07. November 2010, 22:26 Uhr

Gelungene Premiere für »Liebigs Suppenfest«

Gießen (fd). Wie Justus von Liebig zum Geburtshelfer der Tütensuppe wurde, die Sammelbildchen in Mode brachte und einer kleinen Bucht in Uruguay zu wirtschaftlicher Blüte verhalf, konnten am Wochenende die Besucher der Innenstadt bei der ersten Auflage von »Liebigs Suppenfest« lernen.
07. November 2010, 22:26 Uhr
Für die musikalische Unterhaltung beim »Suppenfest« in der Innenstadt sorgte unter anderem die Marching-Band »Volle Kanne«. (Fotos: fd)

Dazu lockten kulinarische Köstlichkeiten an verschiedenen Suppenständen, ein kulturelles und wissenschaftliches Programm sowie ein verkaufsoffener Sonntag. Herbert Martin, bei der Gießen Marketing GmbH für die Organisation der Veranstaltung zuständig, zog nach einer »gelungenen Premiere« ein positives Resümee und kündigte eine Fortsetzung im nächsten Jahr an.

Fieberanstieg, Bauchschmerzen, Darmverstopfung: Die Erfolgsgeschichte der Tütensuppe begann mit einer schweren Infektionskrankheit. So wurde Justus von Liebig - im Jahr 1853 gerade in München - von einer Bekannten besucht, die kurz nach ihrer Ankunft an Typhus erkrankte. Nachdem nichts gegen die Krankheit helfen wollte, versuchte der Chemiker es mit frischem Hühnerfleisch, das er zerhackte, für einige Stunden in verdünnte Salzsäure einlegte, das Fleisch abfiltrierte, die Flüssigkeit neutralisierte und diese der Kranken einflößte. Das verblüffende wie folgenreiche Ergebnis: Schon bald war der Typhus mit Hilfe der Brühe besiegt - die Erfolgsgeschichte des Fleischextraktes konnte beginnen.

Im Rahmen von »Liebigs Suppenfest« boten am Wochenende die ZAUG GmbH, die Gasthäuser »Zum Löwen« und »Justus«, das Bistro »No. Ten«, das Restaurant »Nordsee« sowie Karstadt und die Galeria Kaufhof an acht Ständen in der Innenstadt von Minestrone bis Kürbiscreme alles an, was den Gaumen des Suppenfreundes erfreut. Hinsichtlich des Besucherzulaufs zeigten sie sich trotz mäßigen Wetters zufrieden. »Gerade für die Jahreszeit scheint das Konzept zu stimmen«, so auch Herbert Martin von der Marketing GmbH, der bereits über eine Erweiterung nachdachte: »Im nächsten Jahr wollen wir noch mehr Suppenstände hinzubekommen.«

Neben dem kulinarischen Angebot berichteten das Liebigmuseum und verschiedene Universitätsinstitute allerlei Wissenswertes rund um Justus von Liebig, seine Erfindung und deren Folgen. So etwa für eine kleine Bucht in Uruguay, der Liebig ab 1862 zu wirtschaftlicher Blüte verhalf, indem er dort mit seinem Fleischextrakt in die Massenproduktion einstieg: In Südamerika gab es Rindfleisch in großen Mengen, weil die Tiere vorrangig wegen ihrer Häute, Hörner und Knochen geschlachtet wurden. Während Liebig hoffte, so ein bezahlbares Nährmittel für die ärmeren Bevölkerungsschichten zu schaffen, wurde sein Fleischextrakt letztlich allerdings vorrangig zu einem wichtigen Bestandteil der Truppenverpflegung bei verschiedenen Kriegen in Europa.

Die Besucher von »Liebigs Suppenfest« konnten sich nicht nur an der traditionellen Brühe oder - etwas ungewöhnlicher - an einer französischen Zwiebelsuppe serviert im Brotlaib erfreuten, sondern durften in der Galeria Kaufhof auch bei einer Verkaufsausstellung von »Liebigbildern« auch Sammelleidenschaft nachgehen. Liebig-Bildchen gab es ab 1875 zu jeder Packung des Fleischextrakts als besonderes Schmankerl dazu: Was heute mit Portraits von Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski den Verkauf von Schokoriegeln ankurbelt, funktionierte damals schon mit Fleischextrakt und künstlerisch anspruchsvollen Darstellungen zeitgenössischer Motive. Im Zeitraum von etwa 100 Jahren wurden 1870 Serien mit etwa 11 500 Bildern in 12 Sprachen ausgegeben und werden heute noch gehandelt.

Für Unterhaltung in der Fußgängerzone im Rahmen von »Liebigs Suppenfest« sorgte auch »Chefkoch Appenzeller«, der mit allerlei Tricks spezielle Gaukler-Menüs zauberte. Die Marching-Band »Volle Kanne« sorgte in der Innenstadt für musikalische Akzente. Auch ins Schiffenberger Tal lockte die Besucher ein verkaufsoffener Sonntag mit buntem Rahmenprogramm.



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