze werden mit Preisgeldern belohnt – und der durch den Wettkampf erzeugten Spannung sieht der Oberstudienrat eine ganze Reihe von Lerneffekten. Mit dem Planspiel erhalten Schüler die Chance, sich mit ökonomischen und finanziellen Aspekten der Wirtschaftswelt auseinanderzusetzen. »Bei manchen wird sogar ein über das Planspiel hinausgehende und bis in die Realität reichendes Interesse für diese Inhalte geweckt«, betont der Lehrer der Herderschule.

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