05. November 2009, 19:12 Uhr

Geschichtswettbewerb: LLG erneut vorn dabei

Gießen/Berlin (kw). Beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten erhält das Gießener Landgraf-Ludwigs-Gymnasium am heutigen Freitag in Berlin zum achten Mal in Folge einen Schulpreis- ein stolzer Erfolg für Geschichtslehrer Christoph Geibel. Über einen dritten Platz freuen kann sich Johannes Volkmann.
05. November 2009, 19:12 Uhr
Johannes Volkmann (vorn) nimmt heute in Berlin seinen Geschichtswettbewerb-Preis entgegen. Das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium wird außerdem vertreten durch (v. r.) seinen Tutor Johannes Adamietz, die jetzige Studentin Annick Kyra Gallen sowie die kommissarische Schulleiterin Antje Mühlhans. Der Geschichtslehrer Christoph Geibel (l.) hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das LLG zum achten Mal in Folge einen Schulpreis auf Bundesebene erhält. (Foto: Schepp)

Die Nazi-Zeit war für ihn im Unterricht noch gar kein Thema, aber Johannes Volkmann spricht fachmännisch über Generalmajore und den Röhm-Putsch. Geschichte ist für den Zwölfjährigen das schönste »Hobby«, doch er spielt auch gern Fußball, Schach und Klavier. Als stellvertretender Schulsprecher setzt sich der Achtklässler für Mitschüler ein. Ein Junge mit vielen Talenten vertritt heute im Berliner Schloss Bellevue das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium. Johannes hat beim Geschichtswettbewerb einen dritten Preis auf Bundesebene gewonnen - sein Beitrag ist der erfolgreichste der insgesamt 16 aus der Gießener Schule. Zum achten Mal in Folge erhält das LLG außerdem einen Schulpreis.

Begleitet wird der Zwölfjährige aus Atzbach daher von drei weiteren LLG-Vertretern. Annick Kyra Gallen, die im Frühjahr Abitur gemacht hat und jetzt in Marburg Europäische Literatur und Geschichte studiert, ist eine von sechs Landessiegern der Gießener Schule. Der Geschichtslehrer Johannes Adamietz hat unter anderem Johannes Volkmanns Arbeit betreut und war einer von sechs Tutoren. Außerdem ist die kommissarische Schulleiterin Antje Mühlhans dabei. Sie kann sich über eine weitere Urkunde für die Wand vor ihrem Büro freuen - diesmal für einen vierten Platz.

Mühlhans betonte beim Pressegespräch, es sei in erster Linie dem Geschichtslehrer Christoph Geibel zu verdanken, dass das LLG seit 1986 bei dem renommierten Wettbewerb vertreten und seit Jahren immer vorn mit dabei ist. Der Gießener hat für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Betreuung historisch interessierter Schüler nicht nur vor kurzem das Bundesverdienstkreuz erhalten, sondern auch etliche Male die Hand Bundespräsidenten geschüttelt. Das werden die Gießener diesmal wohl nicht erleben: Horst Köhler persönlich ehrt nur noch die Erstpreisträger des Geschichtswettbewerbs, den die Körber-Stiftung veranstaltet.

Für Johannes Volkmann war diese Tradition einst ein Grund, sich für das LLG als weiterführende Schule zu entscheiden. Am liebsten hätte er schon als Fünftklässler am Geschichtswettbewerb teilgenommen, erzählte er nun vor Pressevertretern; doch damals erfuhr er zu spät davon. Nun stand seine erste Teilnahme unter dem bundesweiten Oberthema »Helden: verehrt - verkannt - vergessen«. Dem damaligen Siebtklässler fielen die Gedenktafeln ein, die er kurz zuvor beim Klassenausflug in der Friedberger Burg gesehen hatte. Sie erinnern an das unblutige Ende des Zweiten Weltkriegs in der Stadt. Johannes machte sich erneut auf in die Wetterau, sprach mit drei Zeitzeugen, recherchierte im Stadtarchiv und im Archiv der Wetterauer Zeitung.

Seine Arbeit »29. März 1945: Die kampflose Kapitulation von Friedberg - eine Heldentat?« belegte nicht nur - wie sein Lehrer Adamietz betont - die Selbstständigkeit, Reife und Klugheit des Geschichts-Liebhabers. Sie geriet auch zum Plädoyer, den Text der Gedenktafeln zu verändern. Denn viel zu wenig werde Fred Henrich gewürdigt, der als »Kampfkommandant« der Stadt dafür sorgte, dass es nicht zum Blutbad kam. So missachtete er zwölf Hitler-Befehle, er betrieb zudem Sabotage. Johannes meint, bis heute gebe es Berührungsängste gegen Henrich, der um 1930 überzeugter Nazi war. Auf den Appell des Schülers, vom »Schwarz-Weiß-Denken« abzurücken, habe die Stadt Friedberg leider nicht reagiert - auch nicht, nachdem die WZ über seinen Beitrag berichtet und Johannes zudem zum Thema interviewt hat. »Das hat mich schon ein bisschen enttäuscht«, sagt der Zwölfjährige.

Für ihn steht fest: Er wird auch am nächsten Geschichtswettbewerb teilnehmen, der im kommenden Jahr beginnt. Annick Kyra Gallen hat sich der aufwendigen Aufgabe außerhalb des Unterrichts ebenfalls zweimal gestellt. Es mache Freude, »sich mit einem interessanten Thema tiefergehend zu beschäftigen«, zudem habe sie wertvolle Erfahrungen gesammelt, so die Landessiegerin. Ihr einstiger Lehrer Christoph Geibel beoachtet währenddessen mit Sorge, »dass eine Wettbewerbsteilnahme für Schüler zunehmend schwieriger wird«. Damit die Jugendlichen sie trotz verkürzter Gymnasialzeit und Zentralabitur bewältigen können, müsse die Schulleitung weiterhin Unterstützung leisten, etwa durch Freistellung vom Unterricht. »Wir sind daran sehr interessiert«, bekräftigte Mühlhans.

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