07. Februar 2019, 22:12 Uhr

Geschichten von Gestern

07. Februar 2019, 22:12 Uhr
SAK
Als Sprecher führte Stéphane Bittoun durch den Abend, die Stimme von der ProSieben-Sendung »Galileo Big Pictures«. (Foto: sak)

Gießen (sak). Lesung, Wein und etwas Jazz – eine bewährte Kombination, die am Dienstagabend unter dem Titel »Stories.Wein.Musik.« erstmals in der Gießener Weinraumwohnung stattfand. Initiator ist der in Gießen lebende Musiker und Autor Christoph Jilo (50). Der erste von fünf Terminen präsentierte vor ausverkauftem Publikum Texte zum Thema »Eros, Tier und Teufel«, unter anderem von dem deutschen Lyriker Robert Gernhardt und dem US-amerikanischen Regisseur Woody Allen. In den Pausen spielte Pianist Uwe Hager jazzige Hintergrundmusik.

Der Sprecher des Abends, Stéphane Bittoun, hatte das Publikum schnell um den Finger gewickelt. Als Schauspieler lieh er den verschiedenen Figuren eine eigene Stimme und setzte gekonnt Pausen. Die Lesung verlangte komödiantisches Timing. Und das beherrschte Bittoun.

Doch was nützen der beste Wein und die besten Performer, wenn die Textauswahl missfällt. Statt zeitlose Klassiker oder moderne Literatur auf die Bühne zu bringen, griff der Veranstalter tief in die Mottenkiste. Jilo beförderte Zoten aus den 1960er und 1970er Jahren ans Tageslicht, die die Themen des Abends, Sex und Leidenschaft, alles andere als in gleichberechtigten Beziehungen verhandeln. Dazu gehören etwa die »animalerotischen« Gedichte von Gernhardt, die im Publikum überraschenderweise für große Lacher sorgten. Doch an Zeilen wie diesen, ist nichts komisch: »Der Habicht fraß die Wanderratte, nachdem er sie geschändet hatte.« Oder: »Der Nasenbär sprach zu der Bärin: ›Ich will dich jetzt was Schönes lehren!‹ Worauf er ihr ins Weiche griff. Und dazu ›La Paloma‹ piff.« Auch in anderen Kurzgeschichten, wie Gernhardts »Buch Ewald« und Allens »Intermezzo mit Kugelmaß«, sind Frauen unmündige Wesen – mal zu fett für die männlichen Protagonisten, mal müssen sie beschützt werden, mitunter sogar von Gott persönlich.

Für den nächsten Abend wäre sich zu wünschen, nicht nur mehr weibliche Autorinnen mit ins Programm einzubinden, sondern auch Protagonistinnen, die ihr Leben selber bestimmen.

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