25. September 2019, 06:00 Uhr

Straßenverkehr

Geschäftsleute fordern: Verkehr besser lenken

6000 Parkplätze gibt es am und innerhalb des Gießener Anlagenrings. Trotzdem ist der Park-Such-Verkehr ein Problem - auch aus Sicht der drei Gießener BID-Vereine.
25. September 2019, 06:00 Uhr
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Von Burkhard Möller
Unzufrieden sind die BID-Vereine mit dem 15 Jahre alten Gießener Parkleitsystem. (Foto: Schepp)

Mit dem Strafzettel den Flyer von Gießen aktiv über das Parkplatzangebot in der Innenstadt hinter den Scheibenwischer klemmen: Das ist ein typischer Heinz-Jörg-Ebert-Vorschlag, eine Konfliktsituation konstruktiv aufzulösen. So war es am Dienstagvormittag auch keine Überraschung, dass die Pressekonferenz der drei BID-Vereine Seltersweg, Marktquartier und Theaterpark nicht zu einer Kampfansage an die Propagandisten der Verkehrswende und der autofreien Stadt wurde. »Augenmaß bei allen politischen Entscheidungen« zum Stadtverkehr forderten die Vorsitzenden Heinz-Jörg Ebert (Seltersweg), Thomas Kirchhof (Marktquartier) und Kai Hodenius (Theaterpark) ein.

Zu Beginn war es dem Trio ein Anliegen, einige Missverständnisse auszuräumen. Die BID-Vereine verträten in erster Linie die Hauseigentümer in den drei Distrikten und nur mittelbar die Interessen des Einzelhandels, »auch wenn einige von uns auch Einzelhändler sind«, sagte Kirchhof. Zudem seien sie als Fürsprecher einer attraktiven Innenstadt keine Autofans, was immer unterstellt werde. »Wir wollen nicht mehr Autos und auch nicht mehr Parkplätze«, betonte Ebert.

Letztere seien nämlich ausreichend vorhanden. 6000 am und innerhalb des Anlagenrings, davon die meisten in elf öffentlichen Parkhäusern, stehen zur Verfügung. Leider werde der Verkehr, der in die Stadt fließe, »ungeschickt« gelenkt. Mit dem 2004 in Betrieb genommenen Parkleitsystem sind die BIDs nicht zufrieden. »Parksuchverkehr kann nur durch ein verständliches und funktionierendes Parkleitsystem vermieden werden, das alle großen Parkhäuser und Parkplätze erfasst. Aber das fehlt in Gießen bislang völlig«, kritisieren die Vorsitzenden.

Die Bedeutung des öffentlichen Personennahverkehrs steht für die BIDs außer Frage, aber auch hier nehmen sie viel Ankündigungspolitik wahr und vermissen »konkrete Schritte«. Dazu gehört aus ihrer Sicht eine »schnelle Prüfung«, ob ein System mit Oberleitungsbussen möglich sei, die Erschließung zusätzlicher innerstädtischer Haltepunkte an den bestehenden Bahnstrecken sowie ein dichterer Takt. Das würde automatisch zu einer Reduzierung des Autoverkehrs führen.

Tiefgaragen und Verkehrsberuhigung

Das Auto einfach zu verdrängen, ohne dass es Alternativen gebe, um das Stadtzentrum zu erreichen, lehnen die BIDs strikt ab. In der Debatte der letzten Monate habe es neben konstruktiven Vorschlägen nämlich auch »lautstarke« Forderungen gegeben, Gießen zu einer »autofreien Stadt« zu machen. Dagegen fordern die drei Innenstadt-Vereine einen »gerechten Interessenausgleich« zwischen dem Anspruch der Nachhaltigkeit und dem Erhalt »materieller Grundlagen«.

Dazu gehört für die BIDs, dass Einkaufsstätten, Arbeitsplätze und Dienstleistungen in der City auch für diejenigen erreichbar bleiben, die aufs Auto angewiesen sind. Die Vereine können sich vorstellen, dass der Pkw-Verkehr mit Ausnahme von Anliegern und Lieferanten aus den Bereichen innerhalb des Anlagenrings verbannt wird, wenn ihm gleichzeitig ausreichend Parkraum am Rand der Fußgängerzone zur Verfügung steht. In diesem Zusammenhang bekräftigten die BIDs ihren Vorschlag, unter dem Brandplatz und dem Theaterpark Tiefgaragen zu bauen, die am Parkleitsystem hängen. »Das würde den Parksuchverkehr drastisch reduzieren«, glaubt Hodenius.

Mehr Konkretes hätten sich die BIDs von dem »sehr vagen« Bürgerantrag Gießen 2035Null gewünscht, der morgen im Stadtparlament diskutiert wird. »Was bedeutet das eigentlich konkret, dass Gießen dann klimaneutral sein soll?«, fragte Kirchhof.



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