27. Januar 2016, 12:23 Uhr

Gesprächsrunde des Alevitischen Kulturvereins im Friedenszelt

Gießen (rha). Die Türkei bietet derzeit viel Gesprächsstoff. Die Verfolgung der Kurden, die Flüchtlingspolitik und die Aufhebung der Presse- und Meinungsfreiheit waren entsprechend nur einige der Themen, die in einer Gesprächsrunde des Alevitischen Kulturvereins Gießen am Wochenende angesprochen wurden.
27. Januar 2016, 12:23 Uhr
Im Gespräch (v. l.): Klaus-Dieter Grothe, Inge Bietz, Gerda Weigel-Greilich, Helmut Schütz, Kadir Bayram, Cemil Basmacioglu, Zeynel Sahin, Özgür Öz, Gülsenem Yilmaz. (Foto: Rebecca Hahn)

Vor dem Rathaus hatte der Verein für zwei Tage ein »Friedenszelt« aufgeschlagen, in dem sich am Samstag Kommunalpolitiker und Vertreter verschiedener Religionen und Kulturen über die aktuelle Lage in der Türkei unterhielten.

»Wir wollen auf die Situation der Menschen dort aufmerksam machen«, erklärte Gülsenem Yilmaz, Vorsitzende des Kulturvereins, die Idee zum Zelt. Die Aleviten hätten immer hinter denjenigen gestanden, denen Unrecht geschieht.

Klaus-Dieter Grothe, Vorsitzender der Gießener Grünen-Fraktion, hatte von einem seiner letzten Türkeiaufenthalte eine Fahne der prokurdischen HDP mitgebracht. »Ich habe sie nur unter der Auflage erhalten, damit nicht allein durch die Straßen zu laufen, weil ich sonst zusammengeschlagen werden könnte«, erzählte der Kommunalpolitiker. Das müsse man sich in einem demokratischen Wahlkampf einmal vorstellen. Es sei schrecklich, dass Erdogans Partei mit den Kurden eine komplette Volksgruppe aus rein innenpolitischen Gründen zerstören wolle. Der türkische Präsident dürfe nicht länger hofiert werden.

Inge Bietz von der SPD-Fraktion verwies zusätzlich auf die Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei. Es sei beunruhigend, wie Erdogan Stück für Stück ein autoritäres System aufbaue.

Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) betonte, wie wichtig es sei, im Gespräch zu bleiben. »Eine Polarisierung würde der ganzen Sache schaden«, meinte sie. Deshalb müssten alle vorhandenen demokratischen Kräfte gebündelt werden, gleich ob es dabei um Kurden, Türken, Aleviten oder sonstige Gruppierungen gehe.

Auf die Bedeutung des Dialogs und der interreligiösen Zusammenarbeit wies auch Pfarrer Helmut Schütz von der Paulusgemeinde hin: »Wir müssen uns bemühen, mit Spannungen zu leben, und dürfen nicht aufhören zu versuchen, alle an einen Tisch zu bringen.«

Kadir Bayram vom Mesopotamischen Kulturverein wies auf einen weiteren Aspekt der Kurdenverfolgung hin. Zwar unterstütze die deutsche Regierung Erdogan zurzeit in der Hoffnung, weniger Flüchtlinge aufnehmen zu müssen. Doch was sei, wenn sich irgendwann alle in der Türkei verfolgten Kurden auf den Weg nach Europa machten?

»Wir müssen so schnell wie möglich etwas tun, um den Krieg zu beenden«, meinte auch Cemil Basmacioglu von der European Syriac Union. Ausländerbeiratsmitglied Zeynel Sahin stimmte ihm zu. Die einzige Chance auf Frieden sehe er darin, Erdogan zu Friedensgesprächen zu zwingen. »Mit Waffen kann man keinen Frieden schaffen.« Es sei wichtig, das Problem an der Wurzel zu packen. Etwas anderes könne sich die Bundesregierung angesichts der Millionen von Menschen, die in der Türkei von Verfolgung bedroht seien, gar nicht leisten.

Auch Özgür Öz vom Dachverband der alevitischen Gemeinden in Deutschland, Cem Aslan von der Jugendgruppe des Alevitischen Kulturvereins und Yesim Kantekin als Vertreterin der Frauengruppe sowie des Netzwerks für Migrantenselbstorganisationen forderten auf, nicht wegzusehen und sich für den Frieden in der Türkei wie in der Welt allgemein einzusetzen.

Einen kleinen Anfang hatte die Gesprächsrunde gemacht. Symbolisch schnitt Yilmaz dann noch einen Friedenskuchen an. »Bari? hükümlerin en güzelidir«, stand darauf. Frei übersetzt: »Die Gebote des Friedens sind die schönsten.«

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