12. November 2019, 21:37 Uhr

Justiz

Gießener Bestatterpaar wegen Untreue vor Gericht

Gegen einen heimischen Bestatter und dessen Ehefrau hat die Staatsanwaltschaft Gießen Anklage erhoben. Der Vorwurf lautet auf gewerbsmäßige Untreue in vier Fällen.
12. November 2019, 21:37 Uhr
Beerdigungen wie hier auf dem Neuen Friedhof sind nicht günstig. (Foto: Schepp)

Die Staatsanwaltschaft Gießen hat gegen einen heimischen Bestatter und dessen Ehefrau Anklage wegen vierfacher gewerbsmäßiger Untreue erhoben. Konkret vorgeworfen wird dem Paar, dass es treuhänderisch anvertraute Gelder in Höhe von über 17 000 Euro einbehalten hat. Außerdem gibt es eine weitere Anklage der Staatsanwaltschaft wegen Untreue über 9000 Euro, Insolvenzverschleppung und wegen des 13-fachen Vorenthalten von Arbeitsentgelt (Schaden über 7000 Euro). Das Amtsgericht Gießen hat beide Verfahren zusammengeführt. Der zunächst für diesen Sommer anberaumte Verhandlungstermin sei jedoch abgesagt worden, sagt der Sprecher der Gießener Staatsanwaltschaft, Rouven Spieler, auf Anfrage dieser Zeitung. »Ein neuer Termin ist noch nicht bestimmt worden.«

Gießen: Nachkommen nicht belasten

Die Taten sollen sich laut Staatsanwaltschaft zwischen Sommer 2013 und Frühjahr 2017 zugetragen haben. Dass mit dem ehemals renommierten Bestattungsunternehmen etwas nicht stimmte, war erst im Juli 2016 öffentlich geworden. Damals hatte sich eine Frau aus Frankfurt bei dieser Zeitung gemeldet. Sie erzählte, sie habe anderthalb Jahre nach dem Tod ihrer Mutter immer noch keine Abrechnung für die Restsumme von 5000 Euro aus dem Vorsorgevertrag ihrer Eltern bekommen. Bei ihren Recherchen hatte sie festgestellt, dass die Vertragssumme gar nicht auf ein Treuhandkonto eingezahlt worden war. In drei weiteren Fällen soll sich der Bestatter nach dem Tod von Kunden zwar deren Guthaben habe auszahlen lassen, ohne alle Kosten zu begleichen.

Dabei hatte sich das Ehepaar viele Jahre gut auf dem Markt behaupten können. 2006 hatten die Gießener als Mitgesellschafter ein etabliertes heimisches Bestattungsunternehmen komplett übernommen, gerieten dann aber offenkundig 2017 ins Schlingern. Die Umsatzeinbußen wollte der Bestatter wohl auf unlautere Weise wettmachen. Viele Kenner waren erschrocken über dieses unseriöses Gebaren in einer Branche, in dem ein Höchstmaß an Seriosität Pflicht sein sollte.

Gießen: Insolvenzverfahren eingeleitet

Auch mit der Zahlung der Krankenversicherungsbeiträge für das Personal soll das Unternehmen nicht nachgekommen sein. Deshalb hatte vor zwei Jahren eine Krankenversicherung als Gläubigerin den Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Dem hatten sich später die beiden Inhaber angeschlossen; zuvor hatten die Eheleute offenbar noch keine Notwendigkeit zum Handeln gesehen. Ein Insolvenzverwalter hatte anschließend die Geschäftsführung übernommen und die bestehenden Aufträge mit der Hilfe anderer Bestatter abgewickelt. Geplant war, das Unternehmen fortzuführen. Mittlerweile ist am dortigen Betriebssitz aber eine neue Bestatter GmbH heimisch.

Vorsorgeverträge für Bestattungen sind eigentlich ein sinnvolles Instrument. Damit ihre Nachkommen finanziell nicht belastet werden, können Interessierte die zu erwartenden Beerdigungskosten vorab auf ein Treuhandkonto bei einem der beiden Branchenverbände einzahlen. Nach dem Todesfall erhält der beauftragte Bestatter das Geld und kann damit seine Leistungen und die anfallenden Rechnungen begleichen.

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