05. April 2019, 21:17 Uhr

Gerne mehr davon

Zwischen N’Awlins und Nassau: Neue Dylan-Lesarten bietet das Kollektiv Be Bob im Ulenspiegel. Frontman ist Christian Lugerth, der sich schon mit dem Lahn-Dylan-Kreis der Musik des Nobelpreiträgers gewidmet hatte.
05. April 2019, 21:17 Uhr
Be Bob feiern im Ulenspiegel seine Live-Premiere. (Foto: axc)

Es war ein Konzert der Jazzinitiative, aber mit Jazz hatte das Dylan-Programm nur insofern zu tun, als sich Jazzer größere Freiheiten bei der Bearbeitung musikalischer Vorlagen erlauben als Popmusiker. Der Nobelpreisträger aus Minnesota selbst ist mit seiner Tendenz, die eigenen Songs bis zur Unkenntlichkeit zu verändern, vielleicht auch ein Vorbild für das Kollektiv Be Bob gewesen, das im Ulenspiegel seine gefeierte Live-Premiere hatte.

Zentrale Figur ist der als Schauspieler und Regisseur mit dem Stadttheater verbundene Christian Lugerth, der auf der kleinen Ulen-Bühne vor allem als Sänger, aber auch als Rhythmusgitarrist und Blues-Harp-Spieler agiert. Seine Erfahrungen hat er nicht zuletzt mit dem – musikalisch weniger wagemutig agierenden – Lahn-Dylan-Kreis gesammelt. Zu diesem gehört auch Christian Keul, der im Kollektiv Kontrabass spielt und erkennbar Freude an den Ostinati hat, die er als Grundlage für viele Be-Bob-Versionen liefern darf. Die Leadgitarre, eine retromäßige Halbakustische mit riesigem Wimmerhebel für dezent dreckig eingefärbte Riffs und Licks, spielt der von Colors of Blue und Black Coffee bekannte JJ Fischer. Ebenfalls mit allen musikalischen Wassern gewaschen: Captain Overdrive-Posaunist Andreas Jamin und Drummer Joe Bonica.

Über die Idee, den eigenwilligen, aber immer zugänglichen Neubearbeitungen kurze Rezitationen und Songtextausschnitte mit Übersetzung voranzustellen, kann man geteilter Meinung sein, aber die Qualität und Originalität der musikalischen Neuinterpretationen begeistert. Immerhin erspart das Konzept den Fans die x-te Version des kinderliedhaften Protestsongs »Blowin in the Wind«, das nur gestenreich rezitiert wird.

Zugaben zwischen NY und Kuba

Richtig los geht es mit »On the Road Again«. Der im Original konventionelle Zwölftakter kommt durch Jamins Posaune mit leichter New-Orleans-Jazz-Note daher, und »Tangled Up in Blue« tönt mit seiner leicht angezerrten Gitarre recht funky, im Solo sogar schwer rockend. Ein feines Bass-Solo rundet die Sache ab. In »Everything Is Broken« begeistert eine coole Slidegitarre, während »Maggie’s Farm« – sehr gebremst mit verhallter Gitarre, Schlägeleinsatz an den Drums und Bluesharp – an die Sümpfe im Mississippi River Delta denken lässt. Die Geschichte von »Hollis Brown« kombiniert das Kollektiv mit »Masters of War« und »Political World«.

Am weitesten geht die Band mit »Like a Rolling Stone«, dessen Text sie auf Miles Davis’ Modaljazz-Klassiker »Freddie Freeloader« legt. Und in der Zugabe pendelt Dylan dann noch zwischen NYC und Havanna: »All Along the Watchtower« ist klar an die Hendrix-Version angelehnt, kleidet sich aber in ein kubanisches Gewand. Ganz zum Schluss gibt es dann sogar noch einen eher unbekannten Dylan-Song, den Elvis durch eine Coverversion geadelt hat. Bleibt zu hoffen, dass weitere Auftritte folgen werden.

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